Jos Luhukay muss sich vorgekommen sein wie ein Verkehrspolizist. Das große Ziel Aufstieg vor Augen, musste der Hertha-Trainer alle Fragesteller auf die Umleitung über Ingolstadt hinweisen. Spätestens nach dem überzeugenden 3:0 gegen Verfolger Braunschweig ist die entscheidende Frage nicht mehr, ob der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelingt. Es geht nur noch um das wann und wo.
Die Ausführungen des Trainers über das Spiel am Freitag ab 18 Uhr beim FC Ingolstadt waren aus dieser Perspektive nur eine Randnotiz. Bei 14 Punkten Vorsprung auf Rang drei und noch 18 zu vergebenden Punkten ist klar, dass Hertha bei den Bayern noch nicht feiern kann. Das wäre frühestens am Montagabend möglich, wenn der Dritte Kaiserslautern gegen Aue nicht gewinnt. Da interessierte nur wenig, dass der Coach den Platz des verletzten Kapitäns Peter Niemeyer schon fest an Alfredo Morales vergeben hat und noch etwas über den Ersatz des ebenfalls verletzten Peter Pekarik grübelt.
Luhukay konnte der Frage nach dem Aufstiegsort nicht entgehen. Wo es ihm denn am liebsten wäre, vor dem Fernseher? Oder doch beim Heimspiel eine Woche danach gegen den SV Sandhausen? „Ich werde das jetzt immer gefragt. Das ist ein bisschen hätte, wenn und aber. Ich glaube, dass wir uns einfach auf das Spiel in Ingolstadt konzentrieren müssen“, antwortete der Coach.
Auch wenn er Verständnis für solche Fragen hat, schien es dem Niederländer nicht recht zu sein, dass der Sieg beim FCI schon fest eingeplant ist. Das ließ er durchblicken, als er gefragt wurde, ob sich die Mannschaft das Montagsspiel von Kaiserslautern gemeinsam vor dem Fernseher anschauen wird. „Der Aufstieg kann auch noch nicht eintreten. Das hängt von unserer Leistung am Freitag in Ingolstadt ab. Nehmen wir dort drei Punkte mit, ist es Montag auf der Couch möglich.“
Luhukay sprach von der nötigen Konzentration, von den geplanten Trainingseinheiten und dem kurzen Abstand von nur vier Tagen zwischen der vergangenen Partie am Montag und Freitag in Ingolstadt. Luhukay erläuterte, dass er vor allem auf die Regeneration der Startelf achten wird. „Die werden uns die Punkte doch nicht schenken. Wir müssen unsere Leistung dort kontinuierlich auf hohem Niveau zeigen. So wie wir das schon die gesamte Saison über machen. Ich hoffe, dass wir gewinnen. Wie es danach ausgeht finde ich nicht das Entscheidende. Entscheidend sind die drei Punkte. Danach kann man sich Gedanken machen.“
Aber selbst Jos Luhukay konnte nicht einfach den Aufstieg übergehen und sich mit dem Standardsatz retten, er denke von Spiel zu Spiel. „Wenn es jetzt nicht klappt, können wir den Aufstieg im Heimspiel gegen Sandhausen perfekt machen. In einem Heimspiel ist es am schönsten. Das weiß ich aus meiner Erfahrung der vergangenen Jahre.“ Im Klartext: Der Trainer würde lieber im Olympiastadion, Herthas Wohnzimmer, aufsteigen als auf der Couch. Darüber reden, wie er 2008 mit Mönchengladbach und 2011 mit Augsburg jeweils in Heimspielen in die Bundesliga aufgestiegen ist, wollte der Niederländer aber nicht. Das hätte nur von der Partie gegen Ingolstadt abgelenkt.





