Herthas Ältester wirkte entspannt. „Es war super, in so einem wichtigen Spiel das Comeback zu feiern“, sagte Levan Kobiashvili (35) über seinen 45-Minuten-Auftritt im Derby gegen Union.

Mittlerweile neun Monate lag sein letzter Pflichtspiel-Einsatz für Hertha BSC zurück, in jenem skandalösen Relegations-Rückspiel bei Fortuna Düsseldorf (2:2). Das hatte den Berlinern nicht nur den Abstieg beschert. Sondern Kobiashvili die längste jemals vom Deutschen Fußball-Bund verhängte Sperre: Weil, so die Aussage von Schiedsrichter Wolfgang Stark, Kobiashvili ihm nach den Tumulten nach dem Abpfiff mit der Faust auf den Kopf geschlagen habe.

Kobiashvili hat das stets bestritten. Um die Strafanzeige, die Stark zudem gestellt hatte, vom Tisch zu bekommen, hat der Georgier zähneknirschend im vergangenen Dezember einen Strafbefehl über 60.000 Euro akzeptiert.

Das dunkelste Kapitel seiner Karriere hat Kobiashvili mit dem Prestigeduell gegen die Köpenicker am Montag endgültig abgehakt. „Das war eine tolle Sache nach so langer Zeit.“

Im zweiten Durchgang kam Kobiashvili

Trainer Jos Luhukay reagierte in der Pause – Hertha lag zu diesem Zeitpunkt 0:1 zurück – auf die wenig überzeugende Leistung von Linksverteidiger Felix Bastians. Im zweiten Durchgang kam Kobiashvili.

Der 335-malige Bundesliga-Spieler machte keine spektakulären Sachen. Aber es trat genau das ein, was der Trainer beabsichtigt hatte: Herthas linke Defensivseite war keine Problemzone mehr. Der Rückkehrer spielte wie immer: sachlich. Einmal, bei einem Vorstoß, fiel es auf, dass ihm Spielpraxis fehlt. Einem starken Antritt folgte eine Flanke weit über und weit hinter das Union-Tor, Kobiashvili war sichtlich genervt von seinem Patzer.

Erstmals in dieser Saison sah sich Hertha sogar einem zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Rückstand gegenüber. Kobiashvili sagte: „Für mich war es keine Überraschung, dass Union so stark gespielt hat.“ Gleichzeitig war er in der flirrenden Atmosphäre des ausverkauften Stadions von den Qualitäten seiner Mannschaft überzeugt.

Obwohl Hertha mit dem späten Ausgleich eine Niederlage vermied, mahnte Kobiashvili zur Konzentration. Seit Januar 2010 trägt er das Hertha-Trikot, er hat zwei Abstiege und einen Aufstieg in dieser Zeit miterlebt. „Bei Hertha passiert nichts automatisch“, sagte Kobiashvili, „auch nicht der Aufstieg in diesem Jahr.“ Er warnt davor, sich von dem scheinbar beruhigendem Vorsprung von acht Punkten auf den Dritten, den 1. FC Kaiserslautern, einlullen zu lassen. „Verfrühte Zufriedenheit ist falsch. Mit ,irgendwie’ geht es nicht.“

Am Sonnabend in Aalen hat Kobiashvili gute Chancen auf seinen zweiten Saisoneinsatz. Entweder erneut als linker Außenverteidiger. Oder im defensiven Mittelfeld, wo Peer Kluge nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Der Profi zwinkert mit der Erfahrung seiner 17 Profijahre dazu: „Hauptsache dabei sein. Wo, entscheidet der Trainer.“

ub/mey