Hertha gegen Union

Luhukay freut sich auf sein erstes Berlin-Derby

Hertha-Trainer Jos Luhukay findet Derbys „fantastisch”, kritisiert den Start seines Teams und lobt Union-Kollege Uwe Neuhaus.

Foto: City-Press

Wenn Hertha BSC am Montag ab 20.15 Uhr beim 1. FC Union antritt, geht es vordergründig um drei Punkte am vierten Spieltag der Zweiten Liga. Doch die Partie ist viel mehr: Die Alte Försterei wird mit 16.570 Zuschauern ausverkauft sein. Es geht um die (inoffizielle) Stadtmeisterschaft. Hertha hat sich bei den ersten beiden Prestigeduellen nicht geschickt angestellt, im Herbst 2010 gab es ein schmeichelhaftes 1:1, das Rückspiel im Olympiastadion verlor der Favorit gegen die Eisernen gar mit 1:2.

Morgenpost Online: Herr Luhukay, mögen Sie Derbys?

Jos Luhukay: Derbys finde ich fantastisch. Ich habe in der Vergangenheit als Trainer auf beiden Seiten miterlebt, wie das war, Köln-Gladbach und Gladbach-Köln. Was da an Herz und Leidenschaft da ist, ich mag diese Emotionen. Wir sollten Freude haben, ein Derby spielen zu können. Man muss den absoluten Ehrgeiz, den absoluten Willen haben, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Morgenpost Online: Haben Sie den absoluten Willen bei Ihrer Mannschaft bisher gesehen?

Jos Luhukay: Da arbeiten wir noch dran. Weil die Philosophie, die wir in dieser Saison spielen wollen, eine andere ist. In der zweiten Hälfte gegen Regensburg sind wir wieder in die Passivität verfallen. Wir hätten auf das dritte und vierte Tor gehen müssen. Stattdessen haben wir uns zurückgezogen und den Gegner ins Spiel kommen lassen.

Morgenpost Online: „Erfolg braucht ein Konzept“ heißt Ihre Formel aus der Aufstiegssaison mit ihrem früheren Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach. Unter den Berliner Fans sagen einige: Bei Hertha sehe man kein Konzept, weil der Trainer jedes Mal fünf oder sechs Umstellungen vornimmt.

Jos Luhukay: Auf der einen Seite kann ich das widerlegen. Die Veränderungen haben auch mit Sperren oder Verletzungen zu tun. Und es ist normal, dass sich eine Mannschaft erst im Laufe einer Saison formt. Dann darf man nicht vergessen, dass wir eine problematische Vorbereitung hatten. Weil immer wieder neue Spieler in unterschiedlicher körperlicher Fitness dazugekommen sind, dann gab es Verletzte. Aber klar, wenn Außenstehende es anders sehen, habe ich damit kein Problem. Aber ich weiß nach innen um die Zusammenhänge. Das ist das Entscheidende.

Morgenpost Online: Waren Sie überrascht von der öffentlichen Kritik nach den ersten Pflichtspielen dieser Saison?

Jos Luhukay: Nein, die Kritik war berechtigt. Wenn man nicht gut spielt und noch im Pokal ausscheidet, kann man nicht erwarten, dass die Kritik positiv ausfällt. Damit müssen wir professionell umgehen. Wir können das nur mit guten Ergebnissen und guten Spielen kontern.

Morgenpost Online: Nicht nur die Spieler, auch Hertha als Verein macht nach dem Frust der letzten Monate einen labilen Eindruck. Kann ein Trainer seinem Klub helfen, dass er wieder an sich glaubt?

Jos Luhukay: Es ist richtig, im Moment ist das nicht der Fall. Mit Reden wird man das auch nicht ändern. Wir brauchen positive Spiele mit positiven Resultaten. Dann wird die Stärke wieder zurückkommen.

Morgenpost Online: Sie haben unter der Woche Ihrer Mannschaft sehr lautstark mitgeteilt, was Ihnen nicht gefällt. Nutzen Sie das als Stilmittel, um die Spieler aufzuwecken?

