Fussball

Änis Ben-Hatira ist bei Hertha ein Bankdrücker wider Willen

Nach seiner Verletzung muss der Tunsieer Ben-Hatira sich bei Hertha hinten anstellen, weil sich andere im Berliner Team etabliert haben. Aber er kämpft um seinen Platz in der Mannschaft.

Foto: Bernd Wende / pa/

Änis Ben-Hatira probiert es im Training immer wieder. Ballannahme auf der linken Seite, schneller Antritt, dann an Peter Pekarik vorbei. Doch bei dem Slowaken ist Endstation. Aber Ben-Hatira gibt nicht auf. Erneuter Versuch. Dieses Mal lässt ihn Maik Franz auflaufen.

Die Trainingssituationen illustrieren die aktuelle Situation des offensiven Mittelfeldspielers ganz gut. Seit er nach Neujahr von seiner Knöchelverletzung genesen wieder ins Team zurückgekehrt ist, hat er nur in vier Partien gespielt, wurde immer nur eingewechselt. Noch in der Hinrunde war er von Herthas linker Außenbahn nicht wegzudenken, war Stammspieler und Publikumsliebling. Sein Trainer Jos Luhukay lobte ihn, hob ihn aus der Mannschaft hervor: „Änis Ben-Hatira hat eine besondere Qualität. Er ist der einzige, der sich in einer Eins-gegen-Eins-Situation durchsetzen kann.“ Diese Zeit scheint momentan ganz weit weg.

Keine lautstarken Forderungen

„Mir geht es gut“, sagt Ben-Hatira knapp. Und auch noch: „Ich gehe mit der Situation professionell um.“ Das stimmt. Von ihm und seinem Umfeld war kein lautes Wort der Beschwerde zu hören. Natürlich möchte er wieder spielen. Doch schon vor Wochen bat er die Medien: „Macht da nicht daraus, dass ich etwas fordere!“ Er weiß, dass sich noch kein Spieler in die Stammelf geredet hat. Erst recht nicht unter Luhukay, der bei Hertha konsequent das Leistungsprinzip durchzieht.

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Für Ben-Hatira ist die aktuelle Situation ein absoluter Bruch im Vergleich zum Sommer, als er seinen Vertrag verlängerte. Ihm, den man ein Jahr zuvor als Herthas verlorenen Sohn zurück nach Berlin gelotst hatte, wurde eine Position im zentralen Mittelfeld in Aussicht gestellt. Als Zeichen dafür erhielt er auch die gewünschte Rückennummer Zehn. Das Symbol für den Spielmacher. Doch in der Liga setzte Luhukay auf Ronny. Und der Brasilianer gibt dem Trainer mit bisher 14 Toren und zwölf Vorlagen recht.

Trainer sieht keinen Grund für Umstellungen

Ben-Hatira zeigte sich anpassungsfähig und wurde auf der linken Außenbahn wertvoll. Bis ihn im Oktober beim Auswärtsspiel in Bochum ein Tritt auf den rechten Knöchel außer Tritt brachte. Während die Mannschaft Stück für Stück die wohl beste Zweitliga-Saison in der Hertha-Geschichte zuwege brachte und am Ende 21 Spiele in Folge ungeschlagen blieb, beschäftigte sich der tunesische Nationalspieler mit seiner hartnäckigen Verletzung. Trotz seiner 24 Jahre kann Änis Ben-Hatira auf ein gutes Stück Profi-Erfahrung zurückblicken, er spielte beim Hamburger SV und war kurzzeitig an den MSV Duisburg ausgeliehen. Doch statt die junge Hertha-Riege um Spieler wie John Brooks, Nico Schulz oder Fabian Holland anzuführen, musste er zusehen, wie sie sich alleine in die Mannschaft spielten. Alle drei kommen mittlerweile auf mehr Einsätze als er. Auch Ben-Hatira weiß, dass für eine Führungsrolle die Leistung auf dem Platz ausschlaggebend ist.

Seit er sich in diesem Jahr fit zurückmeldete, muss er sich mit der neuen Situation anfreunden, dass er sich hinten anzustellen hat. Das Team hat sich ohne ihn weiterentwickelt und Jos Luhukay sieht keinen Grund, seine erfolgreiche Mannschaft ohne Not für wiedergenesene Spieler umzubauen. Die immer wieder gleichen Fragen nerven den Trainer. Auch wenn es um den beim Publikum so beliebten Ben-Hatira geht. Er möchte lieber über das Team sprechen, das spielt und Hertha auf Platz eins gebracht hat. „Änis muss Geduld haben. Er ist einer von 27 Spielern aus dem Kader. Es ist bei ihm so, wie bei allen anderen auch: Er muss sich mit guten Leistungen im Training anbieten.“

Preetz lobt Verhalten des Profis

Der 24-Jährige bleibt ruhig, wirkt als ob ihn die Verletzungspause reifer gemacht hat. Fast ein wenig in sich gekehrt. Hertha-Manager Michael Preetz hat für Ben-Hatiras mannschaftsdienliches Verhalten nur Lob übrig: „Änis macht das völlig richtig. Er geht mit seiner Situation hervorragend um. Nico Schulz hat sich vorerst festgespielt. Das muss Änis akzeptieren.“ Zumal der erst 20-jährige Schulz im letzten Spiel beim 2:0-Sieg über den VfL Bochum auch noch sein erstes Profitor erzielte.

Dass sich Änis Ben-Hatira für das Lob nichts kaufen kann, weiß auch Preetz und macht klar, dass sich am Wert des Tunesiers für Hertha nichts geändert hat. „Änis muss dem Trainer zeigen, dass er wieder da ist, wo er im ersten Drittel der Saison war“, so der Manager, „alle reden immer davon, dass Ronny der entscheidende Mann war. Aber im ersten Drittel der Saison war es öfter noch Änis, der etwas Entscheidendes für uns gemacht hat. Da wollen wir ihn wieder hin haben.“

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