Bundesliga

Bei einem Abstieg zerfällt das Hertha-Team

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Uwe Bremer

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Was ist mit der Lizenz? Bleibt Preetz Manager? Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen zum drohenden Abstieg von Hertha BSC.

Der Abstieg für Hertha BSC rückt unaufhaltsam näher. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen zum möglichen Sturz in die Zweite Liga.

Bleibt Otto Rehhagel?

Nein. Der Trainer-Routinier hat sich im Februar in schwieriger Lage bereit erklärt, Hertha bis Saisonende zu helfen. Dabei bleibt es.

Wer wird neuer Trainer?

Entschieden ist die Frage noch nicht. Nach den vielen Turbulenzen in dieser Saison ist die Frage, wie attraktiv Hertha für ehrgeizige Trainer ist. Wunschkandidat im Klub ist Ralf Rangnick. Der wird unter anderem auch von Bayer Leverkusen umworben. Doch Bernd Schiphorst, Vorsitzender des Aufsichtsrates, sagte beim TV-Sender „Sky“: „Ralf Rangnick ist bekannt als Mann, den eine Aufbauarbeit über mehrere Jahre interessiert.“ Hört sich an, als ob da was geht.

Muss Manager Preetz gehen?

Nein, jedenfalls nicht, wenn es nach Präsident Werner Gegenbauer geht. Auch Schiphorst sagte mit Blick auf Preetz: „Es gibt bei Hertha keine Personaldiskussion.“ Doch es bleibt abzuwarten, ob die Öffentlichkeit und die Mitglieder den Schulterschluss von Präsident und Manager einfach so akzeptieren. Preetz hat als Arbeitsnachweis nach drei Jahren (mutmaßlich) zwei Abstiege zu verantworten. Dem gegenüber steht der Aufstieg 2011. Auch wenn Herthas finanzielle Situation auf Jahre hinaus schwierig sein wird, es ist wenig von dem eingetreten, was Preetz angekündigt hat. Kontinuität auf der Trainer-Position wollte er, hat aber mit Rehhagel bereits den fünften Coach binnen drei Jahren auf der Bank sitzen (zuvor Favre, Funkel, Babbel, Skibbe). Auch der zahlreich ausgebildete eigene Nachwuchs ist in dieser Bundesliga-Saison auf nur wenige Einsätze gekommen. Preetz wird in den kommenden Wochen überzeugende Argumente bringen müssen.

Fällt die Mannschaft auseinander?

Ja. Auf dem Papier gelten zwar alle Spieler-Verträge auch in der Zweiten Liga. Da der Personal-Etat im Unterhaus aber weniger als die Hälfte in der Bundesliga ausmachen wird, wird sich Hertha von teuren Spielern trennen müssen. Raffael hat bereits angekündigt, dass er sich nicht noch eine Saison in der Zweiten Liga antun werde. Auch Stammkräfte wie Thomas Kraft, Adrian Ramos oder Roman Hubnik werden sich in Richtung Bundesliga orientieren. Ohnehin laufen die Verträge von Patrick Ebert, Maikel Aerts, Andre Mijatovic und Christoph Janker aus.

Chance für den Nachwuchs?

Ja. Mit Blick auf die Finanzen wird Hertha zwangsläufig auf Talente wie Nico Schulz, John Brooks, Fabian Holland oder Sebastian Neumann setzen. Fraglich ist, ob die besten Youngster wie die bundesweit begehrten Alfredo Morales oder Pierre-Michel Lasogga ihre Perspektiven in der Zweiten Liga sehen.

Bekommt Hertha BSC die Lizenz?

Ja. Mit Blick auf den Millionen-Investor, den Hertha demnächst vorstellen will will Hertha erneut den direkten Wiederaufstieg anpeilen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat Hertha Bedingungen auferlegt, die der Verein bis Ende Mai erfüllen muss. Dennoch ist Finanzchef Ingo Schiller optimistisch: „Wir werden in Absprache mit der DFL die Bedingungen erfüllen. Die Lizenz ist sicher.“

Bleibt die Bahn Trikotsponsor?

Das ist offen. Der Vertrag läuft bis 2013, aber die Bahn kann im Abstiegsfall im Sommer aussteigen. Hertha sagt, der Verein sei vorbereitet auf diese Möglichkeit und könnte, im Fall des Falles, reagieren.

Ist der Ruf auf Jahre verspielt?

Zumindest im Moment ist Hertha die Lachnummer der Fußball-Nation. Mit dem glücklosen und wenig souveränen Agieren seit der Babbel-Krise vom vergangenen Dezember hat der Klub viel verspielt, was er sich an Sympathien in den anderthalb Jahren zuvor aufgebaut hatte. Und Hertha muss ausräumen: Dieser (wahrscheinliche) Abstieg ist selbstverschuldet. Die Babbel-Frage hat Preetz nicht gut gemanagt. Dieser Trainer-Wechsel samt der Skibbe-Verpflichtung hat der Mannschaft einen Knacks gegeben. Einer soliden Hinserie mit 20 Punkten folgte eine haltlose Rückserie (bisher acht Zähler). Bundestrainer Joachim Löw rügte am Beispiel von Hertha den schlechten Umgang einiger Vereine mit ihren Trainern: „Berlin holt sich drei oder vier verschiedene Philosophien in einem Jahr. Diese ständigen Wechsel sorgen dafür, dass am Ende nichts mehr zusammenpasst.“.

Bleibt Hertha auf Jahre Zweitligist?

Das ist offen. Auch wenn der Hauptstadt-Klub seinen Etat im Unterhaus drastisch kürzen muss, will Hertha in der Saison 2012/13 noch einmal einen – verglichen mit der Zweitliga-Konkurrenz – gut dotierten Anlauf für den direkten Wiederaufstieg nehmen. Gelingt das allerdings nicht, wird der Hauptstadt-Klub im Sommer 2013 seine gesamten Strukturen runterfahren müssen. Dann wird Hertha BSC nur noch ein Zweitligist unter vielen anderen sein.

Ist Hertha noch vor dem Abstieg zu retten? Diskutieren Sie mit im Hertha-Blog unter www.immerhertha.de