Im Profisport ist es ja nun mal so, dass ein zweiter Platz oft den faden Beigeschmack des Verlierens hat. Dem Ersten gebührt die volle Anerkennung, dem Zweiten meist nur der Respekt für den ersten Verlierer. Das ist auch in der zweiten Fußball-Bundesliga nicht anders, wo Hertha BSC derzeit den Tabellenplatz eins bekleidet und diesen gern auch im Spitzenspiel gegen den Verfolger Eintracht Braunschweig am Montag (20.15 Uhr/Sport1, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost) verteidigen möchte.

Auch wenn es den Berlinern, wie oft betont, in der aktuellen Saison ja vornehmlich um den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga geht, wofür auch Platz zwei genügen würde.

Doch Herthas Cheftrainer Jos Luhukay, der sich mit der Zielsetzung Meisterschaft bisher zurückgehalten hatte, sagt vor dem Gipfeltreffen gegen die Niedersachsen: „Zwischen uns und Braunschweig geht es um die Ehre, um Platz eins. Wir wollen den Abstand auf Platz zwei vergrößern. Das ist für uns eine zusätzliche Motivation.

Es winken wier Punkte Vorsprung auf Braunschweig

Es geht nicht nur um den Aufstieg, sondern auch um die Meisterschaft.“ Vor der Partie am Montag liegt die Mannschaft des Niederländers mit lediglich einem Punkt vor der Eintracht. Sollte ein Sieg gelingen, hätte Hertha mit vier Zählern Vorsprung bei noch sechs ausstehenden Begegnungen beste Chancen, die Rückkehr in die erste Liga am Ende auch als Zweitligameister feiern zu können.

Und Luhukay macht keinen Hehl daraus, dass ihm dies mittlerweile immer wichtiger ist: „Wir sind sehr gierig auf die Meisterschale. Das ist unser sportlicher Anreiz“, sagt der 49-Jährige. Der Trainer verweist darauf, dass es sein Team in der laufenden Spielzeit besonders schwer hatte, „weil jede Mannschaft uns als das Bayern München der Zweiten Liga sieht und daher gegen uns 110 Prozent motiviert ins Spiel geht“. Damit müsse man auch erst einmal umgehen können, so Luhukay.

Belohnung für die Fans

Seit dem 23. Spieltag, als Hertha mit einem 1:0-Sieg gegen Kaiserslautern erstmals in dieser Spielzeit Platz eins erobern konnte, führen die Blau-Weißen die Tabelle an. Der Gang durch die Niederungen der Zweiten Liga sei oft genug beschwerlich gewesen, so Luhukay: „Wir mussten lange hart arbeiten und immer konzentriert bleiben. Wir wollen unsere Saison mit der Meisterschaft krönen.“

Zwar sei zunächst der Aufstieg das Primärziel. Wenn dieser aber geschafft sei, werde sein Team alles dafür tun, die Saison auch auf Platz eins zu beenden. „Die Mannschaft ist heiß darauf, aufzusteigen und will auch Erster werden“, sagt Luhukay.

Doch nicht nur für die Profis von Hertha BSC wäre das Beenden der Spielzeit auf Platz eins eine Genugtuung. Auch für die Fans wäre es eine Belohnung, die nach dem Abstieg im vergangenen Jahr erst einmal zurückgewonnen werden mussten, so Luhukay. „Wir merken, dass die Euphorie um die Mannschaft wieder wächst.“ Die Meisterschaft wäre für den Erhalt der Euphorie wichtig. „Denn das würden die Fans mit in die neue Saison nehmen.“