Die Miene von Patrick Helmes war ein einziges Fragezeichen. „Wir sehen uns nächste Saison“, hatte sich Pierre-Michel Lasogga verabschiedet. „Wie“, fragte Helmes, Stürmer vom VfL Wolfsburg, „in der Bundesliga, oder was meinst du?“ Lasogga grinste: „Na klar.“
Die beiden Stürmer kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Bayer Leverkusen. Und Lasogga hatte ungeachtet des Resultates gute Laune. 1:5 (0:3) hatte Zweitligist Hertha BSC das Testspiel beim VfL Wolfsburg verloren.
Aber Lasogga hatte den einzigen Berliner Treffer erzielt, einen Abstauber aus sechs Metern nach 88 Minuten. „Das tut gut, nach so langer Zeit endlich wieder ein Tor zu schießen“, sagte Lasogga, der wegen eines Kreuzbandrisses acht Monate hatte pausieren müssen. Gewohnt kämpferisch merkte der Torjäger an: „Leider durfte ich nur 25 Minuten ran, aber das hat gut getan.“
Bei der Frage, welche Auswirkungen die ungewohnt hohe Niederlage für die sonst so sieggewohnte Hertha haben wird, wollte Lasogga nicht so recht ran. In der Zweiten Liga haben die Berliner seit 17 Partien nicht mehr verloren. „Man hat gemerkt, dass Wolfsburg eine gute Mannschaft hat und dass die Bundesliga kommende Woche startet, während wir erst in drei Wochen starten“, antwortete Lasogga also vorsichtig.
Hertha-Coach Luhukay geht es um den Rhythmus
In der Tat fiel das Ergebnis vor 4473 Zuschauern unerwartet deutlich aus. „Eigentlich hat mir die erste Hälfte ganz gut gefallen“, sagte Trainer Jos Luhukay nach der Partie, „aber der Unterschied ist die Effizienz. Aus den Testspielen gewinnen wir neue Eindrücke, hauptsächlich geht es aber um den Rhythmus jedes einzelnen Spielers.“
Die ersten drei Schüsse der Gastgeber bewirkten prompt einen 0:3-Rückstand für Hertha. Das VfL-Führungstor von Ivan Perisic senkte sich aus 16 Metern über Hertha-Torwart Thomas Kraft ins Netz (4. Minute). Der Schlussmann räumte ein, ein wenig spekuliert zu haben: „Ich stand einen Schritt zu weit vorn, weil 90 Prozent der Spieler in der Situation einen Doppelpass spielen wollen.“
Berliner Schwächen in der Rückwärtsbewegung
Beim zweiten Gegentreffer nutzte Wolfsburg Herthas Defensivschwächen auf der linken Seite. Ben Sahar und Felix Bastians liefen nur hinterher, Vieirinha vollendete problemlos zum 0:2 (29.). Doch nicht viel besser machte es die andere Flanke der Berliner. Nur wenig später sahen auf der rechten Seite Sami Allagui und Marcel Ndjeng im Rückwärtsgang schlecht aus, die Folge war das 0:3 durch Yohandry Orozco (35.). Bis dahin hatte der Hauptstadt-Klub ganz ordentlich mitgehalten. Im Mittelfeld wurden rasch Bälle erobert. Doch es fehlte an Durchschlagskraft vor dem VfL-Tor.
Im zweiten Durchgang kam Maik Franz zu seinem ersten Einsatz nach seiner Schulteroperation. Der Innenverteidiger verlegte sich erst einmal auf die einfachen Dinge: das Spiel lesen, gut stehen und Zweikämpfe gewinnen. Allein, was sich nicht änderte: Der VfL bestrafte jeden Fehler. Ein leichter Ballverlust von Allagui führte zum 0:4 durch Thomas Kahlenberg, da half auch die Motzattacke von Roman Hubnik nicht (54.).
Nun wechselten beide Trainer ihre Teams durch, Hertha kam auf zehn Wechsel. Entsprechend verflachte das Niveau. Trotz der zerfahrenen Partie musste Hertha noch das 0:5 hinnehmen (Knoche/81.). Ehe Lasogga 120 Sekunden vor Ende für den Berliner Ehrentreffer sorgte. Ungeachtet der herben Niederlage beim niedersächsischen Bundesligisten sagte Rückkehrer Franz: „Für mich war es wichtig, endlich mal wieder auf dem Platz zu stehen. Das hat sich gut angefühlt. Ich muss beim Timing noch zulegen. Aber die Fitness ist wieder da.“
Feinschliff folgt im Hertha-Trainingslager in der Türkei
Für den Aufstiegsaspiranten kam der hochkarätige Testgegner etwas zur Unzeit. Trainer Luhukay führte Profis heran, die lange nicht gespielt haben wie Lasogga, Franz, Christoph Janker, Levan Kobiashvili und Shervin Radjabali-Fardi. Zudem fehlen aktuell mit Adrian Ramos und Ronny zwei Schlüsselspieler. Der Feinschliff ist erst für das Trainingslager in der Türkei vorgesehen (19. bis 26. Januar in Belek/Türkei). Und die erste Pflichtpartie des Jahres steht erst am 3. Februar bei Jahn Regensburg an. Bis dahin ist noch viel Zeit.
Trotzdem mahnte Torhüter Kraft, den Wolfsburg-Auftritt nicht einfach durchzuwinken. „Wir haben bisher nichts erreicht. Wenn wir aufsteigen wollen, dürfen wir nicht nachlassen.“ Torschütze Lasogga argumentierte nach dem Spiel in eine ähnliche Richtung. „Wolfsburg hat uns gezeigt, wie gnadenlos Fehler bestraft werden. Wenn wir aufsteigen, werden wir in der Bundesliga noch härter arbeiten müssen als jetzt.“





