Verschlankter Kader

Welche Profis bei Hertha BSC nicht mehr mitspielen dürfen

Schlechte Nachrichten für Sebastian Neumann, Fanol Perdedaj und Marco Djuricin. Beim Berliner Zweitligisten haben sie keine Zukunft mehr.

Foto: Christian Kielmann

Der Wagen gehört nicht dorthin. Und der Zuschauer, der an die Bande gelehnt stand, auch nicht. Unter einer großen Basecap schaute Fanol Perdedaj (21) hervor – und alles fühlte sich verkehrt an. Sein Audi hätte eigentlich 200 Meter vor dem Kabineneingang parken sollen. Und er hätte dort auf dem Schenkendorff-Platz stehen sollen, wo seine Teamkollegen das Nachmittagstraining absolvierten. Doch für Perdedaj heißt es: seine ehemaligen Kollegen. Am Morgen dieses Montags hatten Hertha-Trainer Jos Luhukay und Manager Michael Preetz ihm eröffnet: Er gehört nicht mehr zum Kader des Aufstiegsfavoriten. Ebenso wenig wie Sebastian Neumann und Marco Djuricin (19).

Dass Hany Mukhtar (17) und Dorian Diring (20) in die Regionalliga-Mannschaft von Hertha BSC zurückgestuft werden, war zu erwarten.

Bei dem erstgenannten Trio lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Der Zweitligist verschlankt seinen Kader. Mit 31 Profis hatte Trainer Jos Luhukay vergangene Woche ein Trainingslager in Österreich bestritten. Dabei waren die verletzten Nikita Rukavytsya, Pierre-Michel Lasogga und Shervin Radjabali-Fardi nicht mal dabei. Diese Gruppe ist zu groß, um vernünftig arbeiten zu können.

Doch mit Perdedaj, Neumann und Djuricin hat es nicht irgendwen getroffen. Neumann ist eine hochgelobte Stammkraft in der Innenverteidigung der deutschen U21-Nationalmannschaft, U21-Trainer Rainer Adlon ist zudem ein bekennender Fan von Perdedaj. Ex-Trainer Otto Rehhagel war von dem Kämpfer ebenfalls beeindruckt. Nur dessen Name war ihm zu kompliziert, weshalb Rehhagel ihn flugs in „Paradise“ umbenannte. Um Djuricin, U20-Nationalspieler von Österreich, bemüht sich regelmäßig die halbe erste Liga aus Österreich bei Hertha BSC.

Aus juristischen Gründen hieß es in einer Pressemitteilung von Hertha, das Trio „trainiert und spielt ab sofort in der U23, der Regionalliga-Mannschaft“. Doch Trainer Jos Luhukay redete später um die Situation nicht drumherum. Er lobte, alle Drei hätten sehr gut gearbeitet. „Diese Jungs haben sich vorbildlich und charakterlich absolut einwandfrei verhalten.“ Aber sie hätten in den vergangenen zwei Jahren nur wenig Einsatzzeit bei Hertha gehabt. Und aktuell sieht Luhukay für sie ebenfalls so gut wie keine Chancen.

Manndecker Neumann etwa hat vor sich den EM-erfahrenen Roman Hubnik. Maik Franz wird in Kürze einsatzfähig sein. „Und John Brooks hat eine phantastische Vorbereitung gespielt“, lobte der Trainer. Ein Lob, das Neumann durchaus als indirekte Kritik verstehen darf.

Für Perdedaj nichts Neues

Für Perdedaj wiederholt sich eine Situation, die er aus den Vorjahren kennt. Sein Charakter wird gelobt, sein Einsatzwille, seine Kampfkraft. Doch nach der Verpflichtung von Peer Kluge spielt Perdedaj hinter den ohnehin vorhandenen Platzhirschen Niemeyer, Lustenberger und Ronny nur noch die fünfte Geige. Zudem entschied sich Trainer Luhukay dafür, Fabian Holland (22) im Kader zu belassen. Der kann wie Perdedaj im defensiven Mittelfeld spielen – und zusätzlich als linker Außenverteidiger.

Stürmer Djuricin hatte stark in der Vorbereitung begonnen, allerdings fehlte es dem antrittsschnellen und eleganten Österreicher an Durchschlagskraft. Durch die Einstellung von gleich vier Konkurrenten (Allagui, Kachunga, Sahar, Wagner) dürfte Djuricin klar gewesen sein, dass es schwer wird.

Als Profis im dritten Jahr haben die drei in den zurückliegenden Jahren reichlich Spiele mit Herthas U23 in der vierten Liga absolviert. Weshalb Trainer Luhukay sagte: „Damit sie nicht das Gefühl bekommen, sie schaffen es nicht und die Motivation verlieren, brauchen sie regelmäßig Einsätze auf besserem Niveau als in der Regionalliga.“

Das heißt nichts anderes als: Hertha hat dem Trio nahegelegt, sich zu verändern. Ob es um eine Ausleihe oder einen Verkauf geht, „der Verein wird ihnen behilflich sein“, sagte Luhukay. Alle haben noch Vertrag in Berlin: der von Neumann läuft bis 2013, der von Djuricin und Perdedaj bis 2014. Die Transferperiode dauert noch bis zum 31. August. Prognose: In diese Personalien wird Bewegung kommen.

Ehe in Berlin die alte Diskussion aufflammt: ‚Was haben die Trainer immer nur gegen die selbst ausgebildeten Talente' – die Sachlage ist differenzierter zu betrachten. So entschied sich Luhukay, wohl wissend, dass nur die Bundesliga-Rückkehr für Hertha BSC zählt, für sieben Nachwuchskräfte in seinem Aufgebot: Die Torwarte Sascha Burchert (22) und Philip Sprint (19) kommen aus der Hertha-Schule. Ebenso wie Alfredo Morales (22), John Brooks (19), Nico Schulz (19), Holland, Marvin Knoll (21). Dabei ist Änis Ben-Hatira (24) nicht einmal mitgezählt. Zum Liga-Start am Freitag gegen den SC Paderborn werden allein in der Defensivreihe mit Torwart Burchert, Manndecker Brooks und Linksverteidiger Schulz drei Eigengewächse stehen.

Fanol Perdedaj tröstete das alles nicht. Er lehnte an der Bande des Trainingsplatzes auf dem er lange mitspielen durfte und sagte: „Ich möchte heute nicht reden. Das ist alles noch zu frisch.“

Trainingseindrücke, Diskussion – mehr über den Zweitligisten im Blog www.immerhertha.de

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