Einen Tag lang, bis am Montag um 15 Uhr, heißt es also noch Warten auf das Urteil des DFB-Sportgerichts. Es muss entscheiden, ob der Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Spiels im Rückspiel der Relegation bei Fortuna Düsseldorf berechtigt ist oder nicht – und damit eben auch, ob die Partie wiederholt werden muss oder gar gleich zugunsten der Berliner gewertet wird. Da allerdings so oder so mit einem Einspruch der unterlegenen Partei gerechnet wird und noch zwei Instanzen bevorstehen, könnte ein solches Wiederholungsspiel wohl frühestens in zehn Tagen steigen.
Aber was wäre dann eigentlich mit der Mannschaft? Wer wäre überhaupt spielberechtigt?
Im Fall von Änis Ben-Hatira ist diese Frage leicht zu beantworten: Der Deutsch-Tunesier wäre gesperrt, er sah in Düsseldorf die Gelb-Rote Karte. Die obligatorische Sperre hätte auch bei einer Wiederholung Bestand.
Ermittlungen gegen Kraft, Lell, Mijatovic und Kobiashvili
Wirklich kritisch könnte es vor allem in der Abwehr werden – hier sind aber noch viele Fragen offen. Der DFB hat ein Ermittlungsverfahren gegen Torwart Thomas Kraft, Christian Lell, Kapitän André Mijatovic und Levan Kobiashvili eingeleitet. Die Verhandlung gegen das Quartett wird in der kommenden Woche stattfinden, auch hier sind Strafen und weitere Sperren vorprogrammiert. Grund sind die Vorkommnisse nach Abpfiff der Partie, für die sich Hertha BSC am Sonnabend öffentlich entschuldigte.
Der Schiedsrichter der Partie, Wolfgang Stark, hatte bei der Verhandlung in Frankfurt von „Jagdszenen“ der Spieler gesprochen. Insbesondere Levan Kobiashvili, den Trainer Otto Rehhagel erst kürzlich als „fairsten Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet hatte, steht dabei im Mittelpunkt: Er soll Stark mit der Faust geschlagen haben. Der Unparteiische hat deshalb sogar Anzeige bei der Polizei erstattet. „So bin ich überhaupt noch nie behandelt worden“, beklagte sich Stark.
Beschimpfung des Schiedsrichters
Für Kobiashvili, der bis vor wenigen Wochen in seiner gesamten Karriere nur einen Platzverweis kassiert hatte, könnte es gleichzeitig das Ende seiner Karriere bedeuten. Sein Vertrag läuft zwar weiter, doch wenn der DFB den Ausführungen Starks folgt, wird auf ihn eine lange Sperre zukommen. Allerdings: Der 34-Jährige hatte bislang auch noch keine Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
Fünf Herthaner, darunter auch Mijatovic und Kraft, den Rest will Stark nicht erkannt haben, versuchte demnach später, die Kabine des Referees zu stürmen. „Wir mussten die Tür von innen zuhalten, sie wurde immer wieder geöffnet. Der Grund war für mich nicht nachvollziehbar. Ich weiß nicht, warum die Spieler so ausgerastet sind“, so Stark. Mijatovic und Kraft sollen ihn außerdem als „Wichser“ und „Arschloch“ beschimpft haben, Lell rief ihm nach „Du feiges Schwein.“ Wenn es schlecht läuft für Hertha, fällt also ein Großteil der Defensive aus – vermutlich noch über das Saisonende hinaus.
Burchert und Neumann stehen bereit
Wer könnte es also richten? Christoph Janker etwa, er war genau wie Peter Niemeyer nur als Zeuge geladen. Allerdings muss auch Niemeyer noch ein bisschen bangen, er hatte in der Hauptverhandlung Glück: Er war nicht beschuldigt und hätte so gesehen gegen seine Mitspieler aussagen müssen. Er berief sich aber darauf, nichts gesehen zu haben, weil er direkt in die Kabine gegangen sei. Das stimmt nun nicht, wie Richter Hans Lorenz sofort anmerkte und wie es auch zahlreiche Bilder belegen. Angesichts der anderen Anschuldigungen aber wird man über diese Ungereimtheit wohl hinwegsehen – obwohl für Falschaussagen theoretisch auch eine Sperre ausgesprochen werden könnte.
Im Tor könnte Sascha Burchert für Kraft auflaufen, er hat die Nummer eins in dieser Saison bereits zweimal vertreten. Für die Abwehrseiten könnten Felix Bastians, Fabian Holland, Alfredo Morales oder auch Ronny einrücken, in der Innenverteidigung würde wohl Sebastian Neumann auflaufen.


