Zweite Liga

Kobiashvili will Hertha wieder in die Bundesliga führen

Nach der längsten Sperre der Bundesligageschichte steht Levan Kobiashvili wieder auf dem Platz. Der 35-Jährige konnte trotz Niederlage beim Spiel gegen Dynamo Dresden in der Einzelwertung überzeugen.

Levan Kobiashvili staunte, als er den Fernseher anschaltete. Herthas Defensiv-Allrounder sah sich am Dienstagabend das Champions-League-Achtelfinale zwischen Manchester United und Real Madrid an, und aus den Reihen der jungen, hochbezahlten Akteure auf dem Platz stach ein Spieler mit graumelierten Schläfen hervor: der Waliser Ryan Giggs. „Wahnsinn“, schwärmt Kobiashvili. „Giggs ist 39 Jahre alt und spielt noch Champions League. Das zeigt, dass im Fußball vieles möglich ist.“ Der britische Mittelfeldspieler, der vor einer Woche seinen Vertrag bei United um ein weiteres Jahr verlängert hat und gegen Real zum 1000. Mal in seiner Karriere in einem Pflichtspiel zum Einsatz kam, sei ein tolles Vorbild. Nicht nur für Kobiashvili selbst, sondern auch für die vielen jungen Spieler im Kader von Hertha BSC.

Dabei müssten die Youngster im Team des Zweitliga-Tabellenführers gar nicht so weit über den Ärmelkanal schauen. Mit Levan Kobiashvili, der im Juli 36 Jahre alt wird, verfügt Hertha selbst über einen „Methusalem“, der sich spätestens seit Sonnabend ebenfalls als Vorbild eignet. Denn beim Auswärtsspiel gegen Dynamo Dresden stand der Georgier erstmals wieder in der Startelf der Berliner. Siebeneinhalb Monate war er vom Pflichtspielbetrieb ausgeschlossen, nachdem ihn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit der längsten Sperre der Bundesligageschichte für eine Aktion bestrafte, die sich nach Herthas Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf im Mai 2012 abgespielt hat. Kobiashvili soll Schiedsrichter Wolfgang Stark in den Katakomben tätlich angegriffen haben. Der Spieler bestreitet das bis heute, akzeptierte aber die Sperre, um „endlich Ruhe“ zu haben.

Die besten Werte aller Spieler

Bei seinem Startelf-Comeback gegen Dresden überzeugte Kobiashvili auf der Position links in der Viererkette mit den besten Zweikampfwerten (77 Prozent), den meisten Ballkontakten (86) und Pässen (43) aller Akteure auf dem Feld. Darüber freuen aber konnte er sich kaum: „Das war sehr unglücklich für mich. Da spiele ich das erste Mal wieder von Beginn an, und dann verlieren wir nach 21 ungeschlagenen Partien“, sagt Kobiashvili. Dass ihn Herthas Cheftrainer Jos Luhukay nach langer Zeit wieder das Vertrauen geschenkt habe, sei zwar eine „tolle Sache“ für ihn gewesen. „Aber was nützt uns das? Wir haben verloren.“

Die starken Werte des georgischen Rekordnationalspielers (100 Länderspiele) in Dresden sind erstaunlich. War er doch der mit Abstand älteste Spieler auf dem Feld. John Anthony Brooks (20), mit dem er gegen Dynamo verteidigte, war gerade erst geboren, als Kobiashvili 1993 den Sprung in die Männermannschaft seine Heimatvereins Awasa Tiflis schaffte. Als der heute 35-Jährige 1998 sein Zweitligadebüt für den SC Freiburg gab, wurde Herthas Stürmer Pierre-Michel Lasogga, dessen Eigentor die Pleite in Dresden einleitete, eben erst eingeschult. Das fortgeschrittene Alter aber mache sich mittlerweile auch bemerkbar, gibt der Defensivspieler zu: „Es geht nicht mehr so wie vor zehn oder zwölf Jahren. Das merke ich schon.“ Zudem habe sich auch der Fußball verändert. „Er ist heute viel schneller und wesentlich zweikampfbetonter geworden.“

Insgesamt 336 Bundesligaspiele

Um auch im Spätherbst seiner Karriere weiter auf hohem Niveau mithalten zu können, hat Kobiashvili auf vieles verzichtet: „Wenn ich immer nächtelang betrunken feiern gewesen wäre, wäre ich heute nicht mehr dabei“, sagt der zweifache Vater, der mit 336 Bundesligaspielen für Freiburg, Schalke und Hertha der ausländische Profi mit den meisten Partien im deutschen Oberhaus ist. Dass in dieser Saison auch sein Zweitliga-Konto noch etwas aufgebessert wird, ist nicht unwahrscheinlich.

Nach dem guten Auftritt gegen Dresden und den zuletzt weniger überzeugenden Einsetzen seiner direkten Konkurrenten Fabian Holland und Felix Bastians links in der Viererkette, könnte Kobiashvili auch gegen den MSV Duisburg am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und im Live-Ticker auf morgenpost.de) in der Startelf stehen. „Man muss ehrlich sein“, sagt Herthas Trainer Luhukay, „zuletzt war ich nicht immer zufrieden auf der linken Seite. ‚Kobi‘ hat in Dresden einen guten Eindruck hinterlassen und ist eine Option für Duisburg.“

Trotz der aktuellen Renaissance macht sich Kobiashvili Gedanken über die Zeit nach der Profikarriere. Fest steht, dass er weiter im Fußballgeschäft tätig sein will. Trainer? „Nein. Ich will studieren. Sportmanagement. Vielleicht fange ich schon im Sommer in Berlin an.“ Sein Vertrag bei Hertha aber läuft noch ein Jahr bis 2014, und Kobiashvili hat nicht vor, ihn als Bankangestellter austrudeln zu lassen. „Erst einmal will ich mit der Mannschaft zurück in die Bundesliga und den Verein wieder da hinbringen, wo er hingehört.“ Wenn er mit weiteren Einsätzen „einen kleinen Beitrag dazu leisten könnte“, wäre er glücklich, so der Abwehrspieler.

Und dann gibt es da ja auch noch diesen Traum: „Es wäre wirklich ein toller Abschluss meiner Karriere, wenn ich noch das ein oder andere Bundesligaspiel mit Hertha machen könnte“, sagt Kobiashvili und lächelt. Dass er auch im Alter von 39 Jahren noch spielen wird, wie Ryan Giggs, glaubt er nicht. Aber wer weiß? Im Fußball ist schließlich vieles möglich.