Vertragsverlängerung

Für Hertha BSC schlägt Ronny lukrative Angebote aus

Ronny bleibt vier weitere Jahre in Berlin. Am Tag nach der Vertragsverlängerung begründete der Brasilianer, warum er sich letztlich für Hertha BSC entschieden hat.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Es gab viele Aspekte: Grundgehalt, Einsatzprämien, Erfolgszahlungen, den Bonus für die Unterschrift, Ausstiegsklauseln. Über zwei Monate zogen sich die Verhandlungen hin, wo Ronny (26) seine Zukunft sieht: bei Hertha BSC oder woanders?

Am vergangenen Donnerstag wurde Hertha-Manager Michael Preetz am Potsdamer Platz im BahnTower verortet – tatsächlich war er in geheimer Mission nach Zürich geflogen. Mit Dino Lamberti, dem Schweizer Berater von Ronny, wurde die vorentscheidende Verhandlungsrunde abgehalten.

Am Wochenende tagte der Familien-Rat von Ronny. Sein Bruder Raffael (Dynamo Kiew, derzeit zum FC Schalke ausgeliehen) wurde gehört, ebenso die Eltern in Fortaleza in Brasilien.

Torjäger hört auf seine Eltern

Am Ende schnurrte alles zusammen auf zwei Sätze von Ronny: „Meine Eltern haben mir geraten, in Berlin zu bleiben. Und ich wollte immer bei Hertha bleiben.“

In Vertragsform wurden die Inhalte am Montag gegossen, inzwischen war Lamberti nach Berlin gereist. Der im Sommer auslaufende Vertrag von Ronny wurde um vier Jahre bis 2017 verlängert. Am Tag nach dem überzeugenden 3:0 im Topspiel gegen Eintracht Braunschweig präsentierte sich ein sehr gefasster Ronny den Medienvertretern.

Er nahm im schwarzen Blouson, Jeans und mit verkehrt herum aufgesetzter Base-Cap Platz auf dem Podium und erzählte: Ja, es habe sehr viel lukrativere Offerten geben. „Es gab Angebote aus Brasilien und Italien.“ Das Multi-Millionen-Dollar-Angebot aus Al-Ahli/ Doha hatte er schon vor Wochen beiseite gelegt, dafür fühle er sich zu jung.

Ronny fuhr fort: „Ich habe mich für Hertha entschieden, weil der Verein mir immer die Gelegenheit gegeben hat, mich zu entfalten. Ich erlebe hier meine beste Zeit als Fußballer.“ Den letzten Beweis dafür hatte Ronny am Montag vor 51.000 Zuschauern geliefert. Mit zwei Freistoß-Toren sowie einer Vorlage für Adrian Ramos baute er seinen Liga-Bestwert auf nun 16 Treffer und 13 Assists aus.

Strategie von Michael Preetz ging auf

An dieser Einigung sind mehrere Details bemerkenswert. Die Übereinkunft mit Ronny, seinem Agenten und Hertha war am Montagmittag erfolgt. Manager Michael Preetz holte die Zustimmung der Gremien ein, dennoch blieb die Personalie bis zum Anpfiff geheim. Hertha gelang der Coup, die Nachricht der Verlängerung exklusiv vier Minuten vor dem Anstoß den Fans im Olympiastadion mitzuteilen. Darüber waren zwar die übertragenden TV-Sender Sky und Sport1 verdrossen. Die treuen Anhänger in der Ostkurve bejubelten die Entscheidung des Publikumslieblings um so enthusiastischer.

Erstaunlich ist auch, dass die Strategie von Michael Preetz aufging: Hertha kam trotz des finanziell niedrigsten Angebotes zum Zuge. Dem Vernehmen nach bekommt Ronny künftig pro Saison ein Grundgehalt von gut einer Million Euro. Im Erfolgsfall können es knapp zwei Millionen werden. Die anderen Offerten lagen deutlich darüber.

Ronny beschrieb die Gründe für sein Bleiben: „Der Trainer hat für mich eine wichtige Rolle gespielt, er hat mir immer viel Vertrauen geschenkt. Alle im Verein haben mich bewogen zu bleiben.“ Mit dem Trainer hatte sich der Manager auf eine Rollenverteilung geeinigt. Um die Zahlen, um das Taktieren mit dem Agenten und den Medien kümmerte sich Preetz. Luhukay kümmerte sich um Ronny: „Ich habe mit ihm kein einziges Mal über die Vertragsverlängerung gesprochen. Ich wollte keinen Druck aufbauen.“ Im übrigen dementierte Luhukay, dass Hertha sich mit Alternativen für seinen Spielmacher befasst habe. „Wir haben uns nicht um einen Ronny-Ersatz gekümmert und keine Gespräche mit einer Nummer zehn geführt“, sagte Luhukay.

Zweifel am Tempo des Brasilianers

Nun gibt es auch Zweifler. Ronny sei zu langsam, selbst in der Zweiten Liga gewinne er lediglich 40 Prozent seiner Zweikämpfe. Wie soll das erst in der dynamischeren Bundesliga werden?

Der Trainer bleibt gelassen: „Ich traue ihm zu, dass Ronny in der Bundesliga eine gute Rolle spielen wird. Der liebe Gott hat ihm einen hervorragenden linken Fuß geschenkt.“ Ronny als ehrgeiziger Brasilianer sieht den mutmaßlichen Wiederaufstieg des Tabellenführers der Zweiten Liga nur als Zwischenschritt. „Hertha ist für mich ein großer Verein, so wie Corinthians in Brasilien. Hertha wird sich weiter entwickeln.“ Das müsse nicht gleich in der nächsten Saison sein. Aber Ronny sagt, wo er mit Hertha hin will: „Wenn wir in der Bundesliga bestehen, ist auch Europa eine Perspektive.“

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