Zweite Liga

1:1 in Ingolstadt - Hertha vertagt den Aufstieg

Die Aufstiegsparty muss noch warten. Der Zweitliga-Spitzenreiter kam in Ingolstadt nicht über ein 1:1 hinaus. Nun kann Hertha erst am kommenden Spieltag aufsteigen - beim Heimspiel gegen Sandhausen.

Keine 180 Sekunden dauerte der Auftritt von Jos Luhukay in der Pressekonferenz. Der Trainer von Hertha BSC entschuldigte sich bei seinem kürzesten Medien-Auftritt, dass er sofort müsse. Sprach es, gab seinem Ingolstädter Kollegen Tomas Oral die Hand und eilte zum Mannschaftsbus, der bereits mit laufendem Motor wartete. Nachdem der Cheftrainer eingestiegen war, ging es sofort los. Hertha musste sich sputen, um den letzten Flieger an diesem Freitagabend in München zu erreichen, der nach Berlin ging. Hinfahren, spielen und sofort wieder weg – so lässt sich insgesamt die Dienstreise des Hauptstadt-Klubs nach Bayern beschreiben.

Mit dem 1:1 (0:1) beim FC Ingolstadt verpassten die Gäste die Möglichkeit, bereits an diesem 28. Spieltag der Zweiten Liga die Rückkehr in die Erstklassigkeit g perfekt zu machen. Doch die Aufstiegsparty ist nur verschoben. „Wir freuen uns über das Unentschieden, weil wir jetzt im Heimspiel gegen Sandhausen aus eigener Kraft aufstiegen können“, sagte Luhukay, „dafür ist dieser Punkt Gold wert.“

Luhukay bringt fünf Neue

Und der Tabellenführer war gut bedient mit dem Remis im Audi-Sportpark vor 9167 Zuschauern. Der Trainer hatte nach dem bärenstark 3:0 im Spitzenspiel gegen Braunschweig vom Wochenbeginn seine Mannschaft auf fünf Positionen umgebaut: Christoph Janker war ebenso neu im Team wie Fabian Holland, Alfredo Morales, Marcel Ndjeng und, die größte Überraschung, Änis Ben-Hatira. Die große Rotation bekam dem Team nicht. „Das Selbstverständnis vom Montag war damit nicht mehr gegeben“, sagte Marcel Ndjeng.

Von Beginn an waren die Berliner in der Defensive. Ingolstadt, das zuvor drei Partien in Folge verloren hatte, drängte. Und ging verdient in Führung. Auf der linken Seite konnte Holland einen Pass die Linie herunter nicht verhindern, dort enteilte Marvin Matip Morales. Seine Flanke in die Mitte schob Francisco Caiuby unbedrängt von Brooks und Janker ein, 1:0 (14.).

Sieben Minute später wurde erneut Holland ausgetanzt, Glück für Hertha, dass Ümit Korkmaz den Ball aus vier Metern über das Berliner Tor schaufelte.

Berliner erst kurz vor der Pause gefährlich

Hertha hatte keine Balance. In der Abwehr offenbarte Lustenberger Probleme wie selten in dieser Saison. Im Aufbauspiel nach vorn gingen fast alle Pässe verloren. Vor allem Janker und Ben-Hatira war der fehlende Spielrhythmus anzumerken. Erst kurz vor der Pause zeigte der Favorit den ersten gefährlichen Angriff. Ronny steckte von der Mittellinie auf Adrian Ramos durch, der den Ball zwar an Torwart Ramazan Özcan, aber auch am Tor vorbeispitzelte (41.).

Nach der Pause erarbeite sich erneut der FCI die erste Gelegenheit. Da Costa tankte sich erneut auf der linken Abwehrseite von Hertha durch, in der Mitte fehlte Moritz Hartmann einen Meter vor der Linie nur eine Fussspitze, um den Ball ins Tor zu drücken.

Dann schwanden den Hausherren die Kräfte. Bei Hertha brachten die eingewechselten Sami Allagui und Pierre-Michel Lasogga frischen Schwung. Gleich in der ersten Aktion passte Allagui auf Lasogga, der den Ball knapp am rechten Pfosten vorbeischob (62.). Und dann ging es ganz einfach: Einwurf Holland, Lasogga legte mit dem Kopf ab, Ben-Hatira schoß volley aus acht Metern, unten links landete der Ball im Netz, 1:1 (64.). „Ich bin froh, dass ich von Anfang an spielen durfte, bin aber echt schwer reingekommen“, sagte Ben-Hatira.

Die letzte Chance auf einen zweiten Treffer war ein Ronny-Freistoß. Doch nach zwei spektakulären Toren am Montag jagte der Brasilianer diesmal den Ball in die Mauer. Marcel Ndjeng versuchte es aus der Distanz, dieser Versuch ging über das Ingolstädter Tor. So blieb es beim neunten Unentschieden der Berliner dieser Saison.

Peer Kluge übte indirekt Kritik an der Einstellung einiger Kollege. Der Kapitän, der den wegen einer Gehirnerschütterung in Berlin gebliebenen Peter Niemeyer vertrat, sagte: „Wir haben den Schwung von Braunschweig nicht mitnehmen können. So im Vorbeigehen funktioniert das in der Zweiten Liga nicht. Wir müssen mit dem einen Punkt hier zufrieden sein.“

Kein Aufstieg an diesem Wochenende

Rechnerisch kann Hertha damit an diesem Wochenende nicht mehr aufsteigen. Aber sehr wohl, wenn am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen den SV Sandhausen ein Sieg gelingt. Das Vorhaben mutet machbar an, die Gäste reisen als Tabellenvorletzter und krasser Außenseiter nach Berlin.

„Schade, ich hätte kein Problem am Montag auf der Couch aufzusteigen“, sagte Lustenberger. Dann spielt der Tabellendritte, der 1. FC Kaiserslautern, bei Erzgebirge Aue. Ben-Hatira sagte: „Wir wollten hier ein Ausrufezeichen setzten, aber das ist uns nicht so gelungen. Jetzt will ich kommenden Sonntag unbedingt den Aufstieg zu hause mit den Fans perfekt machen, die uns die ganze Saison über so toll unterstützt haben in dieser Saison.“

Andre Mijatovic gratuliert

Andre Mijatovic, Hertha-Kapitän der beiden vergangenen Spielzeiten und nun Abwehrchef beim FC Ingolstadt, unterhielt sich nach dem Abpiff am Mittelkreis einige Minuten mit seinem Nachfolger als Abwehrchef in Berlin, mit Fabian Lustenberger.

Mijatovic sagte: „Ich habe gemischte Gefühle. Wir müssen gegen so einen Gegner wie Hertha mit dem Punkt zufrieden sein, auch wenn hier mehr drin war. Aber ich gratuliere meinen alten Kollegen zum Aufstieg. Ich freue mich sehr für den Verein und hoffe, dass Hertha kommende Saison die Bundesliga hält.“