Lokalderby

Herthas Torwart Kraft will es Union schwer machen

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Uwe Bremer

Foto: DeFodi

Thomas Kraft hat Lehren aus seiner Sperre gezogen. Am Montag gibt er seinen Zweitliga-Einstand im Derby gegen Union.

Sein letztes Spiel für Hertha bestritt Thomas Kraft (24) in einem Hexenkessel, sein erstes in dieser Saison, das Derby beim 1. FC Union, wird erneut vor brodelnder Kulisse in der Alten Försterei stattfinden. Kraft war nach dem chaotischen Relegationsrückspiel vor 51.000 Zuschauern bei Fortuna Düsseldorf (2:2), das Hertha die Bundesliga-Zugehörigkeit gekostet hat, wegen Beleidigung von Schiedsrichter Wolfgang Stark für vier Spiele gesperrt worden.

Das Strafmaß hat die Nummer 1 von Hertha BSC abgesessen. Am Montag gibt Kraft in der ausverkauften Wuhlheide seinen Zweitliga-Einstand im Prestigeduell gegen die „Eisernen“. Trainer Jos Luhukay erwartet Kraft sehnsüchtig. „Thomas ist ein richtig guter Torwart. Er wird Stabilität in unsere Defensive bringen.“

Der von den Fans zum „Herthaner der Saison“ gewählte Schlussmann stellte sich den Journalisten-Fragen. Kraft über . . .

. . . seine Sperre: Das Thema Düsseldorf ist abgeschlossen. Ich habe schon mal gesagt, dass ich das so nicht akzeptieren kann. Als Lehre nehme ich mit: Ich will nur ungern wieder gesperrt werden.

. . . Tribünen-Hocker: Es hat mir schon keinen Spaß gemacht, überhaupt ins Stadion zu fahren und mich dann oben hinzusetzen. Noch weniger Spaß hat es gemacht, den DFB-Pokal im Fernsehen anzuschauen. Da schalte ich um, und es ist eine Qual für mich. Ich weiß, dass ich nicht helfen kann. Diese 90 Minuten waren keine angenehme Zeit.

. . . seine Torwart-Vertreter: Ich habe bei den Kollegen keine massiven Probleme bei der Strafraumbeherrschung gesehen. Wenn die beiden Elfmeter-Situationen gegen Frankfurt und Worms gemeint sind: Das kann jedem anderen Torwart passieren, auch mir. Das darf man bei Sascha Burchert und Philip Sprint nicht überbewerten. Es sind beide gute Torwarte, die noch Entwicklungspotenzial haben.

. . . die Wutrede vom Trainer: Wir sind eine neuformierte Mannschaft, die Situation ist neu, die Liga ist neu. Man sieht in manchen Situationen, dass die Rädchen noch nicht so ineinander greifen. Das habe ich auch erwartet. Mit der Zeit, wenn wir öfter mal siegen, werden wir dahin kommen. Aber ich finde es gut, dass der Trainer auf dem Platz immer wieder auf Fehler hinweist und versucht, die Sachen in die richtigen Bahnen zu lenken.

. . . den Konflikt mit Ronny: Es ist ärgerlich, dass es immer der Ronny abbekommt (Kraft hielt ihm im Training eine Standpauke; d. Red.). Wäre es ein anderer gewesen, hätte ich mir den auch vorgenommen. Ich habe mich in dem Moment geärgert, dass wir deshalb das Trainingsspiel verloren. Er hat dann nur abgewunken, deshalb war ich noch mal deutlich. Aber das habe ich in keiner Weise böse gemeint. Das passiert, aber unser Verhältnis ist ganz normal. Ich gehe dann später zu ihm hin und sage, dass ich übertrieben habe.

. . . Vorfreude: Gefühlt war es für mich eine halbe Ewigkeit, die ich draußen gesessen habe, auch wenn es nur vier Wochen waren. Wenn man zehn Wochen Vorbereitung auf das erste Spiel hat, da muss ich ehrlich sagen, dass die Spannung bei mir in den ersten drei Wochen nicht bei tausendprozentiger Spannung gelegen hat. Aber jetzt steigt die Spannung.

. . . zu viel Anspannung nach der Sperre: Ich habe schon die eine oder andere Erfahrung gesammelt. Von daher werde ich auf keinen Fall überdreht in das Spiel reingehen. Ich werde es angehen wie jedes andere Spiel auch. Wenn ich mal vier Wochen verletzt war, habe ich auch früher schon nach fünf Wochen gespielt. Von daher ist das am Montag gegen Union nichts Weltbewegendes.

. . . Safety First: Wenn man technisch Superleute hat, kann man Hurra-Fußball spielen, nach vorn zaubern und drei, vier Tore schießen. Aber das bringt nichts, wenn ich fünf, sechs Gegentore bekomme. Ich finde, man muss aus einer sicheren, kompakten Grundordnung heraus spielen. Wenn ich diese defensive Stabilität mit einer hohen Qualität nach vorne habe, wird sich die auf Dauer auch durchsetzen. Aber das A und O ist es, hinten sicher zu stehen. Für die Fans ist es spektakulär, wenn man ständig mit offenem Visier nach vorne stürmt. Aber als Torwart finde ich das andere besser. Vier Spiele, acht Gegentore – wir hatten sehr viele Umstellungen: Jetzt ist Maik Franz zurückgekommen, vorher war John Brooks da. Im defensiven Mittelfeld ist Peer Kluge nach seiner Verletzung wiedergekommen. Es ist normal, dass die Abstimmung nicht hundertprozentig da ist. Aber das wird sich mit den Spielen einstellen. Dann haben wir junge Spieler, die aus der Jugend gekommen sind oder Neue, die von außen gekommen sind. Alles ist neu zusammengesetzt. Das braucht seine Zeit.

. . . Hertha als galliges Team: Bisher konnte man diesen Eindruck nicht gewinnen. Es fehlt, gallig zu sein, unangenehm. Das müssen wir aber hinkriegen. Als Zeichen für die Gegner: Gegen Hertha, das wird nicht einfach. Wir müssen auch mal aggressiv dazwischengehen. In Zweikämpfen mal ein Ausrufezeichen setzen. Nicht, indem man den Gegner wegputzt, aber einfach, dass die wissen: Das tut weh.

. . . Dirigieren der Kollegen: Wenn im Olympiastadion nur 30.000 Besucher sind, erreiche ich meine Stürmer noch. Aber wenn der Kessel brennt, wenn das Stadion voll ist, dann erreiche ich nur meine Innenverteidiger und die Sechser.

. . . seine Derby-Premiere: Ich bin gespannt. Gegen Union habe ich schon gewonnnen, habe aber bei einem Test in der Alten Försterei 1:4 verloren. Als es aber um Punkte ging, haben wir gewonnen. Da haben wir mit Bayerns U23 im Stadion an der Grünwalder Straße gespielt. Es hieß damals, Union wäre der große Favorit, aber wir haben sie weggeputzt (2:1 im Juli 2008, Hertha hat noch kein Pflichtspiel gegen Union gewonnen; d. Red.).