Hertha BSC

Lasogga schiebt Frust und für Janker geht es vorwärts

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Uwe Bremer

Foto: Foto Huebner / pa

Für den lange verletzten Christoph Janker war der Einsatz in München wie Balsam. Dagegen kommt Pierre-Michel Lasogga bei Hertha nicht zum Zuge.

Christoph Janker und Maik Franz schauten sich an. Und lachten gemeinsam los. Dabei machte die Frage durchaus Sinn: Ob ihnen die Länderspiel-Pause ungelegen komme, schließlich haben sie nach langer Pause gerade zum ersten Mal wieder einen Startelf-Einsatz bei Hertha BSC gehabt. „Im Gegenteil“, grinste Franz, „die Pause ist extrem hilfreich, weil die halbe Mannschaft krank ist.“ Janker grätschte dazwischen. „Das reicht nicht, weit mehr als die Hälfte schnieft und trieft.“

Auf Jankers Handy häuften sich die Botschaften: Die Familie gratulierte, Freunde, Vertraute. Und Physiotherapeuten, die Janker in seiner zehnmonatigen Leidenszeit begleitet hatten. „Es hat unglaublich gut getan, auf dem Platz zu stehen.“ Franz erzählte, dass die beiden Beteiligten am meisten gestaunt hätten.

Überraschung auf der Taktiktafel

Franz, der fünf Monate nach einer Schulter-Operation erstmals wieder von Anfang an dabei war, erzählte die Situation bei der Taktikbesprechung so: „Diese Kombination mit Christoph und mir hat’s noch nie gegeben, nicht mal im Training. Wir waren ganz schön überrascht.“ 0:0 spielte Hertha BSC bei 1860 München.

Eine Nullnummer, die das insgesamt durchschnittliche Geschehen in der WM-Arena in München widerspiegelte. Aber das neue Abwehrzentrum zufrieden stellte. Trainer Jos Luhukay begründete seine Entscheidung mit den „Löwen“-Stürmern: „Maik passt gut gegen Rob Friend und Christoph gut zu Benjamin Lauth. Ich bin sehr zufrieden.“

Nicht einmal im 18er-Aufgebot gestanden

Janker war zuvor der einzige Profi aus dem Hertha-Kader, der nicht einmal im 18er-Aufgebot gestanden hatte. „Natürlich wusste ich das.“ Aber er hatte schon im Januar im Trainingslager in der Türkei gesagt, Geduld sei wichtig: „Ich habe sieben Monate keinen Fußball gespielt. Ich bin nach drei Wochen Training nicht so fit, dass alles funktioniert.“

Mittlerweile sind weitere sechs Wochen ins Land gegangen. Und Janker kam trotz seiner XXL-Pause in München besser zurecht als der Kollege. Franz gewann nur 47 Prozent seiner Zweikämpfe, brachte aber gute 91 Prozent seiner Zuspiele an den eigenen Mann. Janker hat den besten Zweikampf-Wert aller Akteure auf dem Platz – 85 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Und kam bei 43 Ballberührungen auf die mirakulöse Passquote von 100 Prozent. „Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt“, sagte Janker.

Teamgeist wichtiger als Einzelinteressen

Mit Blick auf die vielen Erkälteten im Team (Franz: „Ich habe noch nie so viele Leute auf einmal husten hören wie bei uns in der Kabine zur Halbzeit“) heißt es für das Abwehr-Duo neuen Schwung zu holen, das nächste Heimspiel steht in zwei Wochen gegen Bochum an. Bei acht ausstehenden Partien bis Saisonende demonstrieren beide zudem den Teamgeist, den sich der Trainer wünscht.

„Ob wir noch sieben Einsätze haben oder fünf oder vier ist egal“, sagte Franz. „Wir wollen aufsteigen, so schnell wie möglich.“ Derzeit führt Hertha die Liga mit 56 Zählern an. Trainer Luhukay gibt das nächste Etappenziel aus. „In dieser Saison reichen 66 Punkte sicher zum Aufstieg.“

Von 630 Spielminuten nur 138 absolviert

Wo so viel Lust ist, gibt es auch Frust. Einmal mehr kam in München Pierre-Michel Lasogga (21) nicht zum Zug. Seit Anfang Dezember trainiert der ehrgeizige Angreifer nach einem Kreuzbandriss wieder. Und hat im neuen Jahr von 630 möglichen Spielminuten lediglich 138 absolviert. Gegen1860 wurde Lasogga ebensowenig eingewechselt wie eine Woche zuvor beim 4:2 gegen Duisburg. Lasogga war am Sonntag nicht mehr in Berlin, als die Mannschaft sich zum Auslaufen traf.

Sein Vorgesetzter wunderte sich über die vielen Fragen zum Jung-Stürmer. „Pierre war lange verletzt. Er trainiert sehr fleißig, ist willig. Es gibt kein Problem“, sagte Luhukay. Er verwies darauf, dass Lasogga mehrere Kurz-Einsätze hatte. „Wir haben eine Mannschaft, die Erfolg hat. Mit Adrian Ramos spielt ein Stürmer mit viel Qualität. Genau wie Sandro Wagner. Ich bleibe bei meiner Richtung: Wenn wir unser Ziel, den Aufstieg, erreichen wollen, steht nicht der Einzelne im Mittelpunkt, sondern das Kollektiv.“

Ein Talent als Angreifer im Unruhestand

Dennoch wissen die Verantwortlichen, dass Lasogga nicht irgendein Profi ist, der halt mal nicht spielt. Sondern ein Hoffnungsträger, für den Hertha mit Blick auf dessen Perspektiven im Winter ein Vier-Millionen-Euro-Angebot von Bundesligist VfB Stuttgart ausgeschlagen hat. Seinen bundesweiten Ruf belegt die Nominierung von Lasogga trotz fehlender Spielpraxis für die U21-Nationalmannschaft, die am Freitag in Tel Aviv ein Freundschaftsspiel gegen Israel bestreitet.

„Ich bin für Pierre sehr froh über die Einladung von Rainer Adrion“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Er macht dem Angreifer im Unruhestand Mut. „Pierre war vor seiner Verletzung ein wichtiger Spieler bei Hertha. Und ich bin sicher, dass er auch in dieser Saison noch ein wichtiger Spieler werden wird.“ Bisher steht bei Lasogga die Null: kein Treffer. Tore wirken bei Stürmern ja Wunder. Wer weiß, wozu die Dienstreise nach Israel gut sein wird...