Hertha BSC

Nikita Rukavytsya blüht unter Coach Rehhagel auf

Herthas Angreifer Nikita Rukavytsya ist unter Fans bislang eher als Mitläufer bekannt. Genau das soll sich unter Trainer Rehhagel ändern.

Foto: BM/JÖRG KRAUTHÖFER

Im Jahr 2012 gibt es bislang genau zwei Szenen von Nikita Rukavytsya, die in Erinnerung bleiben werden. Da ist zum einen sein Tor gegen den SV Werder Bremen vor drei Wochen. Da hatte der Australier in Diensten von Hertha BSC einen hohen Ball im Strafraum volley angenommen und einfach mal draufgehalten, was angesichts der Pleiten-Serie seines Arbeitgebers ohnehin schon ein kühnes Unterfangen war.

Damit aber nicht genug, denn obwohl – oder gerade weil? – er den Ball nicht einmal richtig traf, netzte er zum ersten Sieg im Kalenderjahr ein. Die zweite Szene datiert aus dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 am vergangenen Wochenende. Da hatte sich der 24-Jährige mustergültig durch die Abwehrreihe gespielt und musste nur noch einschieben – scheiterte aber an Torwart Wetklo, bevor er den Ball im Liegen doch noch als Vorlage für Änis Ben-Hatira auflegte. Gedankenschnell, aber irgendwie auch ungelenk.

Wo andere sich schon mal mit der einfachen Aufgabe zufrieden geben, darf es für den schnellen Außen auch gerne mal die komplizierte Variante sein. Das ist nun kein Ausdruck von Unvermögen, immerhin war Rukavytsya so an zwei von fünf Toren in der Rückrunde beteiligt. Nein, diese Entschlossenheit zeugt vielmehr von einem neuen Vertrauen, das Rukavytsya zu spüren meint.

Monatelang war er abgemeldet und fungierte unter den Ex-Trainern Markus Babbel und Michael Skibbe nur als Ergänzungsspieler. Der Aufstieg in die Bundesliga schien für ihn zum Fiasko zu werden. Bis Otto Rehhagel zu Hertha BSC kam.

Unter ihm ist „Ruka“, wie er von vielen nur gerufen wird, zurück in die Startelf gekehrt. „Die neuen Trainer haben mir jede Menge neues Selbstvertrauen gegeben“, erzählt er, und fügt an: „Ich glaube nicht, dass ich mich groß verändert habe.“

Zwölf Vorlagen in der Zweiten Liga

Der in der Ukraine geborene, später nach Perth ausgewanderte Angreifer gehört zu den Spielern in Berlin, über die gar nicht so viel bekannt ist. Das mutet ein bisschen seltsam an, schließlich ist er schon seit 2010 im Klub und war in der Zweitligasaison mit vier Toren und immerhin zwölf Vorlagen bester Berliner Zuspieler.

Seine Geschwindigkeit auf der Außenbahn beeindruckt jeden Gegner, und doch hat er bei den Fans ein Image, das irgendwo im Bereich „Mitläufer“ angesiedelt ist. Wobei das Laufen durchaus auch einen Großteil seines Spiels einnimmt. Warum er so schnell ist, weiß Rukavytsya selbst nicht so genau.

In einem Leichtathletik-Klub war er nie, er kennt nicht einmal seine Bestzeit über 100 Meter. Wahrscheinlich, so vermutet er es, liegt es ganz einfach an den Genen. Für Hertha jedenfalls ist seine Schnelligkeit ein unschätzbarer Vorteil, auch wenn der Witz kursiert, er sei selbst für den Ball zu flott – in Anspielung auf seine bisweilen etwas hölzernen Aktionen.

Doch die Angst vor Fehlern hat ihm Rehhagel gleich als erstes genommen. „Die Trainer haben mir gesagt, ich soll einfach mein Spiel durchziehen. Das ist es, was ich mache.“ Der Plan scheint aufzugehen, auch wenn der scheue Australier noch nicht immer den ganzen Mut aufbringt.

So wie beim Debakel gegen Bayern München, als er beim Stande von 0:0 frei vor Manuel Neuer auftauchte. Doch statt abzuschließen, versuchte er, einen Strafstoß zu schinden.

"Wenn du gewinnst, bist du einfach besser drauf"

Dabei hat Rukavytsya diesen Zug zum Tor, er ist gelernter Stürmer. Als er zu Hertha BSC kam, stellte er verwundert fest, dass man ihn als Außen einplante. Zuvor hatte er immer nur als Spitze gespielt.

In Berlin profitiert er aber von seiner neuen Position, keiner seiner Konkurrenten konnte sich bislang festspielen in der ersten Elf. Egal, ob sie Patrick Ebert, Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun heißen.

So gesehen darf sich der Australier ob der neuen Situation glücklich schätzen. Aber auch das gehört zu seinem Wesen, lieber als über sich redet er über die Mannschaft.

„Das letzte Spiel hat gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können. Der Sieg hat uns nach vorne gebracht“, sagt er, „Wenn du gewinnst, bist du einfach besser drauf.“ Woran er derzeit großen Anteil hat. Auch wenn seine Aktionen manchmal etwas unglücklich anmuten.

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