Bei ein paar hunderttausend Euro an Abfindungen und Ablösezahlungen für entlassene oder neu zu verpflichtende Trainer in dieser Saison fallen 30 Euro mehr oder weniger nun auch nicht mehr ins Gewicht. Auf recht unbürokratische Weise jedenfalls, so ist es aus Frankfurter Verbandskreisen zu hören, hat der Deutsche Fußball-Bund eine für Hertha BSC und Otto Rehhagel peinliche Nachlässigkeit aus der Welt geschafft – und gegen kleine Gebühr den fehlenden Nachweis einer erbrachten Pflichtfortbildung auf des Fußballlehrers Trainerschein gestempelt.

Derart ausreichend autorisiert führt Rehhagel das Team des Berliner Bundesligisten durch die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel am Sonnabend in Mainz (15.30 Uhr, bei Sky und im Live-Ticker von Morgenpost Online ). Nach dem 0:6-Debakel gegen Bayern München hatte er seinen Profis drei Tage Trauerfrist gewährt. Genau so lange wären sie auch „mental im Eimer“ gewesen, sagte Rehhagel.

Mainzer gerade zu Spielbeginn torgefährlich

Seit Mittwochnachmittag präparieren sie sich nun für die vor ihnen liegende Aufgabe. Im wahrsten Sinne des Wortes von der ersten Sekunde an wird Hertha, das an Gegentoren reichste und insgesamt schlechteste Team der Rückrunde, im neuen Mainzer Stadion hellwach sein müssen. Denn die Gastgeber brillierten dort in jedem ihrer Heimspiele im Jahr 2012 als wahre Blitzstarter.

Nur die Bayern (13) haben in dieser Saison in der Anfangsviertelstunde mehr Tore erzielt; in der Rückrunde gerieten die Mainzer Gäste aus Freiburg nach drei Minuten in Rückstand, Hannover hielt sieben Minuten durch, Kaiserslautern nur zwei und Nürnberg sogar weniger als 60 Sekunden.

Rehhagel behauptet: „Wir wissen das. Man weiß vieles, von allen. Darauf bereiten wir uns vor.“ Doch wird seine ramponierte Mannschaft dem zu erwartenden Mainzer Stresstest auch mental gewachsen sein? Antwort des Trainers: „Fußball ist ein einziger Stress.“ Es sind Floskeln und Binsen wie diese, mit denen Rehhagel den angeschlagenen Hertha-Dampfer durch die Krise zu manövrieren versucht. Trotz des bislang überschaubaren Ertrages seiner Rettermission von nur einem Sieg aus vier Spielen sei und bleibe er „überzeugt, dass wir die Möglichkeit haben, uns aus dieser schwierigen Situation zu befreien“, sagt Rehhagel. Begründung: „Ich bin grundsätzlicher Optimist.“

Rehhagel wusste, worauf er sich einlässt

Auch der größte Optimist kann aber am Tabellenende landen – so wie Hertha im Falle einer Niederlage in Mainz bei einem zeitgleichen Kaiserslauterer Sieg in Freiburg. „Ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse“, hat Rehhagel zwei Tage vor dem Mainz-Spiel seine Standardaussage wiederholt: „Dass ich hier keine Meistermannschaft übernehme und dass ich nicht jedes Spiel gewinne.“ Also müssen wenigstens alle alles versuchen, „damit wir den Abstieg vielleicht verhindern können“.

Die Hoffnung darauf schwingt in jedem Wort mit. Die Realität ist eine andere. Er könne sehr wohl die aktuelle Tabelle lesen, sagt Rehhagel, „und der Istzustand ist: Wir sind auf einem Abstiegsplatz.“ Davon weg führen nur Punkte und Siege.