Dieter Burdenski (61) ist in Bremen eine Legende. Knapp 500 Bundesliga-Spiele hat er bestritten, dazu zwischen 1977 und 1984 zwölf Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft.

Morgenpost Online: Herr Burdenski, Sie kennen sowohl Werder-Trainer Thomas Schaaf als auch Herthas neuen Coach, Otto Rehhagel, sehr gut. Wie ähnlich sind sich beide?

Dieter Burdenski: Thomas Schaaf ist sehr Rehhagel-geprägt, weil er nie unter einem anderen Trainer spielte. Deshalb übernahm er von ihm einiges. Thomas ist unter anderem, wie Rehhagel, sehr fokussiert auf den Fußball und versucht, Nebengeräusche wie übertriebene Reaktionen der Presse von den Spielern fern zu halten. Parallel hat sich Schaaf aber auch seinen eigenen Stil angeeignet und sich so von Otto abgenabelt. Er hat beispielsweise zur Presse kein derart angespanntes Verhältnis wie Rehhagel.

Morgenpost Online: Sie spielten von 1981 bis 1988 unter Rehhagel. Wie haben Sie Ihren damaligen Vorgesetzten erlebt?

Dieter Burdenski: Er ist ein Diktator, aber hatte mit dieser Art großen Erfolg. Dieser Wesenszug bedingt jedoch auch, dass Otto nicht gut in einer Gruppe arbeiten kann. Er geht seinen eigenen Weg und alle Dinge müssen so laufen, wie er sie bestimmt und für richtig hält. Und da er sich mit 73 Jahren bestimmt nicht ändert, wird er auch in Berlin so arbeiten.

Morgenpost Online: Ist diese, sagen wir, Gutsherren-Art heute noch zeitgemäß? Die meisten jungen Spieler wollen einen Meinungsaustausch zwischen der Mannschaft und der sportlichen Leitung.

Dieter Burdenski: Natürlich haben sich die Zeiten geändert, weil viele Spieler heutzutage mitreden wollen. Das wird unter Rehhagel aber nicht möglich sein. Entscheidend ist, ob Otto Hertha vor dem Abstieg rettet. Schafft er es, hat er alles richtig gemacht, denn der Klub steht schwer unter Druck. Verliert Rehhagel aber heute gegen Werder Bremen wird es stürmisch um ihn und dann werden vielleicht auch seine Methoden von den Medien aufgegriffen.

Morgenpost Online: Auch Sie hatten ein angespanntes Verhältnis zu Rehhagel, weil er Sie 1988 in Ihrem letzten Spiel für Werder nicht einsetzte, obwohl Werder schon als Deutscher Meister feststand. Es wäre Ihr 479. Bundesliga-Einsatz geworden.

Dieter Burdenski: Das war typisch Rehhagel. Einen Tag vor dem Spiel in Schalke stand in der Zeitung, dass ich spielen werde. In der Team-Besprechung sagte Otto dann, dass die Zeitung keine Mannschaft aufstellt, sondern nur er alleine. Damit war das Thema durch und ich saß 90 Minuten auf der Bank.

Morgenpost Online: Rehhagel der Machtmensch.

Dieter Burdenski: Otto war bei Werder der Alleinherrscher. Er hat alles bestimmt, besaß alle Rechte und konnte uneingeschränkt walten. Nicht einmal Werders Vorstand konnte ihn kontrollieren. Rehhagel war bei Werder alles in einer Person. Der absolute Häuptling.

Morgenpost Online: Die Lage in Berlin ist kompliziert. Rehhagel ist bereits der fünfte Trainer in dieser Saison. Und Hertha braucht bei nur noch elf ausstehenden Saisonspielen rasch positive Ergebnisse.

Dieter Burdenski: Das Spiel gegen Werder ist für ihn ein spezielles Spiel und wegweisend für Otto. Wenn Hertha am Sonnabend verliert, wird es schwer für Rehhagel seine Spieler in den kommenden Wochen noch zu erreichen und zu motivieren. Ich fürchte, dass der positive Reiz, den er in den Tagen nach seiner Verpflichtung gesetzt hat, dann schon weg ist, und Otto wäre schwer angeschlagen. Er steht gegen Werder mit dem Rücken zur Wand.