Vor zwei Jahren hatte die Mission Wiederaufstieg vor 48.400 Zuschauern begonnen. Am Freitag, wenn Hertha BSC gegen den SC Paderborn erneut die sofortige Bundesliga-Rückkehr angreift, wird das Olympiastadion zu zwei Dritteln leer sein (20.30 Uhr). Die Reduzierung der Zuschauerkapazität in Berlin ist einer Strafe des Deutschen Fußball-Bundes geschuldet, eine Altlast der vorigen Saison nach diversen Vorfällen in der teilweise chaotischen Relegation gegen Fortuna Düsseldorf. Hertha darf deshalb zum Start in die Zweite Liga nur Karten für 22.500 eigenen Anhänger verkaufen. Dazu kommen (theoretisch) 5000 Gäste-Fans.
Kluge als Stellvertreter
Trotz dieser Widrigkeiten geht Jos Luhukay zuversichtlich in sein erstes Pflichtspiel als Hertha-Trainer. „Ich habe Vertrauen in den Kader, wir sind gut aufgestellt“, sagte Luhukay. Aber als Pädagoge, der ein Trainer auch immer ist, warnt er im nächsten Atemzug: „Es wird garantiert nicht leicht mit dem Aufstieg. Wir müssen einen langen Atem haben, aber ich bin zuversichtlich.
Die Zuschauer werden einen runderneuerten Hertha-Jahrgang 2012/13 erleben. Mutmaßlich neun Veränderungen wird Luhukay gegenüber dem letzten Pflichtspiel der Vorsaison, dem 2:2 in Düsseldorf vornehmen. Neben Manndecker Roman Hubnik wird nur noch Peter Niemeyer (28) dabei sein. Den defensiven Mittelfeldspieler hat der Trainer zum neuen Kapitän bestimmt. Als Stellvertreter kürte Luhukay mit Peer Kluge (30) einen Neuen – und begründete seine Wahl so: „Die Beiden bringen die Lebenserfahrung und die Persönlichkeit mit. Sie kennen die erste und die Zweite Liga. Sie versuchen sich in die Mannschaft einzubringen, können aber auch die Außendarstellung gegenüber den Medien übernehmen.“
Lustenberger muss zuschauen
Wer die Vorbereitung aufmerksam verfolgt hat, für den sind diese Entscheidungen keine Überraschungen. Niemeyer, seit Juli 2010 bei Hertha, galt schon im Vorjahr als „aggressiv Leader“. Er hatte bei den Testspielen in der Vorbereitung Hertha stets als Interimskapitän aufs Feld geführt und wird nun Nachfolger des ausgemusterten Andre Mijatovic (mittlerweile beim FC Ingolstadt). Mit Kluge (30) übernimmt ein weiterer erfahrener Profi, ein Wunschspieler des Trainers, eine Führungsrolle. „Es freut mich sehr, dass der Trainer mir die Verantwortung zutraut. Für mich ist es eine große Ehre, Kapitän bei Hertha BSC zu sein“, sagte Peter Niemeyer in einem Interview auf der Internet-Seite des Vereins.
Auf die Frage, was die Gegner mit dem neuen Kapitän erwartet, sagte Niemeyer: „Auf dem Platz die gleiche Drecksau wie in den letzten zwei Jahren.“
Mit diesen Personalentscheidungen scheint bis auf weiteres auch die Besetzung im defensiven Mittelfeld, der sogenannten Doppel-Sechs, geklärt zu sein: eben mit Niemeyer und Kluge.
Allagui und Kachunga vor Debüt
Der Leidtragende ist damit in der zweiten Saison in Folge Fabian Lustenberger, der begabte Schweizer und dienstälteste Spieler im Kader, leider versehen mit einer labilen Gesundheit. Luhukay: „Fabian gehört nicht mehr zu den ganz jungen und noch nicht zu den älteren Spielern. Er ist in einem guten Alter, um Verantwortung zu übernehmen. Das macht er tagtäglich.“ Überhaupt verwies der Trainer darauf, dass es nicht nur auf einen oder zwei Führungsspieler ankomme. Er zählte Maik Franz, Thomas Kraft und Roman Hubnik auf, die alle eine wichtige Rolle in der Mannschaft spielen.
Ob der neue Kapitän, der Trainer oder Manager Michael Preetz – das Saisonziel ist klar. „Nur der Wiederaufstieg zählt. Hertha gehört mit diesen Fans in die Bundesliga, sagte Niemeyer. Morgen gegen Paderborn wird Hertha also mit einigen neuen Gesichtern auflaufen. Im Sturm werden Sami Allagui und Elias Kachunga ihr Debüt im blau-weißen Trikot geben, in der Abwehr Marcel Ndjeng. Mit Sascha Burchert im Tor und den Feldspielern John Brooks, Nico Schulz und Marvin Knoll werden vier Hertha-Eigengewächse in der Startelf erwartet.
Abschied von Aerts und Ebert
Die ganz große Stimmung wird wegen der überschaubaren Kulisse im Olympiastadion vielleicht nicht aufkommen. Für Emotionen ist dennoch gesorgt. So werden Torwart Maikel Aerts (36) und der langjährige Publikumsliebling Patrick Ebert (25) vor den eigenen Fans verabschiedet. Aerts ist noch auf Jobsuche, Ebert spielt mittlerweile in Spanien für Aufsteiger Real Valladolid.
Auf seiner Facebook-Seite bewies Ebert Humor: „Hallo Zusammen, würde mich freuen, euch noch mal alle in der Kurve begrüßen zu dürfen! Mein Lied kennt ihr ja ;-). “ Das hatten die Hertha-Anhänger nach nächtlichen Eskapaden des Mittelfeldspielers im März 2009 gedichtet: „Patrick Ebert, du alter Rowdy, du trittst die Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt die Roller um.“




