Nikita Rukavytsya suchte nach einer genauen Formulierung. „Ja, die Richtung war schon geplant. Der Rest dagegen...“, sagte der Australier und schmunzelte. Erstmals in dieser Saison stand Rukavytsya bei Hertha BSC im Mittelpunkt. Ein halbes Jahr lang hatte der schnellste Sprinter im Kader Anlauf genommen, ehe ihm gegen Werder Bremen sein erstes Bundesliga-Tor gelang. Ein Treffer, der zu ekstatischem Jubel führte. Mit dem schwer erkämpften 1:0 beendete Hertha seine Durststrecke von 432 Minuten ohne Tor, von zwölf Bundesliga-Partien ohne Erfolg, von fünf Monaten ohne Heimsieg. „Ich habe die Flanke kommen sehen, aber der Rest war nicht so geplant“, beschrieb Rukavytsya seinen Volleyschuss, der auf den Boden sprang und in einer weiten Bogenlampe den Weg vorbei am verdutzten Werder-Torwart Tim Wiese ins Netz fand.

Durch den fünften Saisonsieg haben sich die Gewichte im Team verschoben, bisher festgefügte Rollen von Stammspielern und Reservisten verändern sich. So geht nicht nur Rukavytsya davon aus, am Sonnabend beim 1. FC Köln, wieder in der Startelf zu stehen. Das wiederum bedeutet, dass Patrick Ebert sich bis auf weiteres gedulden muss. Der Stammspieler hatte sich am Freitag beim Abschlusstraining mit Kniebeschwerden abgemeldet, er laboriert an einer Innenbanddehnung. Davon unabhängig läuft Ebert seit Wochen seiner Form hinterher.

Auch im defensiven Mittelfeld werden die Karten neu verteilt. So lobte Trainer Otto Rehhagel vor der Mannschaft ausdrücklich Levan Kobiashvili. „Für mich war Kobi als linker Außenverteidiger immer eine Fehlbesetzung. Er hat das clever gemacht, aber konnte nicht das ausspielen, was er wirklich drauf hat. Er bleibt jetzt erst mal im Mittelfeld.“ Zumal Felix Bastians als linker Verteidiger nicht nur durch seine Tor-Vorlage für Rukavytsya zeigte, dass er durchaus helfen kann.

Rehhagel ist angetan von seinem Routinier, der im Sommer 35 Jahre wird: „Das war eine unglaubliche Laufleistung – vorbildlich. Da können sich die Jungen ein Beispiel nehmen. Solchen Einsatz erwarte ich von jedem.“ Nun war der Rekordnationalspieler von Georgien eigentlich als Aushilfe für das verletzte oder gesperrte Trio Ottl/Lustenberger/Niemeyer eingesprungen. Nicht nur Kobiashvili hat die Aufgabe zur Zufriedenheit seines

Vorgesetzten gelöst. Auch Liga-Debütant Fanol Perdedaj, von seinem Trainer „Paradise“ genannt, überzeugte gegen Bremen mit einer couragierten Leistung. „Paradise hat gekämpft wie ein Löwe, aber bei aller Begeisterung müssen die Spieler immer klug bleiben“, sagte Rehhagel. Das heißt, dass gegen Köln von den drei etablierten Doppel-Sechsern sich mindestens zwei erst mal hinten anstellen müssen.

Ähnliches gilt für den Kapitän. Der Trainer bat Andre Mijatovic am Spieltag beim Morgenspaziergang im Tiergarten zum Gespräch. Der Innenverteidiger hatte wegen einer Verletzung die Rückrunden-Vorbereitung verpasst und schwächelt seither. „Aus taktischen Überlegungen habe ich ihn herausgenommen“, sagte Rehhagel. „Er hat das angenommen und wunderbar weggesteckt. Ich habe gesagt, es wird sicher eine Situation geben, wo er eingewechselt wird.“

Anstelle von Mijatovic spielte Christoph Janker – der seine Chance nutzte. Obwohl der ehemalige Dauerreservist weiter an den Folgen eines Jochbein-Bruchs leidet und mit einer Carbonmaske aufläuft, spielte Janker gegen Werder einen zuverlässigen Innenverteidiger. Der Verbund der Manndecker mit Roman Hubnik/Janker wird bleiben. „Gegen Bremen hat es gut funktioniert“, sagte Cheftaktiker Otto Rehhagel. „Es gibt jetzt im Moment keinen Grund, das wieder auseinanderzureißen.“

ub/sto