Abstiegskampf

Hertha meldet sich mit Sieg in Mainz zurück

Mit dem ersten Auswärtssieg seit knapp fünf Monaten in Mainz schöpft Hertha BSC wieder Hoffnung im Abstiegskampf. Otto Rehhagel war anschließend stolz wie Oskar.

Am Ende eines äußerst erfolgreichen Tages gab Otto Rehhagel doch wieder den Diktator. „Schluss jetzt“, rief der eigenwillige Trainer von Hertha BSC nach dem 3:1 (1:0)-Coup beim FSV Mainz 05 in der Pressekonferenz und löste die Runde einfach auf. Lächelnd zog „König Otto“ von dannen und ließ die verdutzten Journalisten dann noch seine Einschätzung in Sachen Abstiegskampf wissen: „Es ist noch nichts passiert. Wir haben wieder ein bisschen Luft, aber es wird noch sehr, sehr schwer.“

Obwohl die Hertha noch immer auf einem Abstiegsplatz liegt, genoss Rehhagel seinen zweiten Triumph im fünften Spiel als Berliner Coach sichtlich. Und er freute sich wohl insgeheim über seinen gelungenen Schachzug nach dem 0:6-Debakel gegen Bayern München am Spieltag zuvor.

In den Tagen vor dem ersten Auswärtssieg der Berliner seit dem 29. Oktober hatte Rehhagel auf Demokratie statt „Ottokratie“ gesetzt. „Ich habe den Spielern gesagt, ich bin für sie Tag und Nacht zu erreichen. Ich pendle nämlich nur zwischen Hotel und Stadion hin und her“, berichtete der 73-Jährige über seine „Schmuse“-Taktik, die bei den Profis gut ankam.



„Der Trainer hat keine Parolen rausgehauen und ist in solch einer schwierigen Situation ruhig geblieben. Rehhagel macht seine Sache super“, sagte Berlins Mittelfeldspieler Peter Niemeyer, relativierte den „Otto-Rummel“ aber gleichzeitig: „Es geht nicht nur um ihn. Wir Spieler stehen da draußen und müssen den Arsch in der Hose haben.“

Manager Preetz lobt Trainer Rehhagel

Aber auch Manager Michael Preetz lobte den einstigen Meistercoach, dessen Zauber nach drei Niederlagen in vier Spielen schon als verflogen galt. „Das hat Früchte getragen“, sagte Preetz über das von Rehhagel verordnete Torschusstraining in den vergangenen Tagen.

Nutznießer war in erster Linie Doppeltorschütze Adrian Ramos (52./69.), der bis dato in diesem Jahr noch nicht getroffen hatte. Der Berliner Coach hatte sich den Kolumbianer vor der Partie in Mainz zur Brust genommen. „Ich habe ihn daran erinnert, dass er es schon mal besser gemacht hat als in den letzten Wochen. Adrian sollte mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen“, berichtete Rehhagel über das erfolgreiche Aufbaugespräch.

Und der Trainer-Methusalem wusste, dass er zudem noch ein goldenes Händchen bewiesen hatte. Der von ihm in die Startelf beorderte Änis Ben-Hatira besorgte die überraschende Führung (41.) der Gäste. Weitere Motivationshilfe zogen die Berliner ausgerechnet aus einer ominösen Aktion des Abstiegskonkurrenten FC Augsburg. „Wenn so etwas passiert, fühlt man sich angestachelt. So etwas pusht“, sagte Niemeyer in Anspielung auf die Geschichte um Matthias Ostrzolek.

Der Augsburger Verteidiger hatte nach der Partie gegen Mainz (1:2) am 26. Spieltag behauptet, FSV-Angreifer Mohamed Zidan habe ihn „dahin getreten, wo es am meisten wehtut“. Gegenüber dem DFB-Sportgericht soll Ostrzolek später nur von einem „kurzen Körperkontakt“ gesprochen haben. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) leitete kein Ermittlungsverfahren gegen Zidan ein, der Ägypter konnte so gegen Augsburgs Konkurrenten Hertha spielen. „Den Fairness-Preis bekommen die wohl nicht mehr“, lästerte Niemeyer.

Bei den Mainzern, für die Eric Maxim Choupo-Moting zwischenzeitlich auf 1:2 (58.) verkürzte, geht nach der sechsten Heimpleite wieder die Angst um. „Allen muss klar sein, dass wir wieder mitten im Abstiegskampf sind“, mahnte FSV-Trainer Christian Heidel.