Nach Freiburg-Pleite

Herthas Hoffnung im Abstiegskampf heißt Köln

Die Lage in Berlin wird immer ernster, zumal noch neue Verletzungssorgen dazukommen. Doch die Mannschaft hat noch nicht aufgegeben.

Michael Preetz versuchte es am Tag nach dem nächsten Nackenschlag mit Aufmunterung, Otto Rehhagel mit Optimismus. Doch die düsteren Gedanken konnten die Chefs von Hertha BSC nicht vertreiben. „Das können Sie sich selbst ausmalen. Nicht gut“, beschrieb Chefcoach Rehhagel die Stimmungslage nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen den SC Freiburg. Aufsteiger Hertha steht auch vier Spieltage vor dem Saison-Abschluss in der Fußball-Bundesliga auf einem Abstiegsplatz. Durch einen Bänderanriss bei Roman Hubnik, ohnehin die tragische Figur des Freiburg-Spiels, hat sich dazu die Personallage extrem zugespitzt.

„Dieses Selbsttor, Wahnsinn. Wir haben uns selbst geschlagen“, fluchte Rehhagel nach einer schweren Nacht. „Aber wir haben der Mannschaft gesagt, wir sind weiter im Rennen“, berichtete der Oldie von der gemeinsamen Spielauswertung. Dennoch wirkte die Situation bedrückend. Die Freiburger, die mit schier unglaublichen 22 Punkten unter ihrem neuen Trainer Christian Streich den Bundesliga-Verbleib praktisch gesichert haben, trainierten vor ihrer Rückreise am Mittwoch nochmals locker auf dem Berliner Olympiagelände. Auch wenn Streich selbst noch nicht feiern wollte: „Welche Rettung? Als Freiburg kannst du auch vier Spiele noch verlieren.“

Neunten Heimpleite der Saison

Rehhagel war als Mutmacher unterwegs: „Die Spieler müssen jetzt die Köpfe freibekommen. Wir müssen an die Chance glauben.“ Das allerdings fällt allen in Berlin zunehmend schwer. Glücksgöttin Fortuna küsst derzeit andere Teams wie Freiburg, wie SC-Trainer Streich einräumte. Das kuriose Eigentor von Hubnik, der später auch Freiburgs zweiten Treffer durch Sebastian Freis verschuldete, war schon der Anfang vom Ende der Rehhagelschen „Entscheidungsschlacht“. Bejubelt wurden von den Hertha-Fans neben Hubniks Anschluss nur noch Tore in anderen Stadien: Viermal heftiges Klatschen bei den Mainzer Treffern gegen Köln, dreimal nach Stuttgarts Toren in Augsburg.

„Wir haben Glück, dass die anderen auch verloren haben“, gestand „König Otto“, der den drohenden Absturz in einer seltsam wirkenden Mischung aus Schmerz, Unverständnis und Abstand begleitet. „Wir wollen alles erreichen. Ob's geht, wird auf dem Platz entschieden“, sagte Rehhagel – es klang nach Distanz. „Ich bin kämpferisch“, wiederholte sein Vorgesetzter Preetz dagegen am Mittwoch mehrmals.

Die Mannschaft lebt

Und wieviele Spiele muss Hertha nach der schon neunten (!) Heimpleite der Saison noch für die Rettung gewinnen? „Alle, die jetzt noch kommen“, antwortete Rehhagel und wirkte dabei schon ein wenig verzweifelt. „Das ist nun schon das zweite Mal, dass wir uns einen reingehauen haben“, kommentierte der 73-Jährige die zweite deprimierende Niederlage im Olympiastadion nacheinander. Verteidiger Christian Lell drückte es noch klarer aus: „Wir haben uns die Eier selbst reingelegt und vorn die Chancen nicht genutzt.“

Auch wenn die Krisensaison von Hertha immer mehr an das fatale Abstiegsjahr 2010 erinnert, klammern sich die Protagonisten natürlich an die Hoffnung. „An unserer Situation hat sich ja nichts geändert. Aber es wird immer enger“, bemerkte Rehhagel. „Die Mannschaft hat nicht aufgesteckt und alles probiert. Die Moral ist intakt“, strich Manager Preetz den kleinen positiven Aspekt heraus.

Am Samstag in Leverkusen fehlen Hertha nicht nur Hubnik, sondern in Janker, Neumann, Mijatovic, Franz und Lustenberger eine ganze Abwehr. „Die Mannschaft lebt. Wir müssen jetzt Köln und Augsburg angreifen“, verkündete Manager Preetz dennoch trotzig.