Fussball-Bundesliga

Hertha startet mit einem Lächeln in die Woche

Nach dem 3:1 in Mainz wirken die Berliner so entspannt wie lange nicht. Dennoch fürchten die Berliner ein Déjà-vu.

Der sattgrüne Trainingsplatz von Hertha BSC blieb Montag zu großen Teilen verwaist. Wo sonst die Profis von Cheftrainer Otto Rehhagel üben, fanden sich nur die Torhüter des Berliner Fußball-Bundesligisten zu einer Einheit ein. Für den Rest der Truppe galt es, sich abzustrampeln, wobei das tatsächlich im Wortsinne gemeint war: Das Trainerteam hatte zu einer regenerativen Tour auf dem Mountainbike geladen, rund 40 Minuten ging es durch den Wald; nachmittags füllte eine Videoanalyse des 3:1-Sieges Sonnabend in Mainz den Arbeitstag. Eher vergnüglich war der Abend im Mannschaftskreis.

Ein wenig Zerstreuung hatten sich die Spieler tatsächlich verdient nach einer Leistung am Wochenende, die die Hoffnung auf den Bundesligaverbleib gehörig genährt hat. „Der Sieg tut uns allen gut, das muss ich schon sagen“, gestand Co-Trainer Rene Tretschok, der schon auf dem Rad vorweg gefahren war. „Wenn du nur Schläge bekommst, ist es schön, mal wieder ein Lachen im Gesicht zu tragen.“ Nun fiel Tretschok selbiges an diesem wunderschönen Frühlingstag selbst dennoch nicht leicht. Ein wenig verkrampft wirkte er jedenfalls schon nach der Tour auf dem Rad. Was wohl eher der nach wie vor prekären sportlichen Lage geschuldet war, als der vorangegangenen körperlichen Betätigung.

„Es war ein wichtiger, aber nur ein kleiner Schritt“, sagte Tretschok, und wer im Folgenden zuhörte, bekam einen Eindruck davon, wie sehr ihm Herthas sportliche Delle zu denken gibt in diesen Tagen. Direkt nach dem Spiel in Mainz, während der langen Zeit bis zum Rückflug nach Berlin, hätten Trainerteam und Mannschaft sich bereits mit dem kommenden Gegner Wolfsburg auseinandergesetzt. Was nun nicht als Panik gewertet werden solle, sondern vielmehr als Wachsamkeit.

Trainerteam hinterfragt sich selbst

Denn Tretschok weiß um die Gefahren, die ein unverhoffter Sieg mit sich bringt. Vor drei Wochen hatte Hertha gegen Werder Bremen überraschend 1:0 gewonnen. Schon damals sprachen alle von der Wende. Was folgte, war eine ernüchternde Niederlage (0:1) in Köln. Das soll jetzt nicht noch einmal passieren – und wird es auch nicht, glaubt und hofft Tretschok.

Ein „Riesenunterschied“ lasse sich zwischen diesen beiden Siegen ausmachen. Drei Punkte haben beide Spiele gebracht. Aber „die Mannschaft hat das Spiel gegen Bremen komplett anders eingeschätzt als gegen Mainz“, teilte Tretschok mit: „Da haben wir sehr viel Energie hineingepackt und uns viele Chancen erarbeitet. Gegen Bremen muss man, wenn man ehrlich ist, sagen: Es war jede Menge Glück dabei. Jetzt hat die Mannschaft endlich gezeigt, was sie kann.“

Und doch ließen sich noch Dinge im Berliner Spiel verbessern. „Wir müssen noch konzentrierter sein und noch mehr als Deckungsverband den Gegner von unserem Tor wegholen“, so der Co-Trainer.

Debakel gegen Bayer könnte Wendepunkt sein

Insgesamt, so scheint es nun, hat die Woche nach dem desaströsen 0:6 gegen den FC Bayern München vor Wochenfrist nicht die tiefen Furchen hinterlassen, wie sie zu befürchten standen. Vielmehr könnte dieses Debakel als Wendepunkt in die Chronik dieser Saison eingehen. Als die Woche, in der auch der letzte Spieler wirklich begriffen hat, dass es so nicht mehr weitergehen kann. „Wenn man vor 75.000 Fans sechs Gegentore bekommt, ist es wichtig, das auch mal hart anzusprechen. Das haben wir getan. Aber das betrifft alle. Auch das Trainerteam. Eine solche Niederlage ist ja nicht dazu da, nur die Mannschaft zu kritisieren. Sondern stellt auch für uns die Frage: Was können wir besser machen?“, sagte Tretschok, der mit Otto Rehhagel und seinem Team offenkundig die richtige Antwort gefunden hat.

Gemeinsam, wie er nicht müde wird zu betonen. Denn da gab es ja diese Stimmen, die besagten, in Wirklichkeit habe er, Tretschok, den Hut auf. Und Fragen gab es, was eigentlich Otto Rehhagel genau in Berlin mache, außer den Bundespräsidenten zu wählen oder mit dem Außenminister zu Abend zu speisen. Er wolle klarstellen, sagte der Co-Trainer: „Wir treffen uns jeden Tag eine Stunde vor Trainingsbeginn. Alle Trainingseinheiten besprechen wir dann, dazu gehören nicht nur Tretschok und Covic, sondern auch Henrik Kuchno und Christian Fiedler. Wir vier bereiten das Training mit Otto Rehhagel vor. Er entscheidet am Ende, aber wir sind ständig in den Entscheidungsprozess einbezogen.“ Und überhaupt, das gesamte Trainerteam habe von Rehhagel schon viel gelernt.

Nun wird es darum gehen, diese einheitliche Linie in die kommenden Wochen des Abstiegskampfes zu tragen. In dem seit dem Wochenende ja wieder die halbe Liga mitmischt, nachdem es zwischenzeitlich so aussah, als würde sich der Kreis der abstiegsbedrohten Teams nach und nach reduzieren. Nun sind selbst Klubs wie Mainz, Nürnberg oder Köln, die schon wie sicher gerettet aussahen, zurück im Kampf um den Klassenerhalt. Durchaus ein Vorteil für Hertha, meint Tretschok: „Es ist sicher brutaler, erst in dieser Saisonphase mit dem Abstieg konfrontiert zu werden. Wir wissen schon seit Wochen, was auf uns zukommt.“ Nämlich ein Maximum der noch zu verteilenden 21 Punkte zu erbeuten. Das Abstrampeln hat also gerade erst begonnen.

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