Zweite Liga

Hertha-Neuzugang will mit den Berlinern in die Bundesliga

Mit klaren Zielen kommt der slowakische Nationalspieler Peter Pekarik nach Berlin. Für sein Engagement schlug er gar Erstliga-Angebote aus.

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Der Neue lief. Zunächst zwei Runden allein über die weiträumigen Trainingsplätze von Hertha BSC. Dann eskortiert von Konditionstrainer Henrik Kuchno. Das Tempo war moderat, Kuchno erklärte Peter Pekarik (25) die neue Umgebung. Als erstes deutete er auf die großen grauen Umrisse des Olympiastadions. Dann rechter Hand auf die Übungsfelder von Herthas Nachwuchsmannschaften. Die Fotoapparate der knapp 50 Trainingskiebitze klackten, jeder wollte sich ein Bild machen vom letzten Zugang dieses Jahres.

Trikot mit der Rückennummer 2

Pekarik absolvierte den ersten Tag beim neuen Arbeitgeber. Vor dem Training hatte es eine Führung über die Geschäftsstelle und in die Kabine gegeben samt Ausgabe der neuen Arbeitskleidung. Pekarik erhält die Rückennummer 2. Dann hieß es still stehen: Foto-Shooting für die Vereinshomepage und Autogrammkarten.

Schließlich wurden Pekarik von Trainer Jos Luhukay die künftigen Kollegen vorgestellt. „Es war sehr nett, vor allem mit den Spielern. Aber es waren ganz schön viele neue Gesichter“, sagte Pekarik nach dem Training bei seiner ersten Presserunde in Berlin.

Der rechte Außenverteidiger ist der zwölfte und letzte Neue im runderneuerten Kader des Bundesliga-Absteigers. Hertha BSC hat den Slowaken am 31. August, am allerletzten Tag der Transferperiode verpflichtet. Entscheidend für den Last-Minute-Transfer war, dass der als Außenverteidiger vorgesehene Christoph Janker wegen Leistenproblemen bis weit in den Oktober hinein ausfallen wird. Der als Backup eingeplante Youngster Alfredo Morales (22) hängt schon etwas länger im Formtief. Deshalb entschieden sich die sportlich Verantwortlichen für Pekarik.

„Peter steht defensiv stabil und hat Offensivdrang“, sagte Jos Luhukay. Bei 55 Bundesliga-Einsätzen mit vier Vorlagen und null Toren scheint der allerdings noch ausbaufähig zu sein. Außerdem lobt der Trainer die internationale Erfahrung seines Spätankömmlings: Mit seinen 25 Jahren hat er 42 Länderspiele für die Slowakei absolviert, war WM-Teilnehmer 2010 in Südafrika. Vergangene Saison war Pekarik ausgeliehen an Kayserispor. „Eine wichtige Erfahrung“, sagte er. „In der Türkei ist alles anders: Dort wird anders Fußball gespielt, das Leben ist anders. Ich habe aber jedes Spiel gemacht. Das war wichtig für mich für meine Nationalmannschaft.“

2009 war Peter Pekarik regelmäßig im Einsatz, als der VfL Wolfsburg Deutscher Meister wurde. Von dort hat Manager Michael Preetz Pekarik Ende August losgeeist. Der Slowake kommt ablösefrei, im Aufstiegsfall wird Hertha eine kleinere Summe nach Wolfsburg überweisen. „Der VfL ist uns sehr entgegen gekommen“, lobte Preetz die Verhandlungen mit Felix Magath.

„Fühle mich richtig fit“

Pekarik verspricht, der Mannschaft sofort helfen zu können. Beim VfL Wolfsburg hat er die komplette Vorbereitung unter Magath absolviert. „Das war sehr anstrengend“, erzählte Pekarik, „ich habe aber zwei Monate alles mitgemacht und fühle mit jetzt richtig fit.“ Bei der slowakischen Nationalmannschaft hat er in den vergangenen vier Tagen die Länderspiele (1:1 in Litauen/ 2:0 gegen Luxemburg) jeweils über 90 Minuten bestritten.

Ob der Neue bereits am Sonntag im Zweitliga-Heimspiel gegen VfR Aalen auflaufen wird (13.30 Uhr, Olympiastadion), ließ der Traner noch offen. Einerseits sei Pekarik spielintelligent und flexibel. „Aber Peter hat nur zwei Trainingseinheiten bis zum Spiel, ich muss mal sehen“, sagte Luhukay. Der slowakische Nationalspieler, 1,76 Meter groß und sehr drahtig, ging die Sache optimistischer an. „Der Trainer wird mit mir reden, dann sehen wir. Ich bin bereit.“

Luhukay ist noch dabei, das zu finden, was jede Mannschaft benötigt, die aufsteigen will: funktionierende Achsen. Durch die bisherigen Ausfälle von Torwart Thomas Kraft (Sperre/Verletzung), Levan Kobiashvili (Sperre) und Peer Kluge (Verletzungen) hat sich das Gefüge von hinten nach vorne noch nicht gefunden. Ebenso wenig wie in der Defensive. Dort haben mit Sascha Burchert und Philip Sprint verschiedene Torwarte gespielt, nur eben nicht die Nummer 1. Bei bisher erst fünf Saison-Pflichtpartien gab es drei Manndecker, dazu verschiedene Links- und unterschiedliche Rechtsverteidiger.

Zum Vergleich: Im Aufstiegsjahr 2011 war Herthas Verteidigungsreihe mit Torwart Aerts und der Verteidigung Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili ein Garant für die Rückkehr in die Bundesliga. Derzeit sucht Hertha diese Stabilität noch. Und Pekarik ist ein Puzzlestein auf dem Weg dorthin. Manager Preetz sagte: „Ich mag es, wenn ein Spieler, egal wie die Umstände sind, auf seiner Position funktioniert.“ Ein moderner, formstarker Rechtsverteidiger – das ist die Erwartung des Klubs an den Slowaken.

Die Erwartung von Pekarik, der für sein Engagement in Berlin Erstliga-Angebote ausschlug, formuliert er so: „Ich hatte gute Gespräche mit dem Manager und dem Trainer. Mein Ziel ist es, mit Hertha in die Bundesliga aufzusteigen. Ich will meinen Teil beitragen, dass dies gelingt!“