Zweite Liga

Für Hertha-Trainer Luhukay reichen Tore nicht aus

Obwohl Sami Allagui schon zweimal für Hertha getroffen hat, ist Jos Luhukay nicht zufrieden. Die Erwartungen an den Tunesier sind hoch.

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Geht es nach der Statistik, ist alles gut. Hertha BSC hat vier Saisonspiele absolviert, Sami Allagui (26) hat zwei Tore geschossen und zwei vorbereitet. Der Neue, im Sommer vom FSV Mainz gekommen, ist also an mehr als der Hälfte der insgesamt sieben Treffer des Fußball-Zweitligisten beteiligt. Geht es nach Jos Luhukay – und die Meinung des Trainers ist bei Hertha maßgebend – sollte es viel besser sein: „Sami kann viel mehr, als er bisher gezeigt hat. Er kann sich noch mehr einbringen.“

Luhukay und Allagui – es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Beziehung der beiden entwickelt. Für das Wohl von Hertha ist eine einvernehmliche Entwicklung wünschenswert, bekanntlich lautet das Saisonziel Bundesliga-Aufstieg. Eine erste Zwischenbilanz bei Allagui fällt jedoch so aus wie die von Hertha BSC insgesamt: Da ist noch Luft nach oben.

Mainz bekommt 1,5 Millionen Euro

Die Erwartungen im Verein an den Königstransfer sind hoch. 1, 5 Millionen Euro überweist der Bundesliga-Absteiger für den tunesischen Nationalstürmer im Saisonverlauf nach Mainz. Das ist die höchste Summe, die Hertha im Sommer für einen Spieler in die Hand genommen hat. Doch wie das heute im Profigeschäft ist: Von einem Torjäger wird mehr erwartet, als „nur“ Tore zu schießen. Die Zeit der Roy Makaay und Theofanis Gekas, die permanent auf der Abseitslinie jonglierend auf den einen entscheidenden Ballkontakt lauerten, ist vorbei. Über Wochen hin hat Trainer Luhukay öffentlich formuliert, was ihm bei Allagui fehlt. Als der Stürmer die Partie gegen Jahn Regensburg (3:1) mit einem Tor und einem Assist beinahe im Alleingang entschied, merkte der Trainer an: „Sami hatte zwei Lichtblicke. Doch insgesamt war das zu passiv, er muss sich noch viel mehr ins Spiel einbringen.“

In der folgenden Partie, dem Derby beim 1. FC Union (2:1) in der ausverkauften Alten Försterei, wechselte Luhukay seinen Torjäger zur Pause aus. „Ich fand, Sami war nicht gut im Spiel.“ Aber wieso werde das überhaupt thematisiert? Er habe das Recht zu wechseln, wie er wolle. Mit diesen Bemerkungen einher gingen wahre Lobeshymnen des Trainers auf die anderen Kandidaten im Angriff. Luhukay bescheinigte Sandro Wagner großen Einsatz, unermüdliches Ackern für die Mannschaft sowie energische Defensivarbeit. Dazu erzielte der Angreifer gegen Regensburg und Union je einen Treffer. Auch über den Kolumbianer Adrian Ramos, der seit einem halben Jahr auf ein Erfolgserlebnis wartet, hatte Luhukay nur Gutes zu berichten. „Ich habe bei Adrian viele positive Ansätze gesehen.“

Allagui ist kein Lautsprecher, im Gespräch ist er zurückhaltend, aber er registriert sehr wohl, was um ihn herum passiert. „Mit Kritik muss man leben. Ich versuche, dafür zu sorgen, dass es nichts mehr zu kritisieren gibt.“ Er hat nach Rücksprache mit seinem Nationaltrainer auf die Länderspiele im September verzichtet, für Tunesien stand etwa eine Reise nach Sierra Leone an. Statt Meriten für das Heimatland seiner Eltern einzuheimsen, mühte sich Allagui auf dem Trainingsgelände von Hertha. „Wir haben intensiv gearbeitet in den vergangenen Tagen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, sagte der gebürtige Düsseldorfer.

Allagui lässt durchblicken, dass er eine solche Diskussion vor dem fünften Spieltag zu früh findet. „Jeder weiß, dass es im Moment noch nicht so gut aussieht. Aber es wird von Spiel zu Spiel besser.“ Die Mannschaft habe gegen Regensburg und Union nicht geglänzt. „Wir brauchten die Punkte, und die haben wir geholt.“ Sein vorzeitiges Dienstende im Prestigeduell bei Union hat ihm weh getan. „Es ist immer ärgerlich, wenn man zur Halbzeit ausgewechselt wird“, sagte Allagui. „Aber das muss ich als Spieler akzeptieren. Ich muss schauen, was für Fehler passiert sind und was ich besser machen kann.“

Im November kehrt Lasogga zurück

Vor Trainer Luhukay liegt ein schwieriger Spagat. Als Reaktion auf die schwache Chancenauswertung in der vergangenen Abstiegssaison hat Hertha in der Offensive mächtig aufgerüstet. Folge: Mit Allagui, Wagner, Ramos, dazu Elias Kachunga und Ben Sahar haben die Berliner für einen Zweitligisten viel Qualität im Vorwärtsgang. Und U-21-Nationalspieler Pierre-Michel Lasogga, der Ende November seinen Kreuzbandriss auskuriert haben sollte, ist nicht mal mitgerechnet. Damit hat der Trainer einen hohen Konkurrenzdruck im Sturm. Gleichzeitig muss er versuchen, jene bei Laune zu halten, die derzeit nicht eingesetzt werden.

Weshalb Luhukay seine Kritik stets mit konkreten Anforderungen verbindet. Zu Allagui sagt der Trainer: „Sami kann besser gegen den Ball arbeiten, das Umschaltspiel kann besser werden.“ Und der Trainer weiß, dass der Stürmer besser aussehen wird, wenn die gesamte Mannschaft das schnelle, präzise Aufbauspiel verinnerlicht hat, das ihm vorschwebt.

Manager Michael Preetz registriert die Entwicklung genau. „Für Sami ist es eine neue Umgebung, ein neuer Verein, neue Kollegen. Es ist normal, dass das alles etwas Zeit braucht.“ Auf die Frage, ob ausgerechnet beim teuersten Neuen ein Problem drohe, schmunzelt Preetz, selbst gelernter Stürmer. „Nein, bei Sami mache ich mir keine Sorgen. Das wird.“