2. Relegationsspiel

Fortuna Düsseldorf will jetzt Geschichte schreiben

Der Aufstieg scheint zum Greifen nah: Doch längst nicht alle Düsseldorfer trauen der Ausgangsposition vor dem zweiten Duell mit Hertha.

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Der Kapitän hat unruhige Tage hinter sich. Vor einer Woche sicherte Andreas Lambertz mit Fortuna Düsseldorf durch ein Remis gegen Duisburg den Relegationsrang, tags darauf wurde bei ihm das Auto aufgebrochen und das Navigationsgerät geklaut. Am Donnerstag dann siegte Lambertz mit seinem Team bei Hertha BSC und steht nun nicht nur vor dem Aufstieg in die Bundesliga, sondern auch vor dem Eintrag in die Geschichtsbücher. Noch nie ist es einem Spieler in Deutschland gelungen, mit einem Verein von der vierten bis in die erste Liga durchzupreschen. Lambertz könnte der Erste sein – vorausgesetzt, sein Klub behält auch im Rückspiel gegen die strauchelnden Berliner das bessere Ende für sich.

Dem Novum begegnet der 27 Jahre alte Mittelfeldrenner noch zurückhaltend. Er sagt, dass das Ganze „ein wunderbares Nebengeräusch“ sei. „Schön, wenn man so Geschichte schreibt.“

Geschichte schreiben wollen sie alle in Düsseldorf. 15 Jahre nach dem letztmaligen Abstieg aus der Bundesliga ist die Rückkehr so nah, das 2:1 im Hinspiel gegen die Hertha hat der Fortuna eine komfortable Ausgangsposition beschert und eine ganze Stadt in Verzückung versetzt. Als der Düsseldorfer Tross Freitag am Flughafen eintraf, hielt der Pilot eine Fortuna-Flagge aus dem Cockpit, die Feuerwehr empfing die Air-Berlin-Maschine mit einer Wasserfontäne. So werden für gewöhnlich Europa-Cup-Helden begrüßt.

Dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, scheint gerade am Rhein ein weit verbreitetes Phänomen zu sein. Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln hat das gerade zu spüren bekommen. Düsseldorf, immerhin einmal Meister und zweimal Pokalsieger, war zwischendurch sogar bis in die vierte Klasse abgestiegen. Dass nun am Dienstagabend alles wieder gut sein könnte, mag manch einer im Fortuna-Lager noch nicht wahrhaben. „Ich glaube, wir sind für viele schon aufgestiegen. Aber wir werden nicht den Fehler machen, das selbst zu glauben“, sagt Verteidiger Jens Langeneke (35). „Der halbe Weg ist gegangen, wir wollen ihn jetzt zu Ende gehen.“

Lehren aus der Vergangenheit

Die vorsichtige Ausrichtung scheint vom Verein verordnet und dürfte auch den Lehren der Vergangenheit geschuldet sein. Zu Weihnachten noch hatte Düsseldorf wie ein sicherer direkter Aufsteiger ausgesehen. 41 Punkte holte der Klub in der Hinrunde. Doch nur 21 Zähler in der Rückserie ließen die Fortuna auf Relegationsplatz drei abrutschen. Als „ein gutes, aber auch sehr gefährliches Ergebnis“ wertet Manager Wolf Werner das 2:1 im Hinspiel. „Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen und müssen hellwach sein. Otto Rehhagel ist ja dafür bekannt, dass er mit seinen Mannschaften schon ganz andere Ergebnisse umgebogen hat.“

Für Werner ist das bislang Erreichte aber schon jetzt beeindruckend. Als er 2007 bei der Fortuna anfing, spielte der Klub vor 6.000 Fans. „Damals bin ich in Sponsorengesprächen vor die Mauer gefahren“, sagt Werner. „Das hat sich mit der sportlichen Entwicklung absolut zum Positiven gewendet.“ Neulich erst ermittelten Experten den Marktwert des Klubs für die Stadt: Er liegt im zweistelligen Millionenbereich.

Die Imagesteigerung allein aber reicht nicht aus, um in der Bundesliga zu bestehen. Das weiß auch Werner. Zwar hat der Klub gerade mit Vodafone einen lukrativen Sponsorendeal abgeschlossen, der mehr als eine Million Euro pro Erstligasaison bringt. Aber bei der Kaderzusammenstellung herrscht noch Handlungsbedarf. „Wir müssen uns noch verstärken“, sagt Werner. Bislang hat er Rückkehrer Axel Bellinghausen (Augsburg), Leon Balogun (Bremen II), Ronny Garbuschewski (Chemnitz), Dani Schahin (Fürth) und Ivan Paurevic (Dortmund II) verpflichtet. „Wir haben vorwiegend junge Spieler mit viel Potenzial geholt, die sich noch entwickeln können“, sagt Werner. „Aber wir müssen uns noch weiter verstärken, ob es Dienstag klappt oder nicht.“

Zumal die Fortuna auch noch einige schmerzhafte Abgänge zu verkraften hat: Maximilian Beister, mit elf Toren und 13 Vorlagen Düsseldorfs Bester, kehrt nach zweijähriger Ausleihe zum HSV zurück, die gleichsam geliehenen Tobias Levels (Mönchengladbach) und Adam Matuschyk (Köln) werden wohl auch gehen. Was aus dem starken Verteidiger Assani Lukimya wird, ist unklar. Sein bereits unterschriebener Vertrag beim 1. FC Köln besaß nur Gültigkeit für die Bundesliga. Der Lizenzspieler-Etat der Fortuna soll von 7,5 Millionen Euro im Falle des Aufstiegs um 60 bis 70 Prozent steigen. Eine Aufstiegsparty ist nicht terminiert, Mittwoch oder Donnerstag kommen infrage, weil dann vermutlich auch die prominentesten Fans zugegen sind. „Die Toten Hosen“ wollen ihren Song „Tage wie diese“ präsentieren – es könnte die neue Klubhymne der Fortuna werden.