Neuer Kampfgeist

Herthas Profis haben endlich wieder Spaß am Fußball

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Jörn Meyn

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Die Berliner gewinnen ihr Selbstbewusstsein zurück. Das macht Hertha-Trainer Jos Luhukay zuversichtlich für die „Mission Wiederaufstieg“.

Nach getaner Arbeit gab es erst einmal Süßes. Als die Profis von Hertha BSC am Sonnabendmittag vom nie gefährdeten 2:0-Erfolg in Bochum zurückgekehrt und artig ein paar Runden um den Schenckendorffplatz ausgelaufen waren, überraschte eine ältere Dame die Mannschaft mit Schokoküssen. Wer gewinnt, der darf auch naschen, selbst wenn die Partie beim immer tiefer im Tabellenkeller versinkenden Revierklub am Vorabend nicht unbedingt etwas für Feinschmecker gewesen war.

Es wird Peer Kluge nicht besonders gewurmt haben, dass er sich, anders als die meisten seiner Teamkollegen, diese unverhoffte Leckerei entgehen lassen musste. Hatte das doch einen erfreulichen Grund. Denn der 31-Jährige durfte den versammelten Hauptstadtjournalisten erläutern, wie es sich denn nun angefühlt habe, gegen Bochum das erste Pflichtspieltor für seinen mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Arbeitgeber Hertha BSC erzielt zu haben. Nach schöner Vorarbeit des Brasilianers Ronny schob der zentrale Mittelfeldspieler nach nur 36 gespielten Sekunden in der zweiten Halbzeit gegen Bochum zur wichtigen 1:0-Führung ein. Es war der Wendepunkt in einer bis dahin zerfahrenen Partie, in der sich die Berliner lange Zeit schwer getan hatten.

Kluge trifft nach langer Zeit wieder

Natürlich sei das Tor etwas ganz Besonderes für ihn gewesen, befand Kluge also am Sonnabend. Schließlich liege sein letzter Treffer schon über anderthalb Jahre zurück. Damals lief der Mittelfeldspieler noch für Schalke 04 in der Bundesliga und der Champions League auf. Seit Sommer spielt Kluge als sogenannter „Umschaltspieler“ zwischen Abwehr und Angriff eine besonders wichtige Rolle im Konzept von Herthas Trainer Jos Luhukay. „Wir sind derzeit in einer außerordentlich guten Phase“, sagte Kluge. Die Mannschaft habe sich früher als erwartet gefunden und auch fußballerisch laufe es immer besser: „Zurzeit macht es einfach Spaß“.

Dass es eine ganze Weile gegen den aufopferungsvoll kämpfenden VfL Bochum keinen rechten Spaß gemacht hatte, das war auch Peer Kluge aufgefallen. Wie schon beim etwas schmeichelhaften 2:2 gegen den MSV Duisburg Anfang des Monats hatte der Aufstiegsaspirant erneut Schwierigkeiten mit einem Team aus dem Tabellenkeller. „Bochum hat es uns schwer gemacht. Aber wir haben von Beginn an den Kampf angenommen“, sagte Kluge nach der Partie. Anders als gegen den MSV, als man nach einer frühen Führung den Gegner nur noch spielerisch bezwingen wollte und das Spiel dadurch fast noch verloren hätte, hielt Hertha diesmal auch kämpferisch dagegen. „Beim 2:2 in Duisburg haben wir nach der ersten Halbzeit gedacht, dass ein Schritt weniger reicht. Das haben wir in Bochum nicht getan und nach dem 1:0 konzentriert weiter gearbeitet“, sagte Kluge.

Auch Peter Niemeyer, Herthas Kapitän und Mann für die nötige Aggressivität auf dem Feld, sah im spielerisch mäßigen Auftritt gegen Bochum dennoch einen entscheidenden Fortschritt seiner Mannschaft: „Das sind diese Spiele, bei denen du über den Kampf in die Partie findest musst, und das haben wir diesmal wirklich sehr gut gemacht.“ Um aufzusteigen, sei das eine entscheidende Fähigkeit.

Herthas Trainer Jos Luhukay zeigte sich ob der verbesserten Einstellung seiner Profis zufrieden: „Ich freue mich, welchen Fortschritt die Mannschaft gemacht hat. Wir haben uns von Spieltag zu Spieltag defensiv stabilisiert und deswegen sind wir nun auch schwer schlagbar.“

Jetzt gegen den Spitzenreiter

Der Niederländer, der im Sommer aus Augsburg gekommen war und gesagt hatte, dass es bis zum Oktober dauern werde, bis sein Team seine Idee vom Fußball vollkommen umsetzen kann, sieht sich mehr und mehr bestätigt. Nach zehn Spieltagen, hatte Luhukay prognostiziert, könne man sehen, auf welchem Weg sich Hertha befindet. 21 Punkte sind auf dem Konto der Berliner, acht Spiele infolge ist man nun ungeschlagen und sichert nach einem holprigen Start den Tabellenplatz zwei. „Das ist eigentlich hervorragend. Ich denke, dass die Mannschaft als Kollektiv auf einem sehr guten Weg ist.“

Aber noch etwas macht Jos Luhukay besonders zuversichtlich für die Erfüllung der Mission Wiederaufstieg: Die Verunsicherung, die der 49-Jährige nach dem Abstieg aus der Bundesliga in der Mannschaft gespürt hatte, sei nunmehr verflogen und das Selbstbewusstsein zurück. Nun könne man am kommenden Sonnabend mit breiter Brust zum Spitzenspiel nach Braunschweig fahren, die nach einem 2:0 in Dresden immer noch fünf Punkte Vorsprung auf die Berliner haben. Gelingt auch beim Überraschungstabellenführer ein Sieg, gibt es vielleicht auch wieder Süßes für die Hertha-Profis.