Zweite Liga

Herthas Problemzone ist die linke Abwehrseite

Die Berliner setzten in dieser Saison vier verschiedene Linksverteidiger ein, doch nachhaltig für die Bundesliga konnte sich keiner empfehlen. Die Suche nach Verstärkung aber gestaltet sich schwierig.

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Hertha BSC und die deutsche Nationalmannschaft liegen dich beieinander. Wie bitte? Zugegeben, das klingt seltsam. Ist das Team von Trainer Jos Luhukay doch bereits selig, nach einem Jahr Zweitklassigkeit ab der kommenden Spielzeit wieder in der Bundesliga vertreten zu sein und wäre es noch um einiges mehr, sollte es sich auch im Sommer 2014 noch Erstligist nennen können.

Dagegen kann sich die Elf von Bundestrainer Joachim Löw berechtigte Hoffnung machen, zur selben Zeit in Brasilien Weltmeister zu werden. Doch so augenscheinlich das Qualitätsgefälle zwischen ihren Mannschaften auch ist, in einem Problem sind Luhukay und Löw vereint: Richtig glücklich über die Besetzung links in der Viererkette sind beide nicht.

Ein Routinier und zwei Anwärter

In Ermangelung von Alternative hat Löw sich in der DFB-Auswahl derzeit auf den Dortmunder Marcel Schmelzer als Linksverteidiger festgelegt. Für den Moment ist dies die beste Variante, denn die anderen Kandidaten (wie die beiden Hamburger Dennis Aogo und Marcell Jansen) konnten sich nicht nachhaltig empfehlen. Zufrieden aber ist Löw noch nicht.

Ebenso ergeht es derzeit Luhukay bei den Berlinern. Vier Akteure hat der Niederländer im Laufe der aktuellen Spielzeit auf dieser Position ausprobiert (Nico Schulz, Fabian Holland, Felix Bastians und Levan Kobiashvili). Den Großteil der Partien bestritt Holland (17 Spiele), der letztlich ähnlich wie Schmelzer mit dem Beisatz „ok, aber nicht völlig zufriedenstellend“ vermerkt werden kann. Für höhere Aufgaben nach dem erwarteten Aufstieg in die erste Liga konnte sich keiner der vier aus unterschiedlichen Gründen empfehlen.

Schulz, den Luhukay zu Saisonbeginn zweimal als Linksverteidiger einsetzte, hat sich durch starke Leistungen im Mittelfeld aus dem Wettstreit um den Stammplatz in der Viererkette verabschiedet und wird auch in der kommenden Saison als Offensivkraft eingeplant.

Bastians, der im vergangenen Sommer bereits zum FC St. Pauli abgegeben werden sollte, hat bei seinen fünf Einsätzen hinten links kaum Werbung in eigener Sache machen können und fand sich in den vergangenen Partien sogar nur noch auf der Tribüne wieder. Ob er in den Planungen für die Bundesliga überhaupt noch eine Rolle spielt, ist fraglich.

Preetz: „Kobiashvili hilft der Mannschaft derzeit am meisten.“

Kobiashvili, der die Hälfte der Spielzeit gesperrt war, lief nach der Winterpause fünfmal in Folge von Beginn an links auf. Zwar sagt Herthas Manager Michael Preetz: „Er hilft der Mannschaft derzeit am meisten.“ Doch der Georgier wird im Juli bereits 36 Jahre alt. Eine Dauerlösung ist Kobiashvili damit nicht. Bleibt noch Holland.

Das 22-Jährige nutzte nach dem holprigen Saisonstart der Berliner seine Chance und überzeugte vom dritten Spieltag an vor allem mit seiner Zuverlässigkeit in der Rückwärtsbewegung. Eigentlich als defensiver Mittelfeldspieler ausgebildet gefiel Holland seinem Trainer, weil er die Abwehr mit seiner unprätentiösen Spielweise stabilisierte. Hertha stattete ihn deshalb im Dezember mit einem neuen Vertrag bis 2016 aus.

„In der Hinrunde hat Fabian sehr überzeugt und sehr stabil gespielt“, sagt Luhukay. Der 49-Jährige hat Holland einmal als seinen „Pitbull“ beschrieb, was als Kompliment gemeint war und dessen Wadenbeißerqualitäten hervorheben sollte. „Doch die Sicherheit hat er zuletzt verloren.“

Daher experimentierte der Trainer nach der Winterpause fleißig auf der linken Abwehrseite, brachte abwechselnd Bastians und Holland und entschied sich dann doch für Kobiashvili.

Holland kann seine Chance nicht nutzen

Beim 1:1 am vergangenen Freitag in Ingolstadt bekam Holland eine neue Chance, wusste sie jedoch nicht zu nutzen und war einer der Unsicherheitsfaktoren im Spiel der Blau-Weißen. „Er hat nicht so gespielt, wie in der Hinrunde“, sagt deshalb auch Preetz. Zwar könne man ihm dies nicht anlasten, denn die gesamte Mannschaft habe schlecht gespielt, doch der Eindruck der verpassten Gelegenheit bleibt.

Der im Training stets emsig arbeitende Holland selbst sagte kürzlich: „Ich traue mir die Bundesliga auf jeden Fall zu und denke, der Trainer weiß das.“ Doch bei Hertha scheint man das anders zu sehen. „Wir waren zuletzt nicht zufrieden mit Felix und Fabian. Wir beobachten das bis zum Saisonende und sehen uns dann um.“

Die Suche nach Verstärkung für die Viererkette aber ist bereits im Gange und gestaltet sich schwierig. Gute Linksverteidiger sind selten und deshalb teuer. Hannovers Konstantin Rausch, der im Sommer ablösefrei zu haben ist und auf Herthas Wunschliste stand, ist nicht zu finanzieren. Am gehandelten Kasache Heinrich Schmidtgal von Greuther Fürth besteht kein Interesse.

Peter Pekarik als Vorbild

Preetz weiß, dass er vor der schweren Aufgabe steht, einen Akteur zu finden, den es eigentlich gar nicht gibt: „Wir suchen Spieler, die entwicklungsfähig sind, uns sofort weiterhelfen können, aber auch bezahlbar für uns sind. Das ist die Herausforderung.“

Dass es gelingen kann, hat Preetz schon einmal in dieser Saison bewiesen, als er den beim VfL Wolfsburg perspektivlosen Rechtsverteidiger Peter Pekarik für kleines Geld verpflichtete und dieser Herthas Probleme auf der rechten Seite sofort behob. Nach dem Muster Pekarik wird Preetz auch auf links vorgehen.

Dass bedeutet, dass er wie im Fall des Slowaken, der erst am letzten Tag der Transferperiode an die Spree wechselte, zur Not auch lange warten wird. „Wir sondieren den Markt“, sagt Preetz. „Gut möglich, dass erst spät etwa passieren wird.“ Dass in Herthas Problemzone hinten links aber etwas passier wird, ist beschlossene Sache.