Zweite Liga

Ausgeliehener Fanol Perdedaj hofft auf Rückkehr zu Hertha

Der in Dänemark lebende Mittelfeldspieler will so bald wie möglich zurück zu den Blau-Weißen - und mit ihnen in der ersten Liga spielen.

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Das Training war beendet. Die Kollegen standen bereits unter der Dusche und draußen fiel der Nieselregen auf den Schenckendorffplatz. Fanol Perdedaj aber wollte noch spielen. Zusammen mit Hany Mukhtar schoss er um die Wette, wer wohl als erster genau die Torlatte treffen würde. Vergessen war der Regen, vergessen auch die Erschöpfung.

Dass Perdedaj ein „Fußballverrückter“ ist, belegt nicht nur jene Szene. Auch die Tatsache, dass der 21-Jährige seit Mitte Dezember mit den Profis von Hertha BSC trainiert, weist darauf hin. Denn der im Kosovo geborene und in Berlin aufgewachsene Mittelfeldspieler wurde zu Beginn der aktuellen Saison aus Mangel an Perspektive für ein Jahr an den dänischen Zweitligaklub Lyngby BK entliehen. Zu groß schien die Konkurrenz auf Perdedajs Position im defensiven Mittelfeld, wo Hertha mit Kapitän Peter Niemeyer und Routinier Peer Kluge überdurchschnittlich gut besetzt ist.

Für Lyngby beginnt die Rückrunde erst am 24. März 2013. Und anstatt den Urlaub in seiner Heimatstadt zu genießen, hat sich Perdedaj entschieden, sich bei Hertha fit zu halten. „Ich bin einfach fußballverrückt. Ich wollte das für mich machen“, sagte das Berliner Eigengewächs. Er verzichte gern auf die freien Tage: „Wenn ich Fußball spiele, bin ich glücklich. Das reicht mir.“

Lyngby hat sich Kaufoption von Perdedaj gesichert

Doch für den kampfstarken Defensivspieler, der seinen Durchbruch bei Hertha in der vergangenen Bundesligasaison unter dem Trainer Otto Rehhagel (der ihn gern „Paradise“ nannte) schaffte und acht Mal zum Einsatz kam, haben die Überstunden im Kreise der alten Kollegen noch einen anderen Hintergrund. „Ich wollte mich natürlich auch in Erinnerung rufen und zeigen, wie ich mich in Dänemark weiterentwickelt habe“, so Perdedaj.

Nicht nur menschlich, sondern auch fußballerisch tue ihm die Ausleihe in die Stadt nördlich von Kopenhagen gut: „Dänemark ist eine absolut positive Erfahrung. Wichtig ist für mich erst einmal Spielpraxis. Da kann ich mich zeigen.“ Seit dem 8. Spieltag, als er Anfang September zum ersten Mal für die Dänen zum Einsatz kam, ist Perdedaj Stammspieler bei Lyngby. Elf Ligaspiele und drei Pokalpartien hat er bisher bestritten – zumeist bekleidete er dabei den für ihn ungewohnten offensiveren Part der Doppelsechs. Lyngby hat sich für den Fall, dass der direkte Wiederaufstieg gelingen sollte, eine Kaufoption gesichert. Zwar steht der Klub derzeit nur auf Platz fünf. Doch vom Aufstiegsplatz zwei trennt ihn lediglich ein einziger Punkt. Nur im Falle des Aufstiegs ist Lyngby über Juni hinaus eine Option für Perdedaj.

Lob von Hertha-Trainer Jos Luhukay

Denn auch wenn er durchaus offen ist für verschiedene Möglichkeiten, liebäugelt der 1,72 Meter kleine Abräumer mit einer Rückkehr nach Berlin, wo er noch bis 2014 unter Vertrag steht: „Ja, das ist mein Ziel“, sagt Perdedaj. „Ich will nach Deutschland zurück. Berlin ist meine Heimat. Bundesliga mit Hertha zu spielen, wäre ein Traum.“ Dass Hertha der Aufstieg in Liga eins gelingt, daran zweifelt er nicht. Ohnehin habe sich seit seinem Weggang im September eine Menge getan bei den Blau-Weißen: „Du merkst, wie selbstbewusst die Spieler nun sind. Die sollen jetzt so weiter machen.“ Und dann folgt ein Satz, der die Gemütslage des Fanol Perdedaj bestens illustriert: „Wir haben die Qualität aufzusteigen.“

„Wir“ sagt er und meint damit Hertha BSC, weil er sich trotz der Ausleihe weiterhin als Teil der Mannschaft sieht. „Ich gehöre immer noch dazu. Ich bin bei Hertha aufgewachsen, und mein Herz hängt an dem Verein.“ Dort hat man wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass der Entliehene konzentriert an seiner Rückkehr arbeitet. Trainer Luhukay lobte: „Er hat einen guten Charakter. Dass er hier mitgemacht hat, zeichnet ihn aus. Schließlich hätte er ja auch faul auf der Couch liegen können.“ Während der Trainingseinheiten habe Perdedaj jedenfalls „einen sehr positiven Eindruck hinterlassen“.

Zum zweiten Testspiel der Berliner am Sonnabend beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr) wird Perdedaj freilich nicht mitreisen. Am Sonntag fliegt er zurück nach Dänemark, denn einen Tag später beginnt auch dort die Vorbereitung. Vielleicht kehrt er bald wieder zu Hertha zurück.