Jos Luhukay: Es geht nicht um Aufwecken. Aber ich will die volle Aufmerksamkeit, die maximale Konzentration auf die Arbeit. Wir trainieren, um besser zu werden. Wir können nicht zufrieden sein mit dem, was wir bisher geleistet haben. Deshalb will ich in jedem Training die absolute Konzentration, damit wir die Defizite abstellen, die wir noch haben.

Morgenpost Online: Adrian Ramos hatte eine unglückliche vergangene Saison und einen unglücklichen Start in diese Saison, zuletzt gab es Pfiffe von den eigenen Fans. Macht es Sinn, dass Ramos bei Hertha bleibt?

Jos Luhukay: Das kann ich nicht entscheiden. Da geht es auch um wirtschaftliche Aspekte. Mir ist von Anfang an gesagt worden, dass Adrian Ramos und Raffael Hertha verlassen, wenn die wirtschaftliche Seite stimmt. Bei Adrian ist nichts Konkretes gekommen. Deshalb ist Adrian integriert und akzeptiert in der Mannschaft. Die Transferperiode geht jetzt zu Ende. Ich kann gerade nicht sagen, ob Adrian am Montag gegen Union noch zum Kader gehört.

Morgenpost Online: Was erwarten Sie vom Derby gegen Union?

Jos Luhukay: Montag, das wird für mich das erste Mal in Berlin, ich kann das noch nicht richtig einschätzen. Ich weiß nicht, ob man das vergleichen kann mit Dortmund-Schalke oder Köln-Gladbach. Ich weiß, dass Hertha-Union besonders werden wird. Ich freue mich darauf. Der Fußball in Berlin lebt, es ist ein Stück Ehre für die Fans auf beiden Seiten. Was die Atmosphäre betrifft, die wird auf beiden Seiten da sein.

Morgenpost Online: Damit Hertha gewinnt, müssen Sie etwas anders machen als bei Ihren bisherigen Auftritten bei Union: Mit Augsburg haben Sie dort zweimal 0:0 gespielt. Ist es schwer, an der Alten Försterei zu treffen?

Jos Luhukay: Union ist zuhause immer eine starke Mannschaft. Die Fans stehen voll hinter ihrer Mannschaft, die Spieler spüren das. Union ist, das meine ich positiv, ein unangenehmer Gegner. Sie laufen aggressiv gegen den Ball, können schnell kontern und haben, wenn man ihnen Platz lässt, gute Spieler, die sauber kombinieren.

Morgenpost Online: Was für ein Verhältnis haben Sie zu Union-Trainer Uwe Neuhaus?

Jos Luhukay: Wir sehen uns zu selten, um eine persönliche Beziehung zu haben. Ich habe aber ein sehr positives Bild von Uwe Neuhaus. Ich finde es respektvoll, dass er schon so viele Jahre bei Union tätig ist. Gerade in der Zweiten Liga ist es ungewöhnlich, dass ein Trainer so lange bei einem Klub ist. Jedes Jahr werden acht bis zehn Trainer entlassen. Dass er so lange hier ist, spricht für die Arbeit, die Uwe macht, aber auch für die Kontinuität beim Verein. Dass sie in Höhen und Tiefen hinter ihrem Trainer stehen. Das finde ich respektvoll. Aktuell ist in Duisburg der Trainer nach nur drei Spieltagen entlassen worden, das finde ich eine schlechte Entwicklung.

Morgenpost Online: Tut man sich als großer Verein in einem Derby schwerer, weil man meint, nur der kleine Verein kann etwas gewinnen?

Jos Luhukay: Der kleine Verein zieht sich da hoch, Union wird topmotiviert sein mit den eigenen Fans im Rücken. Wir als Hertha müssen uns dem stellen und den Kampf annehmen. Gelingt uns das, ist für uns was drin.

Morgenpost Online: Nach Herthas eher mäßigem Saisonstart: Ist das Derby die Gelegenheit, um mit einem Erfolg Schwung mitzunehmen, der Ihre Mannschaft in den Herbst trägt?

Jos Luhukay: Absolut. Das Derby ist ein Montagabend-Spiel, es wird bundesweit live im Fernsehen übertragen. Da kann sich jeder Spieler Anerkennung holen, wenn er sich von seiner positiven Seite zeigt. Das gilt auch für uns als Mannschaft. Und natürlich hoffe ich, dass wir gewinnen.

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