Gegen Bochum

Hertha BSC ist der Topfavorit für den Aufstieg

Hertha hat seine Positiv-Serie beim 2:0 in Bochum fortgesetzt. Die Berliner festigten den zweiten Tabellenplatz mit dem Ziel Wiederaufstieg.

Foto: Jonas Güttler / dpa

Die Partie hatte die Nerven der Zuschauer strapaziert. Doch das lange Warten hatte sich gelohnt, zumindest für die Fans von Hertha BSC. Nach einer extrem zerfahrenen ersten Hälfte benötigten die Berliner im zweiten Durchgang gerade 36 Sekunden, um zu demonstrieren, warum sie der Topfavorit auf den Aufstieg sind.

Die Gäste spielten eine blitzsaubere Kombination über Ronny. Der Brasilianer übte sich zunächst im Doppelpass mit Adrian Ramos. Als alle mit einem Direktschuss von Ronny rechneten, legte der den Ball in den freien Raum auf Peer Kluge. Der schaute, sah drei Verteidiger und Torwart Andreas Luthe auf sich zurauschen – und zirkelte den Ball passgenau flach ins Eck, 1:0 (46.). Der erste sehenswerte Spielzug brachte Hertha BSC in Front, am Ende stand ein 2:0 (0:0) beim VfL Bochum.

Auch beim zweiten Treffer demonstrierten die Berliner ihre Fähigkeit, jederzeit den Druck erhöhen zu können. Torwart Thomas Kraft machte einen weiten Abschlag, Adrian Ramos gewann das erste Kopfball-Duell, Marcel Ndjeng das nächste. Ramos sprintete in den Pass, setzte sich im Bochumer Strafraum durch, spielte auf Ndjeng, der den Ball hoch in den linken Winkel jagte. Nach 79 Minuten war die Partie des zehnten Zweitliga-Spieltages entschieden. Hertha baute seine Serie auf nun acht Spiele mit sechs Siegen und zwei Unentschieden aus.

Nach dem Schlusspfiff bewiesen die 1026 mitgereisten Hertha-Fans ein feines Gespür für Emotionen. Mit einem Sprechchor wurde jedoch keiner der Torschützen gefeiert, sondern ein anderer. Der Reihe nach: Sandro Wagner, der ehrgeizige Stürmer, hatte zunächst daran zu knapsen, dass er erst nach 83 Minuten für Ramos eingewechselt worden war.

Dann erhielten die Berliner in der Nachspielzeit einen Elfmeter, Wagner schnappte sich den Ball vor Ben Sahar. Der Hertha-Stürmer lief an und versenkte den Ball im VfL-Tor. Doch Schiedsrichter Florian Meyer entschied auf Wiederholung – Sahar war zu früh in den Strafraum gelaufen. Den zweiten Versuch setzte Wagner dann über das Tor. Schlusspfiff. Frustriert und wütend warf Wagner sein Trikot weg. Aber nun kamen alle vorbei, um ihn aufzumuntern: Kapitän Peter Niemeyer, Fabian Lustenberger, Trainer Jos Luhukay und Manager Michael Preetz. Und als die Mannschaft sich vor dem Gästeblock zeigte, skandierten die Anhänger nur einen Namen „Sandro Wagner“. Der Teamgeist scheint also zu stimmen bei Hertha BSC.

Ben-Hatira muss verletzt raus

„Wir standen sehr kompakt, das war diszipliniert“, sagte Kapitän Niemeyer, „wir wussten immer, dass wir vorn unsere Chancen bekommen werden.“ Die Stimmung ist so gut, dass sich Ronny, dessen Einsatz gefährdet war, sogar zu einem Interview auf Deutsch bewegen ließ: „Gut. Sehr gut. Ich war glücklich, dass ich spielen konnte.“

Unter dem Strich war es ein hart erarbeiteter Sieg. In der ersten Hälfte ging es auf beiden Seiten leidenschaftlich zur Sache. Wie fast alle Gegner der Zweiten Liga versuchte Bochum den Hauptstadt-Klub mit Härte zu beeindrucken. Fabian Holland musste nach einem Kopfball-Zusammenprall mit einem Turban weiterspielen. Änis Ben-Hatira wurde mehrfach getreten, er musste zur Pause wegen einer Kapselzerrung am rechten Sprunggelenk ausgewechselt werden.

Die Torwarte jedoch brauchten vor der Pause nicht einmal einzugreifen. Die größte Hertha-Chance, einen 14-Meter-Schuss, setzte Kluge knapp am VfL-Tor vorbei (38.). „Wir brauchten Geduld in der ersten Hälfte“, sagte Luhukay. Aber auch die Hertha-Defensive mit der Innenverteidigung Lustenberger und John Brooks ließ kaum etwas zu.

Otto Rehhagel schaut zu

Die rasche Führung direkt nach Wiederanpfiff spielte vor 13.985 Zuschauern, darunter Ex-Trainer Otto Rehhagel und Gattin Beate, Hertha in die Karten. Der VfL stemmte sich wütend gegen die drohende Niederlage. Doch angetrieben von Niemeyer gestattete Hertha Bochum über die gesamte Spielzeit keine einzige wirkliche Möglichkeit. Entsprechend zufrieden war Trainer Luhukay: „Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel gespielt. Wir haben keine hochkarätige Chance zugelassen. Peer Kluge hat das wichtige erste Tor gemacht. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Das war taktisch diszipliniert.“ Bochums Trainer Andreas Bergmann, der sich von den eigenen Fans „Bergmann raus“-Forderungen anhören musste, sagte: „Das war ein klar verdienter Sieg für Hertha.“

Während die Bochumer Spieler sich nach dem Ende nicht mehr vor die Kurve mit den enttäuschten eigenen Fans trauten, geht Hertha BSC selbstbewusst in das Topspiel am Sonnabend in einer Woche bei Spitzenreiter Eintracht Braunschweig.