Wenigstens die Kinder haben ihren Glauben noch nicht verloren. Auf dem Trainingsgelände von Hertha BSC und nur einen Steinwurf vom Schenckendorffplatz entfernt fand am Sonntagmorgen ein Nachwuchsturnier statt. Auch eine Mannschaft der Berliner war beteiligt. Als die Profis in einer Spielpause des Turniers ihr eigene Einheit beendet hatten, gab es für die Jungs kein halten mehr, sie stürmten los und bedrängten ihre Stars für Fotos und Autogramme. 15. Spieltag, gesichertes Mittelfeld, die Welt ist schön – so sah das irgendwie aus.

Herthas Situation ist freilich eine komplett andere. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel hält sich weiter fit für eine mögliche Wiederholung des Rückspiels in der Relegation um den Klassenerhalt gegen Fortuna Düsseldorf. Zwar dauerte die Einheit am Sonntag nur 33 Minuten und bestand aus einem regenerativen Balltraining, aber so ein bisschen sollen Spannung und Laune eben doch hochgehalten werden, sollte das DFB-Sportgericht doch noch zugunsten der Berliner entscheiden.

Um 15 Uhr will das Gericht seine Entscheidung in Frankfurt bekannt geben. Richter Hans E. Lorenz wir erklären, warum das Spiel wiederholt werde muss – oder eben nicht. Für beide Varianten sprechen gute Argumente: Einerseits kam es durch den Platzsturm kurz vor Ende der Spielzeit zu irregulären Bedingungen, die gegen die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB verstoßen. So fehlten unter anderem die Elfmeterpunkte und die Eckfahnen, auch belegen Videos inzwischen eindeutig, dass die Fortuna-Fans schon auf das Feld liefen, als der Ball noch im Spiel war. Düsseldorf dagegen beruft sich darauf, das Spiel sei regulär von Schiedsrichter Stark beendet worden.

Die Mehrheit der Experten erwartet, dass sich die zweite Sicht und damit Düsseldorf durchsetzen wird. Fortuna fährt inzwischen schwere Geschütze auf. Nachdem der Berliner Protest in weiten Teilen schon als unanständig gewertet wurde – immerhin hatten Berliner Chaoten Feuerwerkskörper auf das Feld geworfen und Spieler nach Abpfiff den Schiedsrichter beleidigt – legte Geschäftsführer Paul Jäger nach. „Nachdem, was ich hier in der Verhandlung gehört habe, hätte ich an Herthas Stelle den Ball sehr, sehr flach gehalten und mich bei allen Beteiligten entschuldigt. Wären wir in der Situation gewesen, hätten wir keinen Einspruch eingelegt. Wir hätten uns einfach nur geschämt für das, was nach Abpfiff passiert ist“, sagte Jäger der „Bild am Sonntag“.

Mehr als sieben Stunden hatte die Verhandlung am Freitag gedauert. Nach diesem Mammut-Tag hatte Richter Lorenz die Entscheidung vertagt.

Klar ist aber auch: Egal wie das Gericht entscheidet, es wird sich nur um ein vorläufiges Urteil handeln. Beide Vereine würden im Falle einer Niederlage wohl die nächste Instanz, das DFB-Bundesgericht anrufen. Danach wäre eine Berufung vor dem Schiedsgericht möglich.