Bundesliga

Kerstin Lasogga will Sohn bei Hertha öfter spielen sehen

Hertha-Stürmer Lasogga steht unter Druck. Trainer Luhukay stellt den 21-Jährigen hinter Ramos und Wagner zurück. Lasoggas Mutter und Managerin versucht Druck auszuüben.

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Das Problem hat sich abgezeichnet. Und es ist erwünscht. Hertha BSC hat mit Adrian Ramos, Sandro Wagner, Sami Allagui und Pierre-Michel Lasogga vier Stürmer im Kader. Bei einer solchen Anzahl ist klar, dass einige Angreifer nicht oder nur teilweise spielen. Damit ist vorgezeichnet, dass es Unzufriedenheit gibt.

Nach sieben Spielen im neuen Jahr ist es nun soweit: Kerstin Lasogga, Mutter von Pierre-Michel Lasogga (21) hat ihren Frust kundgetan. In der Bild sagte sie, der VfB Stuttgart habe im Winter mit seinem Vier-Millionen-Angebot „Wertschätzung gezeigt“. Auch andere Bundesligisten seien interessiert gewesen. „Aber für Hertha soll er nicht gut genug sein?“ Die Mutter des Stürmers legte nach. „Immer nur die Bank, das geht nicht. Wenn sich an der Situation nichts ändert, ist er im Sommer weg.“

Damit nicht genug. Ohne den Namen von Jos Luhukay zu nennen, griff sie den Trainer frontal an: „Wenn es nach Leistung ginge, hätte Pierre längst belohnt werden müssen. Aber vielleicht geht es ja auch um etwas ganz anderes als Leistung.

Tattoo der Mutter auf dem Unterarm

Das klingt nach dem Phänomen, das als „Löwen-Mutter“, oder „Hockey-Mom“ bekannt ist: Eine Mutter, die nur das Beste für ihren Nachkömmling im Sinn hat und sich mit Verve einsetzt. In diesem Fall liegen die Dinge jedoch komplizierter.

Nicht nur ist die Mama die wichtigste Bezugsperson im Leben ihres Sohnes. Der hat sich ihr Konterfei auf den Unterarm tätowieren lassen. Kerstin Lasogga ist auch die Managerin ihres Sohnes. Damit bekommt die Angelegenheit zusätzliche Brisanz. Natürlich weiß Kerstin Lasogga, dass ihr Sohn bei Hertha bis 2015 unter Vertrag steht.

„Die Angelegenheit ist hochemotional“, seufzt Michael Preetz. Nicht für den Hertha-Manager, sondern für Familie Lasogga. Dabei ist die Faktenlage übersichtlich. Ungeachtet der Behauptung, es gehe bei Hertha nicht nach Leistung, führt der Hauptstadt-Klub die Zweitliga-Tabelle an. Und stellt mit 49 Toren die treffsicherste Mannschaft der Liga.

Für Luhukay ist das Kollektiv wichtiger als jeder Spieler

Vordergründig entzündet sich die Diskussion daran, dass Lasogga nach siebenmonatiger Verletzungspause sich seit Jahresbeginn mit dem Status der Nummer drei begnügen muss hinter Ramos und Wagner. 2013 stand Lasogga bei insgesamt 630 Hertha-Spielminuten bisher nur 138 Minuten auf dem Platz.

Trainer Luhukay hatte nach dem 0:0 bei 1860 München ein weiteres Mal seine Strategie dargelegt. Dass wichtiger als jeder Spieler das Kollektiv sei. Es gehe um den Aufstieg. Diesem Ziel habe sich jeder unterzuordnen. Der Trainer lobte Lasogga als fleißigen, willensstarken Spieler. „Es gibt kein Problem mit Pierre. Er ist fester Teil der Mannschaft.“

Aber Luhukay sagte auch, dass jene Profis, die den Grundstein für die gute Ausgangsposition gelegt hatten, zunächst vor Lasogga stünden. Menschenführung ist, neben fußballerischem Wissen, eine Schlüssel-Aufgabe jedes Trainers. Nur, wenn eine Mannschaft dem Vorgesetzten folgt, wird sich Erfolg einstellen.

Kein Kommentar zu Äußerungen Kerstin Lasoggas

Der Respekt, den Luhukay intern genießt, hat mit seiner Konsequenz zu tun. So freundlich sein Umgangston ist, seine Ansagen sind unmissverständlich. Zu den Äußerungen von Mutter Lasogga sagte Luhukay der Morgenpost, er werde sie nicht kommentieren. Nur soviel: „Sagen Sie den Lesern, dass ich trotz mehrmaliger Nachfrage bei meiner Haltung bleibe.“

Das Problem kommt nicht überraschend. Im vergangenen Sommer reagierten Preetz und Luhukay auf eine Schwachstelle. Im Abstiegsjahr 2011/12 hatten die Stürmer Ramos und Lasogga intern keine Konkurrenz. Deshalb entschied sich Hertha beim neuen Jahrgang für eine üppige Sturmbesetzung.

Zusätzlich verschärft wurde der interne Wettbewerb, als der Trainer die Taktik änderte. Weil Ronny viel besser aufspielte als erwartet, legte Luhukay das geplante 4-4-2-System mit zwei Stürmern ad acta. „Ronny ist am stärksten in einem 4-2-3-1 mit einem Angreifer“, sagte der Trainer. Ergebnis: Hertha ist Tabellenführer und Ronny der mit Abstand beste Scorer der Liga (13 Tore, zwölf Vorlagen). Zugegeben, die Stürmer haben daran zu knapsen.

Telefonate mit der halben Liga

Aber zum Bild gehört auch, dass das Unternehmen Lasogga vielleicht Pläne außerhalb von Hertha hat. In der Szene hat es sich schon länger herumgesprochen, dass Mama Lasogga in der Winterpause, als ihr Sohn noch gar nicht gespielt hat, die halbe Liga durchtelefoniert habe, ob nicht jemand Interesse an ihrem Pierre habe.

Wer Luhukay kennt, ahnt, dass die Einlassungen der Beraterin ihrem Filius nicht zu mehr Einsatzzeiten verhelfen. Manager Preetz sagte: „Hertha liegt auf Aufstiegskurs. Pierre-Michel ist in der Warteschleife. Ich verstehe, dass das für ihn unbefriedigend ist. Aber es liegt an ihm, das zu ändern.“ Prognose: Hertha wird in die kommende (Bundesliga-)Saison nicht mit dem Sturm-Quartett Ramos, Wagner, Lasogga, Allagui gehen.