Zweite Liga

Herthas Ben Sahar will um seinen Platz im Nationalteam kämpfen

In Israel wurde Sahar einst als Wunderkind gefeiert. Bei Hertha ist der schnelle Angreifer meist nur Ergänzungsspieler. Über gute Leistungen in Berlin will er sich wieder für die Nationalelf empfehlen.

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Die Arena ist seit Monaten restlos ausverkauft. 41.500 Zuschauer fiebern im Ramat-Gan-Stadion mit, alle Augen werden sich auf Cristiano Ronaldo richten. Für den israelischen Fußball ist es ein Feiertag. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 gastiert in der Gruppe F Portugal mit dem Superstar von Real Madrid in einem Vorort von Tel Aviv. Vor allem die Portugiesen stehen unter Druck. Mit bisher nur sieben Punkten liegen sie in der Gruppe lediglich auf Platz drei hinter Russland (12) und Israel (7).

Einer, der beinahe dabei gewesen wäre, wird jedoch heute um 13.45 Uhr vor seinem Fernseher in Berlin sitzen. Ben Sahar (23), Profi von Hertha BSC, ist erstmals seit Monaten für die israelische Nationalmannschaft einberufen worden. Doch Sahar ist nur „auf Abruf“ nominiert.

Konkurrenzkampf bei Hertha

„Ja, ich bin sehr enttäuscht, dass ich nicht dabei bin“, gesteht Sahar. „Bis vor einem Jahr war ich eigentlich immer eingeladen. Es ist eine absolute Ehre, für mein Land zu spielen.“

Nationaltrainer Eli Guttman hat viele Gespräche mit Sahar geführt. „Er sagte, ich müsse regelmäßig im Verein spielen, um wieder Teil der Nationalelf zu sein. Sonst ist es schwer für ihn, mich zu nominieren. Ich verstehe das auch“, berichtet der Hertha-Profi.

In diesem Jahr wurde der schnelle Flügelstürmer drei Mal beim Hauptstadt-Klub eingesetzt. Allerdings bekommt Sahar die verschärfte Konkurrenz-Situation in der Offensive zu spüren. Da ist mit Pierre-Michel Lasogga seit Januar ein weiterer ehrgeiziger Konkurrent dazugekommen im Kampf um Einsatzzeiten. Folge: Manchmal steht Sahar im Kader des Zweitliga-Spitzenreiters, manchmal nicht.

Training unter Mourinho

Sahar erlebt zwar seine bereits sechste Saison im Profigeschäft, aber er ist immer noch auf der Suche. Die Erwartungen in seiner Heimat sind riesig. Er wurde 2006 bei einer Junioren-EM entdeckt. Der FC Chelsea holte ihn nach London. Der damalige Trainer José Mourinho beförderte Sahar zu den Profis.

Als 17-Jähriger debütierte Sahar in der Premier League. Am 13. Januar 2007 gegen Wigan Athletic wechselt Mourinho Arjen Robben aus und Sahar ein. Fortan wurde er regelmäßig zur israelischen A-Nationalelf gerufen. Bisher hat Sahar 30 Länderspiele absolviert.

So recht konnte er sein Ruf als Supertalent nie unterstreichen. Es folgten viele Stationen in vielen Ländern: Queens Park Rangers, Sheffield Wednesday, FC Portsmouth, Espanyol Barcelona, De Graafschap, Hapoel Tel Aviv, AJ Auxerre. Mit seiner Entscheidung für Berlin wollte Sahar die Wanderjahre beenden. Doch auch in der deutschen Zweiten Liga benötigte er Anlaufzeit.

„Ich versuche, den Menschen Freude machen“

„Die Situation ist eine Herausforderung“, bekennt Sahar. Weil der Israeli bei Hertha zunächst gar nicht eingesetzt wurde, verlor er seinen Platz im Nationalteam. Seit vergangenem Oktober ist Sahar einigermaßen regelmäßig im Hertha-Trikot unterwegs. Deshalb hat er es zum prestigeträchtigen Länderspiel gegen Portugal immerhin bis in den erweiteren Kader geschafft.

„Israel ist ein kleines Land mit vielen Problemen“, sagte Sahar. „Ich versuche, den Menschen mit meinem Spiel etwas Freude zu machen. Deshalb bin ich enttäuscht, dass ich nicht dabei bin.“ Aber alles im Leben habe seinen Sinn. „so kann ich mich voll auf Hertha konzentrieren.“

Sein Vertrag beim Tabellenführer der Zweiten Liga läuft bis Juni 2014. In seinem Umfeld wird bereits geraunt, dass man sich die Situation genau anschauen müsse. Wenn Trainer Jos Luhukay nicht öfter auf Sahar setze, gelte es andere Lösungen zu finden . . . Doch Sahar scheint zu verstehen, dass es keinen Sinn macht, auf jede Hürde, die sich in seinen Karriere-Weg stellt, mit einer raschen Abreise zu reagieren.

„Ich habe noch zwei Monate, um bei Hertha zu zeigen, was ich kann.“ Er bekennt sich zu seinem aktuellen Verein: „Ich fühle mich mit meiner Freundin immer wohler in Berlin. Ich bin glücklich hier. Könnte ich es mir aussuchen, würde ich gern hier bleiben. Bis auf das Wetter im Winter ist alles schön in Berlin.“