Nach dem Aufstieg

Nie wieder Langeweile-Spiele für Hertha BSC

Dank des neuen Fernsehvertrags verdoppeln sich ab nächste Saison die Einnahmen von Hertha BSC. Und auch am Ende der Saison wird nahezu jedes Match noch Bedeutung für die Geld-Verteilung haben.

Foto: DIE WELT Infografik

Am Sonnabend werden alle neun Bundesligaspiele zur selben Zeit angepfiffen. 15.30 Uhr, Showdown bundesweit, die einheitliche Anstoßzeit soll Chancengleichheit im Endspurt gewährleisten. Doch einige Mannschaften laufen bereits locker aus, für die Klubs auf den Plätzen neun bis 13 geht es um nichts mehr. Oder doch?

Richtig ist: Mit dem Abstieg haben Nürnberg, Stuttgart und Co. nichts mehr zu tun, geschweige denn mit der Vergabe der Europapokal-Plätze. Tatsächlich ist es in dieser Saison relativ egal, was an den letzten beiden Spieltagen im Mittelfeld geschieht. Doch das ändert sich ab kommender Saison.

Warum? Die Endplatzierung ist generell ein wichtiger Faktor bei der Berechnung, wie das Fernsehgeld verteilt wird. Das geschieht nach jeder Saison. Derzeit kommen die vergangenen vier Spielzeiten in die Wertung. Diese werden multipliziert: die just beendete Saison mit Faktor vier, die Saison davor mit Faktor drei und so weiter.

Daraus ergibt sich ein Ranking, nach dem das Geld an die 36 Profiklubs verteilt wird – wobei die Bundesliga 80 Prozent abbekommt und die Zweite Liga 20 Prozent.

Vom Sommer 2013 an greift der neue Fernsehvertrag, es geht also um viel mehr Geld als bisher. Allerdings unter geänderten Bedingungen: Kam bisher für die gerade beendete Saison der durchschnittliche Tabellenplatz in die Wertung, greifen von 2013/2014 an zwei neue Regelungen. Zum einen werden nun fünf Spielzeiten berücksichtigt statt vier.

Viel wichtiger aber ist: Es zählt dann nur noch der Rang, auf dem die Vereine nach dem 34. Spieltag stehen, nicht mehr der Durchschnittswert. Fällt also ein Klub am letzten Spieltag noch drei Plätze zurück, können ihm dadurch einige Millionen Euro verloren gehen. Denn da mit der neuen Fünf-Jahres-Wertung die abgelaufene Saison mit Faktor fünf in die Wertung kommt, ist jeder Platz mehr oder weniger bares Geld wert.

„Die neue Regelung birgt Chancen, aber auch größere Risiken“, sagt Christian Heidel, Manager bei Mainz 05. Er erwartet „erhebliche Auswirkungen“, seriöses Planen werde nun schwieriger. „Damit werden die letzten Spieltage, in denen es für einige oft um nichts mehr geht, sportlich aufgewertet.“

Anstieg um rund 50 Prozent

Es wird also schwieriger, den Etat zu kalkulieren. Allerdings gibt es so oder so mehr Geld. In den vergangenen vier Jahren gab es durchschnittlich 412 Millionen Euro pro Jahr aus der Inlandsvermarktung. Dieser Betrag steigt in den kommenden vier Jahren auf durchschnittlich 628 Millionen Euro. Bayern München als Spitzenreiter dieser Vier-Jahres-Wertung kassiert in der laufenden Saison 25,8 Millionen Euro. Kommende Saison könnte der Erste dann 33,2 Millionen Euro kassieren, also 7,4 Millionen Euro mehr.

Der Tabellenletzte darf sich 2014 über 16,6 Millionen und damit ein Plus von etwa 3,7 Millionen Euro freuen. „Unseren Etat der Lizenzspielerabteilung werden wir um rund zwei Millionen Euro aufstocken“, verrät der Mainzer Heidel. Da der Verteilungsschlüssel nahezu gleich geblieben ist, ergießt sich das Füllhorn recht gleichmäßig über die Erst- und Zweitligaklubs.

Hoffenheims Abstieg wäre Hertha lieber

Größer indessen wird die Kluft zwischen erster und Zweiter Liga. So erhält Hertha BSC im Unterhaus in dieser Saison 7,2 Millionen Euro an TV-Geldern. In der Bundesliga 2013/14 werden es mindestens 19 Millionen sein. Ein satter Sprung. Der sogar noch größer ausfällt, falls Fortuna Düsseldorf die Bundesliga halten sollte und etwa die TSG Hoffenheim absteigen würde. Herthas Finanzchef Ingo Schiller hat zudem bereits versprochen, die Zusatzeinnahmen weniger in teure Spieler zu investieren, als vielmehr zur Senkung des Schuldenberges zu verwenden.

Die deutschen Klubs holen gegenüber in Italien und Spanien auf. In Frankreich gehen sie sogar zurück. England jedoch wird laut DFL-Geschäftsführer Christian Seifert „durch neue Verträge einen Riesensprung machen.“ Die Auslandsvermarktung, die in Deutschland 70 Millionen Euro zusätzlich erbringt, spült 800 Millionen Euro in die Kassen der Premier League. Dazu 1,2 Milliarden aus der Inlandsvermarktung.