Zweite Liga

Ersatzgeschwächte Hertha ist auch ohne Tore glücklich

Vier Stammkräfte fehlten Hertha BSC im Zweitliga-Spitzenspiel gegen 1860 in München. Kein Wunder, dass der Tabellenführer mit dem 0:0 dennoch sehr zufrieden war.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Die Zeit zwischen Fasching und Ostern gilt traditionell als Fastenzeit. Auch Hertha BSC gab sich gestern ungewohnt genügsam. Bei 1860 München spielte der Spitzenreiter am 25. Spieltag der Zweiten Liga zum ersten Mal auswärts 0:0. Und nach dem Abpfiff waren eigentlich alle Beteiligten zufrieden mit der Nullnummer.

Beide Mannschaften haben reichlich Respekt

„München ist ein starkes Team“, sagte Stürmer Adrian Ramos, „wir wollten gewinnen, am Ende waren wir etwas müde. Deshalb ist ein Punkt in Ordnung.“ Spielmacher Ronny hatte sogar „ein gutes Spiel von uns gesehen. Schade, dass wir nicht gewonnen haben.“ Unter dem Strich jedoch war es Magerkost, was beide Teams vor 25.400 Zuschauern in der WM-Arena boten. Beide Mannschaften hatten reichlich Respekt voreinander.

„Wir haben gegen eine sehr starke Hertha gespielt“, befand „Löwen“-Trainer Alexander Schmidt. „Wenn Ronny und Ramos unterwegs sind, hat man immer Bedenken, dass da etwas passieren kann.“

Janker rückt überraschend in die Innenverteidigung

Tatsächlich jedoch waren die Gäste in beiden Hälften darum bemüht, die eigenen Probleme nicht offensichtlich werden zu lassen. Trainer Jos Luhukay musste auf vier Stammkräfte verzichten (Kapitän Peter Niemeyer, Vizekapitän Peer Kluge, John Brooks und Marcel Ndjeng). Überraschend stand Christoph Janker in der Innenverteidigung. Seinen letzten Einsatz hatte er im Mai 2012 beim Relegations-Rückspiel in Düsseldorf, seither hatte ein Verletzungsmarathon den Defensiv-Allrounder außer Gefecht gesetzt. Nach langen Monaten in der Reha ist seine Leidenszeit nun vorbei. „Ich habe es morgens um elf Uhr erfahren“, sagte Janker. „Auf der Busfahrt zum Stadion war ich echt nervös. Aber es ist alles gut gegangen.“

Erstmals in einem Punktspiel führte Fabian Lustenberger Hertha, ganz in ungewohnten weißen Trikots, als Kapitän auf das Feld. „Ich fühle mich geehrt, das freut mich, diesen Status habe ich mir erarbeitet“, sagte der Schweizer. Wichtiger war Lustenberger etwas anderes: „Kaum jemand hat uns zugetraut, dass wir nach den vielen Umstellungen bei 1860 zu Null spielen. Aber wir haben es geschafft.“

Kiraly ist gleich zweimal auf dem Posten

Zunächst hielt die neuformierte Doppel-Sechs mit Lustenberger und Alfredo Morales, der eine sehr konzentrierte Leistung bot, das Geschehen weit weg vom eigenen Tor. Zum ersten Mal in diesem Jahr zeigten die Berliner im Spiel, was die Mannschaft seit Monaten tagtäglich im Training probt: zügige Ballstafetten quer durch die eigenen Reihen, so dass der Gegner erhebliche Schwierigkeiten hatte, in Ballbesitz zu kommen.

Hertha war offensiv ausgerichtet und erarbeitete sich mehrere Beinahe-Chancen. Nach 13 Minuten bekam Ramos den Fuß nicht mehr richtig an eine Schulz-Flanke, der Ball trudelte am langen Pfosten vorbei. Morales leitete eine Kombination in den „Löwen“-Strafraum ein, Ramos verlängerte auf Sami Allagui, der den Ball nicht am ehemaligen Hertha-Torwart Gabor Kiraly vorbeibrachte (35.). Auch Ronny fand bei einem 17-Meter-Schuss seinen Meister im 1860-Torwart (40.).

Auch Kraft muss Abwehrfehler ausbügeln

Im zweiten Durchgang war es vorbei mit der Dominanz. Nun spielten die Hausherren forscher auf, und Herthas neu formiertes Abwehrzentrum mit Janker und Maik Franz hatte einiges zu tun. „Löwen“-Stürmer Marin Tomasov hatte zwei gute Gelegenheiten, bei der ersten schoss er den Ball rechts am Hertha-Tor vorbei (56.). Nach einem Kobiashvili-Patzer stand er frei vor Torwart Thomas Kraft, der Hertha mit einer starken Parade vor einem Rückstand bewahrte (59.).

In der Schlussphase wechselte Hertha-Trainer Jos Luhukay offensiv, brachte mit Ben Sahar, Änis Ben-Hatira und Sandro Wagner frische Kräfte. Eine Wechsel-Strategie, die Pierre-Michel Lasogga nur bedingt gefallen habe dürfte, der Jungstürmer musste nach dem Warmmachen unverrichteter Dinge wieder Platz auf der Ersatzbank nehmen. Die letzte Chance verpasste Sahar, der nach einer Ben-Hatira-Flanke über das 1860-Tor köpfte (79.).

„München hat keine schlechte Mannschaft, die wollen noch auf einen Aufstiegsplatz“, sagte Sahar, „das war ein wichtiger Punkt für uns.“ Dieser Sichtweise schloss sich Trainer Luhukay an. „Das war ein gerechtes Ergebnis. In der ersten Halbzeit waren wir besser, in der zweiten Hälfte hätte auch 1860 treffen können. Ich kann mit dem 0:0 leben.“

Vorsprung ist auf einen Punkt zusammengeschmolzen

Der Vorsprung des Tabellenführers ist nach dem achten Unentschieden zwar auf einen Zähler zusammengeschmolzen, da parallel Verfolger Eintracht Braunschweig 1:0 beim VfL Bochum gewann. Dennoch ist das Selbstbewusstsein im Team groß. Das erklärte Ziel ist die direkte Rückkehr in die Bundesliga. Innenverteidiger Franz sagte: „Wir lassen uns diesen Durchmarsch nicht nehmen. Wir wollen den Aufstieg so schnell wie möglich perfekt machen.“ Allerdings braucht es nun etwas Geduld: Wegen der Länderspiel-Pause bestreitet Hertha erst in zwei Wochen die nächste Partie im Olympiastadion gegen den VfL Bochum.