Hauptstadt-Vereine

Die Sportstadt Berlin bangt mit Hertha BSC

Hertha BSC droht nach 2010 der erneute Abstieg aus der Bundesliga. Morgenpost Online zeigt, was das für andere Sportvereine bedeuten würde.

Foto: Sven Lambert

Die Lage ist prekär. Hertha BSC droht nach 2010 erneut der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Während die Eisbären und Alba, die Füchse und BR Volleys alle im Rennen um Meisterehren dabei sind, steht das Flaggschiff vor dem Abgrund. Von Titelträumen sind die Blau-Weißen weit entfernt, jedes Tor und jeder Punktgewinn hat schon Seltenheit. Die Partie am Sonnabend gegen Mainz (15.30 Uhr, bei Sky und im Live-Ticker von Morgenpost Online ) ist das nächste von jetzt noch acht ausstehenden Endspielen.

Füchse könnten 100.000 Euro mehr einnehmen

Doch in der Not, das hat die Geschichte oftmals bewiesen, rückt man in der Hauptstadt zusammen. Das tun auch die Spitzenklubs, sie bangen mit Hertha und hoffen, dass der Gang ins Fußball-Unterhaus noch abgewendet werden kann. „Hertha BSC ist das Aushängeschild der Stadt und für Berlin von elementarer Bedeutung“, sagt Bob Hanning, „Hertha ist ein Zugpferd, eine Marke, die weltweit wahrgenommen wird. Der Abstieg von Hertha wäre eine Katastrophe für Berlin.“ Der Geschäftsführer der Füchse hatte 2005 den Handball in der Hauptstadt nach 21 Jahren aus dem Dornröschenschlaf geholt und den Verein an die Spitze der Bundesliga geführt. Zudem kämpft sein Klub am Sonntag beim HSV Hamburg um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Hanning glaubt, dass durch einen Abstieg von Hertha womöglich 100.000 Euro mehr an Sponsorengeldern in die Füchse-Kasse gespült würden. „Aber das ist viel zu kurz gedacht, denn wir würden dadurch weit mehr verlieren.“ Das Image der Sportstadt Berlin definiere sich über Hertha, „deshalb brauchen wir einen Hauptstadtklub in der Fußball-Bundesliga.“ Mit Ingo Schiller ist Bob Hanning eng befreundet, der Finanzvorstand von Hertha und der Füchse-Manager tauschen sich auch über ihrer Klubs aus.

Auch Hannings Rückraum-Ass Sven-Sören Christophersen hofft, dass Berlin im Fußball erstklassig bleibt. „Ich war beim Sieg gegen Bremen im Stadion“, erzählt der Nationalspieler, „und hatte das Glück, endlich einen Sieg zu sehen.“ Christophersen hält die Situation, in der Herthas Mannschaft steckt, für „verzwickt. Die Jungs tun alles, um da rauszukommen. Und wenn es dann Woche für Woche nicht klappt, gerätst du in einen Strudel, aus dem du nur schwer wieder freikommst. Erfolge im Sport haben ja viel mit Selbstbewusstsein zu tun.“

Eisbären Manager fühlt mit

Dieser Satz des Füchse-Spielers hätte auch vom Manager der BR Volleys stammen können. Denn die spielten am Mittwoch im ersten Halbfinale beim VfB Friedrichshafen mit dem Serienmeister erst auf Augenhöhe, als sie „den Respekt abgelegt hatten, frech und selbstbewusst dagegen hielten“, sagt Kaweh Niroomand. „Jeder weiß, dass ich seit 50 Jahren Dortmund-Fan bin, aber natürlich sympathisiere ich mit Hertha und bin auch öfter im Stadion. Hertha gehört zu Berlin. Wir sind nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die Sport-Hauptstadt und die braucht Erstliga-Fußball. Ich hoffe sehr, dass Hertha den Klassenerhalt packt.“

Niederlagen-Serien und dahinschwindendes Selbstvertrauen sind bei den Eisbären nach fünf Meisterschaften in sechs Jahren höchstens sporadisch mal ein Thema. Ihr Manager Peter John Lee sagt: „Ich weiß, wie das ist, wenn du in solch einer Phase steckst. Ich kann Hertha nachfühlen. Aber als Berliner unterstütze ich sie natürlich und möchte, dass sie in der Bundesliga bleiben.“ Lee erinnert sich noch gut an den Anfang der 2000er Jahre, als oft Transparente der Fans mit dem Spruch „Ohne Lee, sonst schaffen wir das nie“ in der Halle hingen. Schon damals dabei: Sven Felski. „Wir sprechen in der Kabine manchmal über Hertha, es ist ja etwas, das in unserer Stadt passiert“, erzählt das Eisbären-Urgestein. „Ich finde das schon traurig, hoffe aber, dass sie es schaffen. Berlin ohne Bundesligaklub wäre nicht schön.“

Albas Schaffartzik ärgert sich

Die Basketballer von Alba haben, wie es aussieht, die große Talfahrt dieser Saison hinter sich und kämpfen als Tabellendritter nach nunmehr neun Bundesliga-Siegen in Folge um Platz zwei zum Play-off-Start. Eine Platzierung, von der Hertha nur träumen kann. Sorgenvoll schaut Nationalspieler Heiko Schaffartzik zum Fußball-Nachbarn. „Wir sind die Hauptstadt und sollten schon einen Erstliga-Klub haben. Aber Hertha hatte auch in der Zweiten Liga 50.000 Zuschauer und wird wohl immer das Zugpferd des Berliner Sports bleiben“, glaubt der Spielmacher der Nationalmannschaft, dessen Markenzeichen es ist, Verantwortung zu übernehmen, wenn es darauf ankommt. Und dann trifft er oft mit den schwierigsten Würfen. „Meine Wahrnehmung war, das Hertha immer irgendwie versucht hat, der kleine FC Bayern zu sein.

Das habe ich in der Zweiten Liga und zu Anfang dieser Saison unter Markus Babbel anders empfunden. Da war der Klub mit jungen Spielern und viel Einsatz erfolgreich. Jetzt ärgere ich mich, dass das alles wieder ins Gegenteil umgeschlagen ist.“ Vorerst. Denn noch gibt es einen Weg zurück in die Erfolgsspur. Acht Endspiele stehen vor den Blau-Weißen, darunter vier Heimpartien gegen Wolfsburg, Kaiserslautern, Freiburg und Hoffenheim. Wenn Hertha wie Eisbären, Füchse und Alba endlich das Kämpfen lernt, könnte die Rettung doch noch vollbracht werden.

Ist Hertha BSC noch vor dem Abstieg zu retten, was muss sich ändern? Diskutieren Sie mit im Hertha-Blog unter www.immerhertha.de