Hertha BSC

Peter Niemeyer muss in der Innenverteidigung aushelfen

Herthas Abwehrstratege Peter Niemeyer muss wegen der Verletztenmisere in der Innenverteidigung ran. Rehhagel kritisiert Ottl und Raffael.

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Wenn den Worten von Hertha-Trainer Otto Rehhagel Glauben geschenkt werden darf, stand für Peter Niemeyer am Nachmittag ein Dienstgespräch an. Oder besser gesagt: eine konkrete Dienstanweisung. Natürlich ging es um das Spiel der Berliner an diesem Sonnabend in Leverkusen (15.30 Uhr, Sky live). Rehhagel wollte seinem Schützling mitteilen, ihn statt wie gewohnt im defensiven Mittelfeld in der Innenverteidigung einzusetzen. Was er wohl dazu sagen würde? Rehhagel lachte. „Er muss das machen“, sagte er dann, „er wird zustimmen, etwas anderes bleibt ihm nicht übrig.“

Nun ist es nicht so, dass Rehhagel damit seine besondere Macht demonstrieren wollte. Natürlich wird ihm sein Spieler folgen. Nein, letztlich brachte der 73-Jährige nur noch einmal die Verletzungsmisere in der Abwehr auf den Punkt. Denn seit Mittwoch ist klar, dass auch Roman Hubnik mit einem Bänderanriss im Sprunggelenk mindestens das Leverkusen-Spiel verpassen wird. Vielleicht sogar noch eines mehr. Hertha steht von fünf Innenverteidigern kein einziger mehr zur Verfügung. André Mijatovic? Hat Probleme mit der Achillessehne. Sebastian Neumann? Zog sich eine Prellung im Oberschenkel zu. Maik Franz? Musste die Saison schon im Winter mit einem Kreuzbandriss abhaken. Christoph Janker? Laboriert an Adduktorenproblemen, eine Operation scheint unumgänglich, wird aber erst nach der Saison stattfinden. „Wenn er jetzt operiert würde, käme er in dieser Spielzeit garantiert nicht mehr zum Einsatz. Das ist aber unser Ziel“, sagt Mannschaftsarzt Uli Schleicher. In der kommenden Woche soll Janker wieder ins Training einsteigen.

Auch vor der Kette ein Loch

Weil auch Fabian Lustenberger, der den Part im Abwehrzentrum schon gespielt hat, weiter ausfällt, muss es eben Niemeyer richten. Ihm wird Felix Bastians zur Seite stehen, der diese Aufgabe schon gegen Freiburg übernahm und sie recht ordentlich löste. „Beide haben genug Spiele in der Bundesliga gemacht, das sollte kein Problem sein“, sagt Rehhagel, der der Situation trotz allem auch noch etwas Positives abgewinnen kann: „Ich bin sowieso dafür, dass Spieler auf allen Positionen helfen sollen.“

Und doch, es ist schon ein außergewöhnliches Pech, das Hertha da ereilt hat. Und natürlich kehrt nun auch die Frage wieder, ob der Klub, wie von vielen gefordert, nach dem Kreuzbandriss von Maik Franz lieber noch einen Innenverteidiger verpflichtet hätte. Manager Michael Preetz kann diesen Vorwurf nicht nachvollziehen. „Unglaubliches Pech“, nennt er die Situation, außerdem habe Hertha in Felix Bastians doch einen Verteidiger verpflichtet. Und zwar genau ihn, „weil er flexibel einsetzbar ist“, wie Preetz begründet. Das zahlt sich nun aus, ohne Bastians flexibles Spiel hätte Hertha ein echtes Problem.

Neuer Anführer der Abwehrkette muss aber Niemeyer sein. Der 28-Jährige gibt grundsätzlich den Vorkämpfer, auch wenn seine fußballerischen Qualitäten bisweilen limitiert sind. Eine Kombination, wie sie Rehhagel bei Hertha meist genau andersherum vorfindet. Er finde „sehr gute Fußballer“ vor, die aber „viel mehr aus sich herausgehen müssten.“ So gesehen dürfte Rehhagel froh sein, dass ihm wenigstens Niemeyer geblieben ist. Für Rehhagel, so scheint es, ist er der einzige aus dem Abwehrverbund, der das Wort „Abstiegskampf“ mit Inhalt füllt. „Andreas Ottl zum Beispiel“, setzte Rehhagel gestern an, „ein sehr guter Fußballer, keine Frage.“ Nur viel zu still eben, genau wie Raffael, auch ein Top-Spieler, „aber er sagt ja nichts. Wir brauchen mehr Körpersprache.“ Selbst Routinier Levan Kobiashvili bezog der Trainer in diesen Kreis mit ein, obwohl der Georgier seit Wochen einer der wenigen Lichtblicke im Team ist. „Jetzt müssen die Spieler zeigen, dass sie bereit sind“, sagt er.

Bei Niemeyer muss er sich da keine Sorgen machen, nicht nur wegen seiner mentalen Stärke. Auch sportlich hat der Coach offenkundig weniger Bedenken als sein Spieler selbst. „Er hat doch die richtige Körpergröße für diese Position. Wir müssen ihm jetzt nur noch einreden, dass er da spielen kann“, sagt Rehhagel. Tenor: Das hat er ja noch nie gemacht. Dabei stimmt das so gar nicht, im Zweitligajahr musste er vertretungsweise schon einmal als Innenverteidiger spielen. Egal wie ihm dieser Ausflug damals gefallen hat: Eine Wahl hat er nicht. Das wird ihm Rehhagel schon klar gemacht haben.