Das Kaminfeuer brannte, das Publikum war erwählt. Die Weberbank hatte 60 Personen zu einem Hintergrund-Abend in den Stammsitz am Hohenzollerndamm geladen. Moderiert wurde die Runde an diesem Dienstag von der Moderatorin und Schauspielerin Minh-Khai Phan-Thi. Es ging um Hertha BSC.
Der Tabellenführer der Zweiten Liga war mit seinem Spitzenpersonal erschienen. Die Geschäftsführung war da mit Michael Preetz, Ingo Schiller und Thomas Herrich. Von den Profis waren Fabian Lustenberger und Sascha Burchert dabei. Und Jos Luhukay (49).
Der Trainer legte vor den Topbankern ein flammendes Bekenntnis ab für seinen Arbeitgeber. „Michael Preetz und Ingo Schiller haben mir von Anfang an reinen Wein eingeschenkt über die Lage bei Hertha. Ich wusste vom ersten Tag an, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse schwierig sind.“ Das sei wichtig. „Und ich gehe da voll mit. Ich finde es spannend, aus wenig viel zu machen.“
Hohe Wertschätzung für Trainer
Für die Fachleute aus der Wirtschaft war es spannend, Einblick in das Profigeschäft zu erhalten. Aber auch bei Hertha BSC wurden die Ansichten von Luhukay aufmerksam registriert. Eigentlich läuft der Vertrag des Niederländers bis Juni 2014. Der Klub könnte sich im Wissen um die schnelllebige Branche zurücklehnen und sagen: Die erste Etappe, der Aufstieg ist (fast) geschafft. Schauen wir mal, ob Luhukay auch Bundesliga kann.
Aber die Wertschätzung für den Trainer ist hoch. Nicht nur in der Liga insgesamt, auch intern in Berlin. Hertha will den Kontrakt mit seinem leitenden Angestellten schon jetzt verlängern. Hertha-Manager Michael Preetz sagte der Morgenpost: „Wir sind unbedingt an Kontinuität interessiert. Wir würden die Zusammenarbeit mit Jos Luhukay gern über 2014 hinaus fortsetzen.“
Die Skeptiker unter den Hertha-Anhängern zucken an dieser Stelle zusammen. Der Geschäftsführer, der Lucien Favre entlassen hat. Und Markus Babbel. Und Michael Skibbe – dieser Michael Preetz spricht von Kontinuität?
Manager Preetz sucht Kontinuität für Hertha
Ja, es wird etwas dauern, bis Preetz das Stigma ‚Der Manager mit dem losen Finger am Abzug‘ verlieren wird. Er weiß, dass vor allem die im Winter 2011 sich über mehr als sechs Wochen hinziehende öffentliche Diskussion mit Babbel (Er liebt Hertha, er liebt Hertha nicht) nicht gut gemanagt war. Preetz hat im Nachgang eingeräumt, dass die Verpflichtung von Skibbe im Januar 2012 ein Fehler war.
Dennoch wünscht sich der Manager nichts mehr als Dauerhaftigkeit. Hertha hat durch seine finanziellen Belastungen einen derart kleinen Bewegungsspielraum, dass es einen langem Atem braucht.
Wer nahe dran ist am Verein, hört, dass das Verhältnis zwischen Trainer und Manager ein kollegiales ist. Beide respektieren sich sehr. Die Zusammenarbeit ist vertraut, ohne kumpelhaft zu sein. Luhukay beschrieb beim Kaminabend, dass er mit allen drei Geschäftsführern einen guten Draht hat. „Wir tauschen uns permanent aus. Ich werde als Cheftrainer voll respektiert.“
„Sobald der Aufstieg perfekt ist, reden wir über seinen Vertrag“
Luhukay sprach über ein Beispiel, die Zusammenstellung des Kaders. Die ist in vielen Vereinen eine permanente Fallgrube. Weil im Fall des Misserfolges gern eine Seite den Medien durchsteckt: Dieser Spieler X ist nur da, weil der Trainer/Manager es unbedingt wollte. Der jeweils andere wäscht seine Hände in Unschuld. Luhukay sagte dazu, dass er sehr erfreut sei, mit Preetz „bei der Beurteilung von Spielern, die wir holen wollten, stets zum gleichen Urteil“ gekommen zu sein.
Der Manager hat gelernt. Preetz hat mit Luhukay besprochen: „Sobald der Aufstieg perfekt ist, reden wir über seinen Vertrag.“ Dabei hat er deutlich hinterlegt, dass Hertha hochzufrieden ist und gern verlängern will.
Luhukay hat den Ball aufgenommen. So sagte er im Stammsitz der Bank: „Alles hat seinen Rhythmus. Wenn wir aufsteigen, geht es für Hertha in der nächsten Saison als Aufsteiger darum, den Klassenerhalt zu sichern. In den anschließenden drei, vier Jahren wollen wir den Verein in der Bundesliga etablieren.“
„Dieser Verein hat noch viel Potenzial“
Konkret auf eine Verlängerung angesprochen, wiegelt Luhukay ab. „Ich bin nicht wichtig. Jetzt geht es nur um den Aufstieg.“ Doch dann wurde er deutlicher: „Es geht hier um ein Projekt von drei oder vier Jahren. Ich wäre gern ein Teil davon.“
Ein Bekenntnis zur Stadt und zum Verein war ein Aspekt, den Markus Babbel nie so recht artikulieren wollte. Doch Luhukay identifiziert sich mit Berlin und Hertha. „Ich weiß, dass wir keine teuren Spielern holen können.“ Im Sommer, die drei, vier Neuen „müssen ablösefrei sein oder auf Leihbasis kommen.“ Das sei eine spanende Herausforderung. Luhukay schwärmt von den zehn bei Hertha ausgebildeten Profis im eigenen Kader. „Dieser Verein hat noch viel Potenzial.“
Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen: Luhukay und Hertha, da wird bald ein neuer Vertrag unterschreiben.





