Sponsoring-Vertrag

Die Bahn zahlt Millionen an Hertha - und erwartet Leistung

Der Sponsoring-Vertrag ist unterschrieben. Bahn-Chef Grube erinnert Hertha an ihre Verpflichtungen. Deren Präsident Gegenbauer spricht von gewachsenem Vertrauen - trotz „Unzulänglichkeiten“.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Als Hertha-Präsident Werner Gegenbauer bei der Präsentation des neuen Zweijahres-Vertrag mit Hauptsponsor Deutsche Bahn hoch oben im 21. Stock des Bahntowers am Potsdamer Platz das Wort ergriff, fehlten ihm zuerst die Worte. Doch der 62-Jährige stockte nur kurz: „Ich sage erst einmal Dankeschön. Das war keine einfache Zeit.“

Damit wies Gegenbauer kurz auf den erneuten Abstieg aus der Bundesliga und die Randale in den Relegationsspielen gegen Fortuna Düsseldorf hin. Aus Vereinssicht kann man den neuen Vertrag mit der Bahn, deren Logo seit 2006 auf der Hertha-Brust prangt, nicht hoch genug bewerten. 4,5 Millionen Euro bekommt der Klub pro Jahr Bundesliga-Zugehörigkeit ab der nächsten Saison dafür. „Trotz der Unzulänglichkeiten im sportlichen Bereich und der verbockten Außendarstellung“, wie Gegenbauer es unverblümt ausdrückte. „Hier ist Vertrauen gewachsen und wir werden alles dafür tun, es nicht erneut zu enttäuschen.“

„Wir stehen in guten wie in schlechten Zeiten zu Hertha“

Einen Vertrauensvorschuss gibt die Bahn den Hertha-Verantwortlichen und verzichtete auf eine erneute Ausstiegsklausel für den Fall eines Abstiegs aus der Bundesliga. „Wir stehen in guten wie in schlechten Zeiten zu Hertha“, nannte das Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube.

Dafür setzt die Deutsche Bahn bei ihrem Sponsoring einen anderen Schwerpunkt. „Wir wollen eine neue Fankultur etablieren, die von Fairness und Respekt geprägt ist. Wir wollen fördern und fordern“, so der Bahnchef. Damit reagiert die Bahn als erster Hauptsponsor der Bundesliga direkt auf Ausschreitungen in Stadien und Randale von Fußballfans bei Auswärtsfahrten.

Die Bahn gewährt Bonuszahlungen als Anreiz

Diese Punkte sind Teil des Sponsorenvertrags und haben für Hertha direkte finanzielle Auswirkungen. Zwischen Verein und der Bahn gibt es eine Zielvereinbarung, bei deren Erfüllung der chronisch klammen Hertha Bonuszahlungen winken. Der im Vertrag genannte Fixbetrag von 4,5 Millionen Euro bleibt aber bei erneutem Fehlverhalten der Hertha-Fans unangetastet und kann somit im Lizenzierungsverfahren an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) übermittelt werden.

Im Verein werden die in Aussicht gestellten Bonuszahlungen mit Prämien beim Erreichen von sportlichen Zielen verglichen. Auch Bahnchef Grube hebt die positive Wirkung hervor. „Wenn wir die gemeinsam gesteckten Ziele erreichen, gibt es mehr. Wir wollten hier bewusst einen Impuls setzen und hoffen, dass unser Berliner Modell eine Blaupause für die Bundesliga wird.“

Vorfälle beim Düsseldorf-Spiel eine „Zumutung“

Die Bahn verfolgt bei der als „Randaleklausel“ bekannt gewordenen Vereinbarung zwei verschiedene Anliegen. Zum einen möchte sie als Sponsor nicht Teil negativer Berichterstattung um den Klub werden. So lässt das Unternehmen durchblicken, dass es die Vorfälle rund um das Relegationsrückspiel in Düsseldorf als Zumutung empfand. Hertha-Fans sorgten durch massiven Einsatz von bengalischen Feuern dafür, dass das Spiel beinahe abgebrochen worden wäre. Der Klub wurde daraufhin zu einer Geldstrafe von insgesamt 80.000 Euro und einem Heimspiel vor maximal 27.500 statt der möglichen 74.000 verurteilt.

Bahn-Chef Grube kritisiert Verhalten von Fußballfans

Die zweite Zielrichtung der Klausel betrifft die Bahn selbst. Sie möchte, dass sich Fußballfans bei Auswärtsreisen mit der Bahn besser benehmen. Nicht nur, weil der Konzern an den Folgen des Vandalismus leidet, sondern auch weil Störungen durch Fußballanhänger andere Fahrgäste verschrecken und Störungen im Betriebsablauf verursachen. „Durch Fanrandale entsteht uns ein starker wirtschaftlicher Schaden“, so Grube.

Wie die erhoffte Verbesserung der Fankultur konkret umgesetzt werden soll, bleibt noch unklar. Hier wollen Hertha und die Bahn zunächst den Ist-Stand analysieren und sich dann an die Umsetzung machen. Klar ist, dass alle Betroffenen wie Fans, Polizisten und Verbandsvertreter an den Tisch geholt werden sollen. Ein bloßer Papiertiger soll die Fan-Klausel aber nicht sein. „Texte und ein Fankodex sind gut. Aber das Verhalten ist wichtig“, macht Grube klar. „Es geht um Kommunikation. Wir müssen mit den Fans reden, statt nur über sie.“ Als ersten konkreten Schritt übergab der Bahn-Chef Hertha einen Scheck über 10.000 Euro als Anschubfinanzierung für den Bau eines Fanhauses in der Nähe des Olympiastadions.

„Wir erwarten keine Wunder“

Trotz der hoch gesteckten Ziele und Wünsche geben sich weder Hertha noch die Bahn Illusionen hin. „Wir erwarten keine Wunder. Das wird ein langer Weg. Drei Jahre zur Erreichung des Ziels wären schnell, fünf Jahre wären gut“, skizzierte Grube seine Erwartungen. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer hatte seine Schlagfertigkeit längst wiedergefunden und meinte trocken: „Wir sind froh zu hören, dass die Zusammenarbeit auf drei bis fünf Jahre angelegt ist.“