Seit Beginn dieser Zweitligasaison hatte Thomas Kraft einen schlichten Wunsch: Herthas Stammtorhüter wollte ganz in Weiß auflaufen – weiße Stutzen, weiße Hose und natürlich ein blütenweißes Trikot.
Immer wieder bat der 24-Jährige die Berliner Zeugwarte, ihm diesen Wunsch doch zu erfüllen. Ohne Erfolg. In Rot musste er spielen und manchmal sogar in Froschgrün.
Doch beim Gipfeltreffen gegen den Tabellenführer Eintracht Braunschweig am Sonnabend war der Anlass angemessen: Thomas Kraft bekam, was er wollte. Und hätte Dennis Kruppke nicht zum 1:0 für die Gäste getroffen, die Weste wäre weiß geblieben.
Denn viel mehr Gründe, sich schmutzig zu machen, hatte Kraft ansonsten nicht in der Partie. Nur ein einziges Mal schossen die Niedersachsen in der ersten Halbzeit auf sein Gehäuse – dafür aber ziemlich genau, und der Ball war drin.
„Der Thomas ist in die Kabine gekommen und hatte keinen Flecken auf dem Trikot. Ich glaube, der musste nicht mal duschen“, sagte Herthas Abwehrspieler Fabian Lustenberger, um die Chancenarmut der Gastgeber bildsprachlich zu untermauern.
Alles Quatsch, erwiderte Kraft später am Mannschaftsbus, als er nach einer überstandenen Dopingprobe ein Resümee des Spitzenspiels versuchte. Natürlich habe er sich geduscht, und die Kluft seiner Wahl wurde leider auch etwas in Mitleidenschaft gezogen: „Ungewaschen kann ich die jedenfalls nicht wieder in den Schrank legen“, erklärte er.
Innenverteidiger-Pärchen Lustenberger und Brooks
Schließlich musste der Keeper noch einmal Kopf und (weißen) Kragen riskieren, als er in Durchgang zwei gegen den pfeilschnellen Braunschweiger Dominick Kumbela herauseilte, den Ball parierte und Hertha so im Spiel hielt.
Es war eine Schlüsselszene in der Partie. Dafür nahm Kraft die Flecken gern in Kauf. Braunschweig vergab die Chance zur Entscheidung, Krafts Herthaner kamen noch zum hochverdienten Ausgleich.
Doch das eine Gegentor, das wurmte den ehrgeizigen Torwart dann doch: „Das hat mir gar nicht gefallen, wie wir da verteidigt haben“, sagte Kraft. Gegen 1860 München und den VfL Bochum war sein Team mit dem jungen Innenverteidiger-Pärchen Lustenberger und John Anthony Brooks zuletzt zweimal ohne Gegentreffer geblieben.
Eine solche Serie lag bis dahin über anderthalb Jahre zurück (April 2011), und Kraft hätte sie gegen die effizienten Braunschweiger gern weiter ausgebaut. Auch das so erhoffte, blütenweiße Torwart-Trikot konnte darüber nur ein wenig hinwegtrösten. Krafts Sehnsucht nach einer weißen Weste war schlichtweg größer.
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