Huub Stevens wusste es schon damals, in der Saison 2004/05. Der niederländische Cheftrainer war gerade zum 1. FC Köln gewechselt, um die Rheinländern nach einem dieser vielen Abstiege in den Nullerjahren wieder in die Bundesliga zu führen. Als Co-Trainer stellten ihm die Verantwortlichen einen gewissen Jos Luhukay an die Seite, ebenfalls Niederländer und ebenso ein positiv Fußballverrückter wie er selbst.
Schnell wurde Stevens klar: Der wird es einmal selbst zum erfolgreichen Cheftrainer schaffen. „Das hat sich abgezeichnet“, sagt Stevens heute im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. „Jos hat immer schon seine eigene Meinung über Fußball gehabt, und sie auch immer mit mir diskutiert. Wir haben viel über das Trainerdasein gesprochen, und ich war mir zu einhundert Prozent sicher, dass er es packen wird,“ so Stevens.
Am heutigen Sonntag kann sich Stevens spätestens davon überzeugen, dass es der Zauberlehrling von damals, der schon vor acht Jahren im Begriff war, sich vom Meister zu emanzipieren, es nunmehr tatsächlich gepackt hat. Als Cheftrainer von Hertha BSC kehrt Luhukay dahin zurück, wo er unter Stevens in die Bundesliga aufgestiegen ist: zum 1. FC Köln (13.30 Uhr/Sky, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost).
Luhukay freut sich auf „stimmungsvolles Stadion“
Der alte Meister ist schon lange nicht mehr da, dafür aber die inbrünstige Unterstützung des Kölner Publikums, die Luhukay schon damals fasziniert hat. Mit durchschnittlich 40.093 Besuchern pro Spiel verfügt der FC über den höchsten Zuschauerschnitt der Liga (noch vor Hertha mit 38.568 Zuschauern). Und daher sagt Luhukay vor der Partie: „Ich erwarte ein packendes Spiel in einem herrlichen und stimmungsvollen Stadion.“
In Köln hatte Luhukay seine Karriere als Trainer in der Bundesliga begonnen. Nach zwei Jahren in der Regionalliga Nord mit Uerdingen assistierte er ab 2002 zunächst Friedhelm Funkel, mit dem er erst ab- und dann wieder aufstieg, später dem Schweizer Marcel Koller, den er sogar für ein Spiel als Interimslösung beerbte, und eben Stevens. Von ihm hat Luhukay vieles gelernt und sagt heute: „Ich schätze ihn sehr.“
Nachdem der heute 49-Jährige Köln 2005 verließ, führte ihn sein Weg über Paderborn, Mönchengladbach und Augsburg bis nach Berlin. Dass Luhukay auch dort erfolgreich sein würde, hatte Stevens ebenfalls geahnt: „Als ich gehört habe, dass Hertha an Jos interessiert ist, habe ich gesagt, dass er der Richtige für Berlin ist. Er passt da einfach hin“, so Stevens, der es wissen muss, schließlich war er 2002 und 2o03 ebenfalls bei Hertha als Cheftrainer angestellt.
Vertragsverlängerung mit Luhukay steht an
Bei seiner Rückkehr nach Köln kann der Zauberlehrling von einst selbst sein Meisterstück schaffen. Erkämpfen die Berliner mindestens ein Remis, sind sie von der Tabellenspitze nicht mehr zu verdrängen und steigen als Zweitligameister in die Bundesliga auf. Gewinnen die Herthaner sogar im Rhein-Energie-Stadion, stellen sie darüber hinaus auch den Punkterekord in der Zweiten Liga ein. Dieser wurde 2001/02 von Hannover 96 mit 75 Zählern aufgestellt.
Beide Ziele möchte Luhukay noch erreichen: „Wir würden dann in die Geschichte des deutschen Fußballs eingehen, daher ist der Anreiz groß, auch weiterhin zu punkten.“ Zudem kann Luhukay zugleich die allerletzten Aufstiegshoffnungen seines alten Arbeitgebers begraben. Die Kölner müssen gewinnen und auf einen Ausrutscher von Kaiserslautern hoffen, um noch den Relegationsplatz drei zu erreichen.
Dass Hertha den Aufstieg bereits geschafft hat, führt Kölns Trainer Holger Stanislawski auch auf Luhukay zurück: „Die Berliner stehen verdient an der Spitze. Nicht nur, weil sie die qualitativ beste Mannschaft haben, sondern es auch geschafft haben, diese Qualität Woche für Woche auf den Rasen zu bringen. Das ist sicherlich auch ein Verdienst meines Kollegen Jos Luhukay.“
In Berlin sehen es die Verantwortlichen ähnlich und bereiten eine vorzeitige Verlängerung von Luhukays noch bis 2014 laufenden Arbeitsvertrags vor. Schon bald könnte Vollzug gemeldet werden, denn auch Luhukay hat signalisiert, gern bei Hertha weiterarbeiten zu wollen. An seiner Seite wird dann weiterhin Co-Trainer Markus Gellhaus arbeiten. Gellhaus hat unter der Woche ein Angebot des SC Paderborn abgelehnt, der ihn als neuen Cheftrainer verpflichten wollte. Den Schritt aus dem Schatten des Meisters, wie einst Luhukay bei Stevens, hat er vorerst nicht gewagt.





