Beim ersten Heimspiel wurde er bereits bei seiner Einwechslung von den eigenen Fans ausgepfiffen. Beim zweiten Heimspiel ebenso. Diese Szene wird sich am Sonntag im Olympiastadion nicht wiederholen. Adrian Ramos (26) steht in der Zweitliga-Partie von Hertha BSC gegen den VfR Aalen in der Startelf (13.30 Uhr, Olympiastadion). Trainer Jos Luhukay lobt den kolumbianischen Nationalspieler seit Wochen, obwohl der seit beinahe einem halben Jahr auf ein Erfolgserlebnis wartet. „Adrian kann es in der Offensive auf allen Positionen“, sagte Luhukay, „er kann zentral spielen, aber auch drumherum. Er hat die Technik und die Schnelligkeit.“ Zudem verwies der Trainer auf die 15 Tore und zehn Vorlagen, die Ramos in Herthas Zweitliga-Saison 2009/10 gelungen waren.
Luhukay blieb sich treu und überraschte auch mit dem Kader, den er nach dem Abschlusstraining für den fünften Spieltag aufbot. Nicht dabei sind zwei Schlüsselspieler aus dem Derby gegen Union (2:1): Peer Kluge und Änis Ben-Hatira. Beide hatten in dem umkämpften Prestigeduell Blessuren davongetragen, beide waren erst am Freitag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Da der Rest des Kaders gut gearbeitet hat, entschied der Trainer: Kluge und Ben-Hatira werden die Aalen-Partie „wegen Trainingsrückstandes“ von der Tribüne aus verfolgen.
Damit ist klar, dass Ramos beginnen wird. Luhukay sieht in dem Stürmer, ähnlich wie seine Vorgänger-Trainer bei Hertha, enormes Potenzial. Und es gibt einen weiteren Grund, warum im Verein alle darauf hinarbeiten, den Kolumbianer in Topform zu bringen. Bekanntlich war ein Wechsel von Ramos in der Sommertransferperiode gescheitert. Schlicht, weil sich nach der enttäuschenden Vorsaison kein Käufer für Ramos gefunden hatte.
Agent lobt guten Draht zu Preetz
Nachdem auch ein Leihgeschäft Ende August nicht zu realisieren war, haben Hertha und die Ramos-Seite umgeschaltet. Helmuth Wennin, der Agent des Spielers, schrieb Morgenpost Online via E-Mail: Das Verhältnis zu „Michael Preetz und den Offiziellen von Hertha BSC ist exzellent. Ich weiß, dass das auch so bleiben wird.“ Um dann zum wichtigen Punkt zu kommen: „Wir haben mit Hertha vereinbart, dass Adrian im Januar 2013 die Möglichkeit bekommt zu wechseln.“
Hintergrund: Der notorisch finanzschwache Zweitligist möchte für den Angreifer mindestens fünf Millionen Euro erlösen. Verbunden mit guten Trainingsleistungen, die Ramos zuletzt gezeigt hat, setzt Luhukay am Sonntag auf den Stürmer, wenn auch im linken Mittelfeld. Ausdrücklich mit dem Hinweis auf dessen Schnelligkeit. „Geschwindigkeit ist wichtig“, sagte der Trainer, „aber gegen defensiv eingestellte Gegner ist die Mitte meist zu. Da brauchst du Speed über die Außenbahn.“ Rechtfertigt Ramos gegen Aalen das Vertrauen, wird er bis Weihnachten noch reichlich Gelegenheiten erhalten, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Ramos braucht Tore, um interessant zu sein. Hertha braucht Tore für das angepeilte Ziel Bundesliga-Rückkehr.
Es mag kurios erscheinen, aber gegen Aalen wird Hertha wichtige Weichen stellen. Nach zuletzt zwei Siegen in Folge soll die Serie gegen den Zweitliga-Aufsteiger ausgebaut werden. Zumal im Anschluss Spiele gegen hochkarätige Konkurrenten folgen wie Lautern, Dresden, 1860 München, Bochum und Braunschweig.
„Wir wollen den Anschluss nach oben schaffen“, sagte Hertha-Kapitän Peter Niemeyer. Keine Frage, das Duell ist ein ungleiches. Der Bundesliga-Absteiger geht mit einem Spieler-Etat von 16,5 Millionen-Euro in die Saison, der Verein für Rasenspiele mit einem von fünf Millionen. Hertha verkauft allein mehr VIP-Tickets, als die Gäste überhaupt Mitglieder haben (650) – dennoch mahnt Trainer Luhukay: „Wir sind gewarnt. Aalen hat seine beiden Auswärtsspiele gewonnen“ – in Duisburg mit 4:1, in Bochum mit 1:0.
Debüt von Peter Pekarik
Gespannt darf man sein, wie Hertha die Umstellung hinbekommt. Wie ist es um die Spannung, um die Leidenschaft bestellt? Gegen Aalen gibt es keine Derby-Atmosphäre wie in der Wuhlheide. 33.000 Besucher gegen diesen Gegner sind eine stolze Zahl. Andererseits wird das Olympiastadion mit seinen 74.200 Plätzen nicht mal halbvoll sein. Thomas Kraft, der seine Zweitliga-Premiere gibt, sagte: „Unser Auftreten gegen Union sollte die Basis sein, von der aus wir uns verbessern.“
Der am letzten Transfertag vom VfL Wolfsburg abgeworbene Slowake Peter Pekarik (25) wird mit der Rückennummer zwei seinen Einstand als rechter Außenverteidiger geben. Im defensiven Mittelfeld hat der Trainer die Wahl zwischen dem zuverlässigen und kampfstarken Fabian Lustenberger oder Ronny, dem Brasilianer mit dem Blick für besondere Momente, der allerdings auch immer wieder minutenweise abtaucht.
Egal, wie Hertha aufläuft, auf die Hausherren wartet ein sehr defensiv eingestellter Gegner. VfR-Trainer Ralf Hasenhüttl sagte: „Wir werden uns zerreißen und brutal viel investieren.“
Das Gegenmittel, das Trainer Luhukay Hertha verordnet: „Wir wissen, was auf uns zukommt. Wir müssen versuchen, das Spiel zwingend und dominant über 90 Minuten umzusetzen.“





