Jos Luhukay ist ein positiv denkender Mensch. Und daher will Herthas Cheftrainer auch gar nicht erst darüber nachdenken, was beim Berliner Zweitligaklub los wäre, wenn seine Mannschaft von dem schweren Auswärtsspiel am Sonnabend gegen den Aufsteiger VfR Aalen (13 Uhr/ bei Sky und im Live-Ticker auf morgenpost.de) nicht mit drei Punkten zurückkehren würde.

„Damit verschwende ich keine Zeit“, sagte der Niederländer. „Wir fahren mit einem guten Gefühl und mit Selbstbewusstsein nach Aalen. Wir haben das Derby verarbeitet und brauchen keine Angst zu haben.“

Kein Team ist auswärts stärker als Hertha

Angst braucht Luhukays Team vor dem VfR tatsächlich nicht zu haben, auch wenn sich die Schwaben (30 Punkte und Platz sieben) in ihre allerersten Zweitligasaison zu einem echten Favoritenschreck gemausert haben und nicht nur den Spitzenreiter Eintracht Braunschweig am vergangenen Spieltag an den Rande einer Niederlage führten (1:1), sondern auch schon den Tabellendritten Kaiserslautern (1:0) und den Bundesligaabsteiger Köln (2:0) schlagen konnten.

Denn kein Team in Liga zwei ist so auswärtsstark wie Hertha BSC (24 Punkte aus elf Spielen), nur fünf Mannschaften sind vor heimischer Kulisse schwächer als Aalen (zwölf Zähler aus zehn Partien). Und dennoch kratzten die beiden durchwachsenen Auftritte der Herthaner nach der Winterpause in Regensburg (5:1) und beim Stadtderby gegen den 1. FC Union (2:2) am eigenen Selbstverständnis.

Obwohl Luhukay mit vier Punkten aus zwei Partien zufrieden war und den angestrebten Schnitt aus zwei Zählern pro Spiel, der statistisch gesehen am Ende der Saison für den Aufstieg in die Bundesliga reicht, nicht unterschritt, sorgte vor allem die spielerische Einfallslosigkeit seiner Mannschaft gegen Union und Regensburg für Zweifel.

Die Dominanz war zuletzt kaum zu sehen

Denn in beiden Partien benötigte Hertha wieder einmal Standardsituationen (insgesamt fünf der sieben Treffern fielen nach einem ruhenden Ball), um ins Spiel zu finden, und tat sich lange schwer, aus dem Spiel heraus Chancen zu kreieren. Von der von Luhukay geforderte spielerische Dominanz war kaum etwas zu sehen.

„Wir sind derzeit in einer Phase, in der wir nicht den besten Fußball spielen“, räumte der 49-Jährige ein. „Aber wir holen die Punkte. Und wenn man sieht, dass auch andere Spitzenteams schon eine solche Phase hatten, in der sie jedoch nicht gepunktet haben, können wir zufrieden sein“, sagte Luhukay.

Bei der Reise in die schwäbische Provinz geht es für Hertha jedoch nicht nur darum, die leichten Startschwierigkeiten nach der Winterpause zu beheben. Die drei Punkte sind darüber hinaus auch für die blau-weiße Seele enorm wichtig. Denn durch das Remis im Stadtderby und dem Heimsieg des Verfolgers Kaiserslautern gegen Dresden am vergangenen Spieltag ist der Vorsprung auf Rang drei von zehn auf acht Punkte geschrumpft. Das ist immer noch ein komfortables Polster.

Kaiserslautern rückt näher

Doch sollte gegen die tief stehenden Aalener – immerhin die drittbeste Abwehr der Liga (19 Gegentore) – kein Sieg gelingen, könnte der Abstand auf den Relegationsplatz bis auf sechs, bei einer unerwarteten Niederlage sogar bis auf fünf Punkte weiter schrumpfen, insofern die Pfälzer ihrerseits am Sonntag gegen den MSV Duisburg gewinnen sollten.

Käme es so, würde Hertha seine eigentlich so aussichtsreiche Position im Aufstiegsrennen noch einmal selbst in Gefahr bringen. Denn nur neun Tage später kommt es im Olympiastadion zum Spitzenspiel gegen Kaiserslautern, und Hertha stünde gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten gehörig unter Druck.

Darüber hinaus hat der Klub für dieses Duell erst etwas mehr als 2000 Karten verkaufen können. Auch vor diesem Hintergrund gilt es für Luhukays Team, gegen Aalen Werbung in eigener Sache zu machen.

Luhukay selbst hat die Begegnung gegen den VfR daher auch als „Zwischenspiel“ bezeichnet, bei dem es darum geht, sich die Sicherheit zurück zu holen. „Wir wollen gewinnen, und ich hoffe, dass wir wieder an die Leistung unserer letzten Auswärtsspiele anknüpfen können. Dazu aber brauchen wir wieder mehr Spieler, die ihr Toplevel erreichen“, sagte er.

Holland ersetzt Bastians

Auch Luhukays Profis ist bewusst, dass die eigenen Leistungen ausbaufähig waren und unterschätzen die Bedeutung der Partie gegen Aalen nicht. „Wir müssen jetzt wieder in unseren Rhythmus kommen“, sagte Abwehrspieler John Anthony Brooks. „Ich denke, dass die ersten beiden Spiele dafür da waren und wir in Aalen besser spielen werden.“

Wenn sich die Mannschaft voll konzentriert, so Brooks, „dann werden wir auch die drei Punkte mit nach Hause bringen.“

Für seinen Partner in der Innenverteidigung geht es dabei weniger um den spielerischen Glanz, als vielmehr um das Ergebnis: „Klar müssen wir spielerisch zulegen“, sagte Fabian Lustenberger. „Aber wichtig ist, dass wir punkten. Wir wissen, dass wir besser spielen können, aber schlussendlich zählen nur die Resultate.“ Zwar sei es schön, mit gutem Fußball zu gewinnen, „aber das steht jetzt erst einmal an zweiter Stelle.“

Lustenberger und Brooks werden gegen Aalen wieder mit Fabian Holland links in der Viererkette agieren, der gegen Union gelbgesperrt fehlte. Luhukay hat dem 22-Jährigen eine Einsatzgarantie geben. Schließlich brauche er Vertrauen, so der Trainer. Selbstzweifel sollen auch bei Holland gar nicht erst aufkommen.