Zweite Liga

Ein Titel, der Hertha BSC keinen Cent bringt

Am Sonntag in Köln will sich Hertha BSC die Meisterschaft in der Zweiten Liga sichern. Dafür gibt es einen großen Pokal, mehr aber auch nicht. Im Gegenteil.

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / pa

Die Fußball-Branche ist eine hochprofessionelle. Sie setzt pro Saison Milliarden Euro um. In den Beziehungen zwischen Vereinen, Verbänden und Geldgebern ist noch das jedes Detail vertraglich geregelt: Wie viel Geld es für die grundsätzliche Unterstützung gibt. Wie viel Geld es bei Erreichen von vereinbarten Zielen gibt. Und ob Meisterschaft, Cup-Sieg oder eine internationale Trophäe – Titel werden zusätzlich belohnt. Wann immer ein Kapitän einen Pokal im Blitzlicht-Gewitter der Fotografen in den Abendhimmel stemmt, fließen zusätzliche Einnahmen in die Vereinskasse. Das Leistungsprinzip pur.

Trophäe sieht aus wie eine Felge

Es sei denn, es geht um die 8,5 Kilo schwere Silberschale, deren Gewinn Hertha BSC am Sonntag perfekt machen kann. Sechs Punkte liegt der Tabellenführer der Zweiten Liga vor dem Zweiten Eintracht Braunschweig. Ein Zähler im Auswärtsspiel beim 1. FC Köln reicht den Berlinern zum vorzeitigen Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft. Wenn es so kommt, wird die Deutsche Fußball-Liga Hertha am letzten Spieltag, am Pfingstsonntag gegen Cottbus im Olympiastadion, die Schale für den Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft überreichen. Diese Auszeichnung gibt es erst seit 2009. Künstler Adolf Kunesch hat die Trophäe mit sieben Strahlen versehen, die sieben Eigenschaften symbolisieren, die für Erfolg notwendig sind: Leidenschaft, Teamgeist, Nervenstärke, Siegeswille, Technik, Taktik und Durchsetzungsvermögen. Die nicht unbedingt kunstsinnige Fußball-Branche hat die Schale flugs in „Felge“ umbenannt, weil sie an Räder an großspurigen Autos erinnert.

Die Rückkehr in die Bundesliga hat Hertha bereits vor drei Wochen mit dem 1:0 gegen Sandhausen perfekt gemacht. Doch die sportlich Beteiligten wollen sich nicht nur mit dem Aufstieg zufrieden geben. Nicht nur aus dem Gedanken des Fairplay. Für Köln ist die Partie gegen den Hauptstadt-Klub ein Schlüsselspiel. Der Tabellen-Vierte braucht einen Sieg, um seine Chance auf Relegationsrang drei am Leben zu erhalten. Bei jedem anderen Resultat wäre der derzeitige Dritte aus Kaiserslautern durch, der parallel bei Absteiger Regensburg antritt. Die Berliner haben jedoch trotz Erreichen des Saisonziel sowohl gegen St. Pauli (3:2) als auch gegen Aue (3:2) bewiesen: Hertha schenkt nicht ab.

Für Köln geht es um alles

Im Gegenteil: Kapitän Peter Niemeyer sagte zum Thema Zweitliga-Meisterschaft: „Das bedeutet mir viel. Es wäre eine schöne Sache für die Mannschaft. Vor allem, weil sie nach dem Aufstieg nicht nachgelassen hat. Ich habe großen Respekt vor der Mannschaft für diese Leistung.” Trainer Jos Luhukay, ohnehin für seinen Ehrgeiz bekannt, sagte: „Das wäre die Krönung einer hervorragenden Saison. Die Mannschaft hat sich das verdient.”

Die hatte am Feiertag frei. Am Freitag wird das Training wieder aufgenommen. Trainer Luhukay muss entscheiden, wie er vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion die Gelb-gesperrten Leistungsträger Peter Pekarik und Ronny ersetzt.

Und was ist, wenn Hertha in Köln nun den einen Punkt holt, der zum Titel fehlt? Dann wird es am 19. Mai, dem letzten Spieltag, eine Zeremonie geben mit Konfetti-Regen und einer Ehrenrunde mit Kapitän Niemeyer und Zweitliga-Schale im Olympiastadion. Die Spötter merken an, dass Hertha zum Rekordgewinner aufsteigt – mit dann zwei Zweitliga-Meisterschaften. Bisher ging die „Felge“ an den SC Freiburg (2009), den 1. FC Kaiserslautern (2010), Hertha BSC (2011) und Greuther Fürth (2012).

Trophäe als Aufwertung

Die DFL begründete die Einführung der Trophäe vor vier Jahren damit, man wolle den Stellenwert „als bester Zweiten Liga der Welt“ symbolisieren. Doch grundsätzlich kümmert die Auszeichnung nicht. Für Vereine wie Hertha, Köln oder Kaiserslautern, vom Selbstverständnis her alles etablierte Erstligisten, ist der Gang durch das Unterhaus eine Schmach. Dieser Titel taugt nicht einmal für den offiziellen Vereins-Briefkopf. Und finanziell bringt die Zweitliga-Meisterschaft auch nichts.

Zwei Millionen an Prämien

Im Gegenteil: Die Zweite Liga kostet. Die genannten Topklubs haben ihre Schuldenberg erhöht, um so schnell wie möglich dort wieder weg zu kommen. So schüttet Hertha zwei Millionen Euro an Prämien für Trainer und Mannschaft aus. Die Ausschüttung ist an ein einziges Moment gekoppelt: Daran, dass der Aufstieg gelingt – ob als Erster, Zweiter oder über die Relegation ist egal.

Auch Herthas Sponsoren-Verträge enthalten keine Klauseln, die die Meisterschaft extra honorieren. Die Dotierung der Kontrakte mit Hauptsponsor Bahn, Ausrüster Nike oder den Exklusivpartnern drehen sich um eine Aspekt: Bundesliga-Zugehörigkeit ja oder nein.

Die feierliche Atmosphäre samt Übergabe der „Felge“ hat also nur Bedeutung für den Ablauf des letzten Spieltages im Olympiastadion. Und sportlich sollte sich Hertha kein Vorbild nehmen an den Vorgängern. Sowohl Fürth als auch der Hertha-Jahrgang 2011 sind nach Erringung der Zweitliga-Meisterschaft prompt wieder abgestiegen.