Relegations-Pleite

Hertha BSC schlägt sich selbst gegen Fortuna Düsseldorf

Ein Eigentor von Ramos besiegelt die 1:2-Niederlage im Hinspiel der Relegation. Der Abstieg ist damit wieder bedrohlich nahe.

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Es sind zu dieser frühsommerlichen Zeit des Jahres wieder die Endspielwochen im europäischen Vereinsfußball angebrochen. Just heute finden der FC Bayern München und Borussia Dortmund sich in der Stadt ein für das DFB-Pokalfinale am Sonnabend, dann wartet das Champions-League-Finale – und irgendwo ein bisschen darunter reihen sich mit ihrer ganz eigenen Endspiel-Dramatik auch Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf ein. Ihr Wettbewerb, den sie in zwei Etappen austragen, nennt sich Relegation und ermittelt bedeutungsvoll, welcher der beiden Klubs in der kommenden Saison 2012/13 in der Bundesliga spielen darf.

Erst spät in dieser Spielzeit, am letzten Spieltag nämlich, hatte Hertha sich überhaupt die Berechtigung zur Teilnahme an der Relegation erarbeitet. Nun sind die Berliner vor dem Rückspiel am Dienstag in Düsseldorf erneut gehörig unter Druck geraten. 1:2 (1:0) im Heimspiel trotz Pausenführung und lange Zeit überlegen geführtem Spiel – final stand ein Endergebnis, das vor der Fahrt an den Rhein an sich kaum noch Hoffnung auf Rettung lässt, muss Hertha doch jetzt dort mindestens 2:0 gewinnen. Andererseits sind die Überlebenskünstler von der Spree schon die ganze Saison über mehrheitlich durch Stärke in fremden Stadien auffällig geworden. „Das ist sehr bitter“, sagte Levan Kobiashvili, „ich denke, kaum jemand hat gedacht, dass wir das Spiel noch abgeben.“ Der Kapitän hatte damit das Dilemma mit einem Satz voll auf den Punkt gebracht.

Wo das Olympiastadion für Sonnabend seit Monaten ausverkauft ist, hatte Hertha für die ungleich kürzer angesetzte Partie zwei Tage vorher in aller Eile 68.041 Zuschauer herbeigetrommelt – darunter allerdings auch rund 6000 sangesfreudige Düsseldorfer. In Sachen Lautstärke sind diese Fans der Fortuna schon jetzt erstklassig. Aber sobald sie drüben am schon für das Pokalfinale mit einer Zusatztribüne überbauten Marathontor ihre Gesänge anstimmten, wurden sie von den Berlinern derart resolut niedergepfiffen, dass man die Ostkurve schon fragen mochte: Warum nicht immer so...? Aber es war ja doch auch kein ganz gewöhnliches Spiel, sondern das erste von zweien um Alles oder Liga zwei.

Führung durch Standard

Relegation also – in neun von bislang 13 Fällen hatte sich in diesen Ausscheidungsspielen des Bundesliga-Drittletzten gegen den Zweitliga-Dritten das klassenhöhere Team durchgesetzt. Auch im vorliegenden Fall verfügt mit Hertha der Bundesligist über deutlich mehr spielerische Qualität. Erstmals dokumentiert nach acht Minuten per Doppelpass von Adrian Ramos und Raffael, Herthas ballgewandten Südamerikanern. Ramos bedeutete die einzige Änderung in Herthas Startelf gegenüber dem 3:1 am Sonnabend gegen Hoffenheim, durch das die Berliner überhaupt erst in die Relegationsspiele eingezogen waren. Er ersetzte Pierre-Michel Lasogga (Kreuzbandriss).

Düsseldorf war mit einem finalen 2:2 gegen Duisburg mehr in die Relegation getaumelt denn wirklich souverän eingezogen. Passend zum Klischee vom kämpfenden Zweitligisten setzte ein rustikaler Pressschlag von Ilsö gegen Hubnik ein wenig zufällig Fortuna-Kapitän Lambertz in Szene. Frei vor Thomas Kraft tauchte er im Strafraum auf, doch der Hertha-Keeper war reaktionsschnell aus seinem Tor gelaufen und bildete nun ein unüberwindliches Hindernis. Pures Glück auch für Kraft war dagegen nur Momente später, dass Bodzeks Flugkopfball aus spitzem Winkel hauchzart am Tor vorbeiflog (9.).

Ausgiebig geübt im Training dieser Woche hatten die Berliner sämtliche Formen von Standards, darunter auch Eckbälle. Einer davon, getreten von Änis Ben-Hatira, führte in Minute 19 zum 1:0. Ramos stieg schon hoch, doch Hubnik hinter ihm noch höher. Sein unmittelbarer Gegenspieler Bröker dagegen blieb ebenso am Boden wie Ilsö auf der Linie – einen solchen Start ins Spiel hatten die Berliner herbeigesehnt.

Und mehr war möglich. Das Führungstor, Hertha, die Kulisse – all das wirkte auf einmal auf die Düsseldorfer. Wie heißt es so schön: Hertha ließ nun Ball und Gegner laufen. Eine flotte Kombination über die gesamte Breite des Spielfeldes leitete Holland final zu Ben-Hatira, dessen Schuss zu einer weiteren Ecke geblockt wurde (25.). Einen 16-Meter-Flachschuss von Kobiashvili parierte Fortuna-Keeper Ratajczak (32.), nach dem Seitenwechsel setzte Ramos einen weiteren von Ben-Hatira gut getretenen Eckstoß knapp neben das Tor. Vorzuwerfen war den Berlinern somit nur, dass sie das mögliche 2:0 eben nicht auch machten – und, natürlich, das rächte sich nach gut einer Stunde. Rechtsaußen Bröker huschte mit einer einzigen flinken Bewegung an Hubnik und Holland vorbei; einen Augenblick lang schien es, als staune er selbst über den vielen Platz frei vor Kraft, dann vollendete er humorlos zum 1:1 (64.) ins kurze Eck.

Ronny trifft den Pfosten

Rehhagel reagierte, der rustikale Perdedaj musste für den ballsicheren Ronny weichen. Doch gleich bei der folgenden Aktion, einem Freistoß von Ilsö, verlängerte Ramos den Ball im Strafraum per Kopf ins eigene Netz – 1:2 (71.). In die sich ausbreitende Depression hinein zog Raffael einfach mal aus 25 Metern ab – vorbei. Dann war da noch Ronnys strammer Freistoß aus XXL-Distanz, der flach an den Pfosten klatschte (88.). Mehr gab es nicht. „Es wird schwer, das noch umzubiegen“, sagte Kobiashvili: „Aber wir haben in dieser Saison schon oft am Boden gelegen und sind wieder aufgestanden.“