Relegation geschafft

Hertha bekommt die nächste letzte Chance

Hertha hat sich eine Nachspielzeit erkämpft, ist dennoch nicht Favorit in der Relegation. Uwe Bremer über unübersehbare Schwächen.

Eigentore, Rote Karten, Heimniederlagen – Hertha BSC hat in dieser Rückserie der Fußball-Bundesliga eine seltsames Geschick gezeigt, Chancen ungenutzt vorbeirauschen zu lassen. Nach dem demoralisierenden 1:2 gegen Schlusslicht und Absteiger 1. FC Kaiserlautern schien der Abstieg besiegelt, weil man zuvor auch gegen den SC Freiburg zweitklassig kickte.

Doch auf den wahrlich allerletzten Metern hat Hertha BSC nicht mehr für möglich gehaltene Kämpferqualität gezeigt. Levan Kobiashvili hat im Namen der Mannschaft einen Offenen Brief geschrieben. Der Kapitän entschuldigte sich bei den Fans und warb gleichzeitig um die Unterstützung der Anhänger. Und siehe da, als es niemand mehr für möglich hielt: Im 17. und letzten Saisonheimspiel, hielten die Profis dem Druck im Olympiastadion mal stand. Durch den Sieg gegen Hoffenheim und Ex-Trainer Markus Babbel haben sich die Berliner eine Nachspiel-Zeit erkämpft. Da ist es egal, ob Kritiker meinen, nach einer so schlechten Saison mit so wenigen Punkten habe Hertha die Bundesliga schlicht nicht verdient.

Die Regeln der Deutschen Fußball-Liga sehen seit vier Jahren die Relegation vor. Egal, ob der Gegner Fortuna Düsseldorf, SC Paderborn oder FC St. Pauli heißt, Hertha ist der klassenhöhere Klub – aber irgendwie nach der Saison doch nicht der Favorit. Der Zweitligist kommt mit dem Selbstbewusstsein eines starken Spieljahres, Hertha hingegen scheint auch trotz des Erfolgs gegen Hoffenheim nicht sattelfest.

Dafür gab es zu viele Rückschläge in diesem schwierigen Jahr. Dafür blieben zu viele Spieler unter ihrer Topform. Die Skeptiker diskutieren, ob es für die Entwicklung von Hertha vielleicht nicht besser wäre, in die Zweite Liga abzusteigen. Und den Klub grundlegend neu aufzustellen. Statt in der Bundesliga weiter vor sich hin zu taumeln. Dem ist zu entgegnen, dass die klamme Finanzlage der Berliner dringend den Verbleib in der Bundesliga mit den ungleich höheren Einnahmequellen nahelegt. Dafür müssen die Relegationsspiele erfolgreich bestritten werden. Zudem wissen Präsident Gegenbauer sowie die Geschäftsführer Michael Preetz und Ingo Schiller: Bei Hertha gab es soviel Unruhe, so viele personelle Wechsel auf der Trainer-Position. Selbst, wenn die Relegation erfolgreich bestritten werden sollte, haben die Verantwortlichen den Mitgliedern auf der Versammlung Ende Mai einiges zu erklären: Wieso das mit der Kontinuität nicht klappt? Wofür der Verein eigentlich steht? Wo die Kräfte aus dem eigenen Nachwuchs bleiben. Und wie die Zukunft aussieht? Eines ist somit klar: Gegen Hoffenheim, das waren noch nicht die letzten spannenden Hertha-Minuten in dieser Saison.

--> Blog: Mehr zu Herthas Chancen unter www.immerhertha.de

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