Zweite Liga

Adrian Ramos bleibt Herthaner wider Willen

Der 26-jährige Stürmer fühlt sich zu Höherem berufen. Bei Hertha wären sie froh, würde der Kolumbianer endlich Zweitliga-Format erreichen.

Foto: DeFodi

Eine Gelegenheit, wie gemalt für einen Stürmer, um Selbstvertrauen zu tanken: Ein ordentlicher Gegner, ein passender Spielverlauf, am Ende vermerkt die Anzeigentafel reichlich Tore. Nein, die Rede ist nicht vom 5:0 von Hertha BSC im Benefizspiel beim RSV Eintracht 1949. Die Rede ist vom 4:0-Heimsieg, der Kolumbien in der WM-Qualifikation gegen Uruguay gelang.

Die Treffer in der Hafenstadt Barranquilla erzielten Gutiérrez (2), Falcao und Zuñiga – Adrian Ramos (26) kennt sie alle. Doch Herthas kolumbianischer Stürmer war einmal mehr nicht nominiert für sein Nationalteam. Nach 22 Länderspielen hängt die internationale Karriere von Ramos durch. Das oben erwähnte Testspiel von Hertha erklärt, in welcher Verfassung sich der ehemalige Torjäger befindet. In Stahnsdorf erzielte Ramos in Minute 85 den fünften Treffer.

Jubel auf dem Platz, die Zweitliga-Profis liefen auf den Kolumbianer zu und klatschten ihn ab. Das ist ein Zeichen für guten Teamgeist. Schließlich wird Trainer Jos Luhukay nicht müde zu erzählen, „Adrian ist in der Mannschaft gut integriert und akzeptiert.“

Andererseits ist es erstaunlich, dass für einen Stürmer, der im Europacup gegen Benfica Lissabon und in Länderspielen gegen Brasilien im Einsatz war, ein Tor gegen einen Siebtligisten aus Brandenburg wichtig ist.

Doch bei Ramos hat sich einiges geändert – nicht zum Besseren. Seine letzten Pflichtspiel-Tore liegen fast ein halbes Jahr zurück. Am 27. März, beim 3:1 in Mainz, traf Ramos doppelt. Ein Grund für den Bundesliga-Abstieg von Hertha war die anhaltende Formkrise des Kolumbianers. Er war in den ersten beiden Jahren in Berlin jeweils bester Torschütze gewesen, in der vergangenen Saison blieb Ramos mit gerade sechs Treffern weit unter Niveau.

Dann kam bei den Fans etwas schlecht an, was in guten Zeiten kein Problem war. Ramos lässt sich auf dem Platz in seinem Gesichtsausdruck nie etwas anmerken: „Mein Gegenspieler muss nicht wissen, ob es mir gut oder schlecht geht.“ Die Hertha-Anhänger legten das dem Stürmer als Gleichgültigkeit aus. Wie das so ist, wenn das Pech am Stiefel klebt, unterlief Ramos beim Relegationshinspiel gegen Fortuna Düsseldorf ein unglückliches Eigentor, es sollte sich in der Addition als das entscheidende herausstellen (1:2/2:2).

Dann unterlief Ramos ein strategischer Fehler, der zeigt, dass er einen Berater hat, der weitab von Deutschland entweder in Kolumbien oder in Miami sitzt. Ramos ist ein Medienmuffel, steht so gut wie nie zur Verfügung. Als er sich in diesem Sommer doch einmal vor ein TV-Mikrofon bequemte, sagte Ramos: Berlin sei toll, aber er wolle so schnell wie möglich weg. Er sei kein Spieler für die Zweite Liga und wolle erstklassig spielen.

PR-Offensive des Klubs

Diese Kombination aus ‚keine Leistung bringen' und überhebliche Sprüche klopfen wurde nicht goutiert. Bei den bisherigen Zweitliga-Partien im Olympiastadion wurde Ramos bei seiner Einwechslung von den eigenen Fans jeweils mit Pfiffen empfangen. Nachdem nun auch sein Wechsel in der gerade beendeten Transferperiode nicht zustande kam – schlicht, weil es kein Kaufangebot gab –, bleibt Ramos weiter Berliner. Wider Willen.

Hertha versucht den Kolumbianer mit einer Informationsoffensive positiv zu positionieren. Unter der Überschrift „Jetzt zählt nur noch Hertha“, sagt Ramos im Interview auf der Vereins-Homepage. „Ich bin froh, dass der Stress der letzten Wochen vorbei ist. Jetzt konzentriere ich mich auf Hertha BSC, es gibt nichts anderes mehr.“ Zur Kritik der Fans sagt er: „Ich glaube, dass sie mir meine nicht so tollen Leistungen der letzten Monate übel genommen haben. Sie kannten nur den Adrian, der Tore schießt, nicht den, der zu viele Chancen vergibt.“

Mit Jos Luhukay hat Ramos einen wichtigen Unterstützer. Der Trainer hält Ramos für einen Schlüsselspieler in der Offensive – wenn er in Form ist. Ist Ramos nicht in Form, ist das sofort zu sehen, dann hat er mit hanebüchenen technischen Fehlern in seinem Spiel zu kämpfen.

„Es ist an Adrian, die Lage durch gute Leistungen zu ändern“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Für den Zweitliga-Klub und Ramos gibt es nur einen Weg in die Zukunft: Erfolg. Für den Aufstieg braucht der Klub die Tore von Ramos. Ramos braucht möglichst viele Hertha-Siege, um den eigenen Marktwert zu steigern. Dann hat er die Chance, wieder zur kolumbianischen Nationalelf eingeladen zu werden. Dann werden auch Angebote kommen. Das nächste Transferfenster ist im Januar 2013 geöffnet...

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