Bundesliga

Hertha winkt gegen Wolfsburg der Sprung auf Rang 13

Die halbe Bundesliga kämpft im Abstiegssumpf. Ein Sieg gegen Wolfsburg könnte Berlin blitzartig nach vorn katapultieren.

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Es ist keine zwei Wochen her, da schien in der Bundesliga-Tabelle alles klar zu sein: Kaiserslautern, Hertha BSC, Freiburg und Augsburg spielen die beiden Absteiger und den einen Verein aus, der gegen den Dritten der Zweiten Liga in die Relegation muss. Der Rest der Klubs kann entspannt für ein weiteres Jahr in der Erstklassigkeit planen.

Doch nur zwei Spieltage weiter sieht die Fußball-Welt schon wieder ganz anders aus. Auf der Zielgeraden der Saison steckt die halbe Liga im Abstiegssumpf – oder in unmittelbarer Nähe.

Hertha will dabei nach dem 3:1 in Mainz sein Momentum nutzen. Als einen „emotionalen Bigpoint“ bezeichnete der verletzte Verteidiger Maik Franz den Sieg. Im Topspiel des Sonnabend soll gegen den VfL Wolfsburg der zweite Sieg in Folge her (18.30 Uhr, Olympiastadion und bei Morgenpost Online im Liveticker) – erst einmal in dieser Saison, gegen Stuttgart (1:0) und Dortmund (2:1), gelang dem Hauptstadtklub eine derartige Erfolgsserie.

Für die Berliner eröffnen sich im Saison-Endspurt ebenso ungeahnte wie erfreuliche Perspektiven. Sieben Partien stehen noch aus. Sollte der Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel gegen den VfL mit Übungsleiter Felix Magath der siebte Saisonsieg gelingen, kann es für Hertha blitzartig von Abstiegsplatz 17 bis auf Rang 13 hinaufgehen.

Zwei Kellerduelle am Wochenende

Cotrainer Rene Tretschok ist zuversichtlich. Über den Abstiegskampf sagt er: „Man dachte, es minimiert sich auf einen überschaubaren Kreis. Jetzt sind aber Mannschaften dabei, die realisieren das negative Momentum noch gar nicht, das jetzt bei ihnen liegt. Sie werden auf einmal brutaler mit einer für sie neuen Situation konfrontiert, als wir, die wir schon seit Wochen wissen, was auf uns zukommt.“

Er denkt dabei an Konkurrenten wie den Drittletzten Hamburger SV (27 Punkte) und den 1. FC Köln (28), die sich noch kürzlich beide auf der sicheren Seite fernab des Überlebenskampfes wähnten. Jetzt hat insbesondere Köln das wohl schwerste Restprogramm aller Mannschaften im Abstiegskampf.

Augsburg (27) hat es kaum einfacher, doch war dem Aufsteiger ebenso wie Freiburg (28) ohnehin zu jeder Zeit bewusst, dass es ausschließlich gegen Abstieg geht. Aber selbst Mainz (30) und Nürnberg (31) haben sich zu früh gefreut und sind noch einmal in bedrohliche Nähe der heißen Zone geraten.

Die Ansetzungen des Wochenendes werden die Lage noch weiter zuspitzen. Schlusslicht Lautern empfängt den Drittletzten, den HSV. Augsburg trifft sich mit Köln zu einem weiteren Kellerduell. Dazu sind die Hürden für Mainz (in Bremen) und für Nürnberg (gegen den FC Bayern) ebenfalls hoch.

Und Hertha? Rehhagel-Assistent Tretschok hat eine Antwort parat, warum Hertha nach dem Erfolg gegen Mainz anders auftreten wird als nach dem 1:0 gegen Bremen. Da war auch Hoffnung aufgekommen, der Hauptstadt-Klub lieferte in der Folge gegen Köln (0:1) und die Bayern (0:6) jedoch schwache Vorstellungen ab. Herthas Cotrainer sagt, intern hätten alle gewusst, dass das 1:0 gegen Bremen ein Dusel-Sieg gewesen sei. Die Leistung in der Vorwoche im neuen Mainzer Stadion sei eine ganz andere. „Wir sind als Einheit aufgetreten und haben gesehen, zu was wir dann in der Lage sind. Das müssen wir beibehalten, dabei kompakt und kontrolliert angehen.“

Gleichwohl bremst Trainer Rehhagel die Hoffnung auf eine stürmische Hertha. „Wir sind eher nicht so die Mannschaft, die von Beginn an losstürmt. Ich sage immer: Wenn es zur Pause noch 0:0 steht, kannst du noch gewinnen. Wenn du aber nach zehn Minuten 0:2 zurückliegst, wird das schwer.“

Insofern ist zu erwarten, dass die Hausherren zunächst auf eine kompakte Defensive im 4-2-3-1-System setzen werden. Nach seinem Doppelpack gegen Mainz wird Adrian Ramos im Sturm erneut den Vorzug vor Pierre-Michel Lasogga erhalten. Die einzig offene Frage bei der Aufstellung ist, ob Andreas Ottl, der in Mainz unmittelbar vor dem Anstoß wegen eines Magen-Darm-Infektes passen musste, in die Startformation rückt. Oder ob Rehhagel sich für identische Aufstellung der Vorwoche entscheidet; dann erneut mit Levan Kobiashvili statt Ottl im defensiven Mittelfeld und Felix Bastians als Linksverteidiger.

Meistertrainer unter sich

So oder so, Gegner Wolfsburg ist ein gern gesehener Gast. Der VfL stellt die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga – bei 13 Partien in der Fremde gab es zwei Siege, zwei Unentschieden, aber neun Niederlagen. Aktuell jedoch gehen die Niedersachsen wie auch Hertha mit Rückenwind in die Partie. Wolfsburg hat drei Siege in den vergangenen drei Partien eingefahren. Vor allem das Offensiv-Trio Patrick Helmes, Mario Mandzukic und der Ex-Herthaner Ashkan Dejagah präsentiert sich in bestechender Verfassung und erzielte sechs Tore.

Ihre Begegnung am 28. Spieltag ist für beide Klubs ein wichtiges Spiel. Hertha braucht im Abstiegskampf jeden Punkt, Wolfsburg darf weiter darauf hoffen, eine weitere an sich missratene Saison doch noch wenigstens mit Tabellenplatz sieben und damit der Qualifikation für die Europa League abzuschließen.

Wovon die Trainer nichts halten, ist die Zuspitzung auf ein „Duell der Meistertrainer“. Rehhagel umdribbelte Frage dazu bereits mit der Antwort, er habe zu allen Bundesliga-Trainern ein gutes Verhältnis. Magath sagte auf der Homepage des VfL: „Zuspitzungen gehören seit jeher zum Fußballumfeld. Unsere Mannschaften spielen gegeneinander um wichtige Punkte in der Bundesliga.

Rehhagel wie Magath werden versuchen ihr jeweiliges Team optimal einzustellen und vorzubereiten. Das ist Job und Alltag eines Trainers und seines Teams. So etwas nennt man ganz schlicht solide Arbeit und nicht Duell. Dabei sollten wir es auch belassen. Rehhagel und ich sind alte Fahrensmänner. Wir wissen solche Formulierungen einzuordnen. Am Samstag wird also Fußball gespielt und sich nicht duelliert.“

Schafft Hertha BSC den Sprung auf Platz 13? Diskutieren Sie mit im Hertha-Blog unter www.immerhertha.de