Zweite Liga

Bei Hertha wird vor dem Bochum-Spiel lieber geschwiegen

Im Saisonendspurt vertraut Hertha-Trainer Luhukay der gewachsenen Hierarchie und fordert ein Ende der Diskussion um Stürmer Lasogga. Alle haben sich dem großen Ziel Aufstieg unterzuordnen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Drei Viertel der Saison sind gespielt. Noch ist keine einzige Entscheidung gefallen. Nicht in der Bundesliga, nicht in der Zweiten Liga. Der FC Bayern ist noch nicht Meister. Hertha BSC immer noch nicht aufgestiegen. Doch die Geschichten sind alle schon rauf und runter erzählt: Über die Dominanz in der Liga. Über die Qualität im Kader. Über den Teamgeist in der Gruppe.

Langweilig. Nun kommt am Sonnabend der VfL Bochum, Tabellen-15. der Zweiten Liga (13 Uhr, Berliner Olympiastadion, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost). Und Hertha BSC tut alles, um die hier und da aufflackernde Nervosität ins Leere laufen zu lassen.

Gleich drei Namen waren unter der Woche gehandelt worden, mögliche Neue für die kommende Saison: Sebastian Langkamp (25), Innenverteidiger vom FC Augsburg. Mateusz Mozdzen (21), ein Außenbahn-Spieler von Lech Posen, und Christoph Kramer (21), defensiver Mittelfeldspieler vom VfL Bochum.

Anders als in vergangenen Zeiten befeuern die Hertha-Verantwortlichen solche Spekulationen ausdrücklich nicht. „Habe ich auch gelesen“, lässt Trainer Jos Luhukay Fragesteller im Ungewissen.

Zwölf Punkte Vorsprung auf Relegationsrang drei

Hertha versucht derzeit alles, um mögliche Reibungsflächen zu vermeiden. Das große Ziel heißt sofortige Bundesliga-Rückkehr. Mit dem großen Vorsprung von zwölf Punkten auf Relegationsrang drei rückt der Aufstieg immer näher. Dass die starke Ausbeute von bisher 56 Zählern Langeweile mit sich bringt, nehmen die Verantwortlichen in Kauf.

Auch am Radio-Mikrofon lässt sich Hertha-Manager Michael Preetz nicht locken. Ob drei Punkte gegen Bochum eine Vorentscheidung seien, lautet die Frage. Preetz: „Zum Aufstieg werden in dieser Saison 65 Punkte nötig sein. Die werden wir mit dem Bochum-Spiel definitiv nicht erreichen.“

Selbst beim Thema Lasogga hält sich der Manager bedeckt. Stuttgarter Medien hatten berichtet, der VfB werde nach dem vergeblichen ersten Anlauf im Januar im Sommer einen neuen Versuch unternehmen, um Stürmer Pierre-Michel Lasogga zu verpflichten. Dessen Kontrakt in Berlin läuft bis 2015. Hertha hatte im Winter das Vier-Millionen-Euro-Angebot für den U21-Nationalspieler abgelehnt. Aktuell sagt Preetz: „Es gibt keine neuen Verhandlungen. Den letzten Kontakt gab es im Januar, der Ausgang ist bekannt.“

Hertha erwartet von Lasogga wichtige Tore

Immerhin wird der Trainer bei diesem Thema energisch. Acht Spiele sind noch zu absolvieren. Und Hertha hatte im Januar das VfB-Angebot mit dem Argument zurückgewiesen, dass man von Lasogga sowohl in dieser Saison als auch in der kommenden, dann mutmaßlich in der Bundesliga, wichtige Tore erwarte. Nur braucht er dafür Einsatzzeiten.

In den vergangenen zwei Partien spielte er jedoch keine einzige Minute. Was Mutter/Beraterin Kerstin Lasogga via Bild zu einer giftigen Attacke verleitete: Dass ihr Sohn spielen müsste, wenn es nach Leistung ginge. Aber bei Hertha würden wohl andere Kriterien gelten. Wenn sich das nicht ändere, sei Pierre im Sommer weg. Wie also wird der Trainer mit Lasogga im letzten Saisonviertel umgehen?

Luhukay kommt in Fahrt. „Ihr wollt, dass wir mit ihm einen besonderen Fall machen. Oder ihm die Behandlung eines Ausnahmespielers geben. Pierre wird genauso bewertet wie jeder einzelne Spieler im Aufgebot. Er ist ein volles Mitglied. Er muss sich genauso für den 18er-Kader oder die Startelf empfehlen wie jeder andere Spieler auch. Da mache ich für keinen Spieler eine Ausnahme. Das versteht ihr nicht. Aber intern wissen wir, was wir da machen.“

„Die Mannschaft muss funktionieren“

Der Trainer empfindet die Lasogga-Diskussion als Affront gegen seine Maxime. „Das Entscheidende ist: Die Mannschaft muss funktionieren.“ Der Trainer legte einmal mehr dar, dass die nach langer Verletzung zurückkehrenden Spieler, zu denen Lasogga gehört, länger brauchen, um den Anschluss zu finden, als sie selbst für möglich gehalten haben. „Die Spieler sind überrascht, wir intern nicht.“

Der Trainer findet, dass Fragen nach Lasogga ein Mangel an Respekt zeigen. Gegenüber jenen Profis, die bis Weihnachten die Grundlage für die sehr erfolgreiche Saison gelegt haben. „Ich lege die Qualität, die Geschlossenheit der Hinserie nicht einfach beiseite“, sagte Luhukay, „es gilt der Respekt gegenüber denjenigen, die vor dem Winter etwas geleistet haben.“

Nachdem Hertha zuletzt bei 1860 München (0:0) vier Ausfälle kompensieren musste, haben sich die fraglichen Spieler zurückgemeldet. Luhukay wird für die Begegnung gegen Bochum seiner Linie treu bleiben. Das sind gute Nachrichten für Peter Niemeyer und Peer Kluge, die ebenso ins defensive Mittelfeld zurückkehren müssen, wie für Fabian Lustenberger und John Brooks im Abwehrzentrum. Familie Lasogga hingegen wird sich in jener Tugend üben müssen, die dort nicht am meisten ausgeprägt ist: Geduld. Im Sturm wird Adrian Ramos auflaufen.

Sollte jemand die Treue zu bisherigen Leistungsträgern langweilig finden, Trainer Luhukay ist das egal. „Wir sind angetreten, um das Ziel Aufstieg zu erreichen. Dem haben sich alle unterzuordnen.“