Zweite Liga

Herthas Kapitän Peter Niemeyer droht das Saison-Aus

Der 29-Jährige klagt nach seiner schweren Gehirnerschütterung über Kopfschmerzen. Durch eine Magnetresonanztomografie soll nun untersucht werden, wie schwer Niemeyers Verletzung ist.

Foto: Matthias Kern / Getty

Die Sonne tat ihr Bestes, um den Profis von Hertha BSC den Montagnachmittag zu versüßen. In kurzen Hosen und mit guter Laune beging das Team von Cheftrainer Jos Luhukay die erste Trainingseinheit vor dem Heimspiel gegen den SV Sandhausen am Sonntag (Olympiastadion, 13.30 Uhr, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost).

Hertha könnte mit einem Sieg sogar den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen. Denn der 1. FC Kaiserslautern musste am Montag in Aue mit einem enttäuschenden 1:1 (1:0) zufrieden sein. Für Hertha wäre es das erste Mal, dass dies vor heimischem Publikum gelingt. Eigentlich alles in bester Ordnung, sollte man meinen.

Wäre da nicht das Problem mit Peter Niemeyer. Der Kapitän war am Montag ebenfalls zum Olympiagelände gekommen. Doch anders als seine Kollegen schwitzte er nicht auf dem Rasen. Er setzte sich mit Mütze und in grünen Jeans auf eine Getränkekiste am Spielfeldrand und ließ den Kopf hängen.

Der Kopf nämlich macht ihm und Hertha BSC sorgen. Er habe immer noch ein starkes Schädelbrummen, „das mittlerweile fast zur Gewohnheit geworden ist“, sagte Niemeyer nach dem Training mit leerem Blick und leiser Stimme. Konzentrationsschwächen. Ständige Ermüdungserscheinungen. All das plagt ihn seit nunmehr einer Woche.

Mit einem Gegenspieler im Luftduell zusammengeprallt

Beim Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig (3:0) war der 29-Jährige mit einem Gegenspieler im Luftduell zusammengeprallt und zunächst benommen liegen geblieben. Für einen kurzen Augenblick schien er sogar bewusstlos zu sein. Niemeyer musste ausgewechselt und ins Krankenhaus gebracht werden. Einen Tag blieb er dort zur Beobachtung.

Eine schwere Gehirnerschütterung wurde diagnostiziert. Sie hatte zur Folge, dass Niemeyer über Erinnerungslücken klagte: „Von dem Spiel weiß ich nur noch, dass ich zwei Einlaufkinder an den Händen hielt und dass jemand erste Hilfe geleistet hat“, sagte der defensive Mittelfeldspieler. Das 1:1 in Ingolstadt am vergangenen Freitag musste er von der Couch aus verfolgen. Die starken Kopfschmerzen blieben auch in den Tagen danach. An Training war nicht zu denken. Nicht einmal Autofahren konnte Niemeyer.

Durch eine Magnetresonanztomografie (MRT) soll an diesem Dienstag untersucht werden, wie schwer Niemeyers Kopfverletzung ist. Gehirnerschütterungen sind im Fußball nicht selten. Erst am vergangenen Wochenende zog sich Timm Klose vom 1. FC Nürnberg bei der 0:4-Niederlage gegen Bayern München ein Schädel-Hirn-Trauma zu und musste ebenfalls ausgewechselt werden.

Doch ungefährlich ist diese Verletzung nicht. Bei schweren Gehirnerschütterungen besteht die Gefahr von Hirnblutungen, die wiederum zu schwerwiegenden Hirnschäden führen können. Niemeyers Untersuchung soll eine solche Verletzung ausschließen – und die Frage beantworten, wann er wieder einsatzfähig ist.

Trainer weiß um Bedeutung seines Kapitäns

Fest steht, dass Herthas Anführer für das Heimspiel gegen Sandhausen ausfällt. Im schlimmsten Fall aber droht Niemeyer sogar das Saison-Aus. „Bei schweren Gehirnerschütterungen kann es vier bis sechs Wochen dauern“, sagte Luhukay. „Wir hoffen aber, dass es nicht so schlimm ist.“

Der Niederländer weiß um die Bedeutung seines Kapitäns für den Endspurt im Aufstiegsrennen. „Er ist unser Antreiber, der die Mannschaft korrigiert und stimuliert.“ Niemeyers Ausfall hatte sich in Ingolstadt deutlich bemerkbar gemacht, als den Berlinern besonders die defensive Stabilität fehlte, für die Niemeyer vornehmlich zuständig ist.

Sollte die Gehirnerschütterung die Saison für Niemeyer tatsächlich vorzeitig beenden, „wäre das brutal für Peter“, sagte Luhukay. Denn das würde bedeuten, dass dieser das Erreichen des großen Ziels Wiederaufstieg verpassen würde. „Es wäre bitter für ihn, denn er hat so hart dafür gearbeitet“, sagte Luhukay.

Der Betroffene selbst wollte sich an Spekulationen nicht beteiligen: „Ich möchte derzeit noch keine Prognose abgeben, denn ich weiß nicht, was passieren wird“, sagte Niemeyer und wirkte dabei sichtlich angeschlagen. Das Verpassen des Zieleinlaufs im Aufstiegsrennen wäre für ihn eine Enttäuschung und ein Wermutstropfen auf eine ansonsten so erfolgreiche Saison.