Bundesliga

Hertha taumelt dem Abstieg entgegen

Schreckensbilanz: Fünf Trainer in einer Saison hat Hertha BSC verschlissen. Die Mannschaft ist seit zwölf Spielen sieglos. Und im neuen Jahr erzielten die Berliner nur ein Tor. Der Abgrund heißt Abstieg.

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In turbulenten Zeiten kann selbst ein erfahrener Fußball-Profi schon einmal den Überblick verlieren. Mit den Zahlen war das jedenfalls so eine Sache bei Peter Niemeyer. Was die neue Tabellensituation, namentlich das Abrutschen auf den Relegationsplatz der Bundesliga, für Konsequenzen habe, wurde er gefragt. „Die Tabelle sagt aus, dass wir seit….“, setzte Niemeyer an, dann stutzte er: Waren es nun zehn, elf oder doch schon zwölf sieglose Spiele in Serie? Zwölf sind es inzwischen, wie der 28-Jährige letztlich korrekt feststellte, eine immense Zahl. Die flankiert wird von einer Horrorbilanz: Nur ein Tor hat Hertha in 2012 erzielt, bereits vier Trainer verschlissen und in der Liga sechsmal in Folge verloren. Der Klub taumelt dem Abstieg entgegen.

Nein, es war kein schöner Sonntag nach dem . Dort hatte es die Mannschaft geschafft, sich binnen 90 Minuten aus dem Schatten des neuen Startrainers Otto Rehhagel wieder in den Fokus zu spielen – im negativen Sinn. Der 73-Jährige hatte unter der Woche das komplette Medieninteresse auf sich gezogen. Nun stehen die Profis im Rampenlicht – und ihr Wille.

Hatten die Spieler in dem monatelangen Hickhack um die Entlassungen von Markus Babbel und Michael Skibbe immer eine latente Ausrede für schlechte Leistungen, so liegt es ab sofort allein an ihnen. „Sich Alibis zu suchen ist immer einfach“, sagt auch Niemeyer, „dafür können wir uns aber nichts kaufen.“ Diese Selbsterkenntnis ist immerhin schon ein Anfang. Niemeyer geht aber noch weiter, wenn er sagt: „ Wir müssen insgesamt zusammenrücken. Es geht nicht um Einzelne, es geht um das Ganze.“ Eine Botschaft nach innen, wo sich der ein oder andere Spieler eher mit seiner eigenen Situation als der des Klubs zu befassen scheint.

Überhaupt ist das mit der Selbstwahrnehmung so eine Sache. So kampflos wie Hertha in Augsburg auftrat, befindet sich ein Teil der Mannschaft gedanklich offenbar noch in höheren Tabellenregionen. Als wirkliche Kämpfer fallen immer nur die Gleichen auf: Niemeyer zuvorderst; wenn sie spielen können, auch Andreas Ottl, Christian Lell, Roman Hubnik und mit Abstrichen Patrick Ebert. Vom Rest dagegen ist immer weniger zu sehen. Adrian Ramos? Seit Wochen abgetaucht. Raffael? Gewann in Augsburg exakt drei Zweikämpfe. Die Außenspieler? Sind fast beliebig austauschbar. Kapitän Andre Mijatovic? Befindet sich im Formtief. „Das Problem liegt in der Gruppe, einzelne rauszupicken, bringt nichts“, sagt Niemeyer zwar. Und doch wird das ein oder andere Vieraugengespräch fällig sein. Denn es kommt nicht von ungefähr, wenn der neue Trainer fast schon lapidar anmerkt: „Wir haben in Augsburg zu viele Zweikämpfe verloren, so einfach ist das.“

An dieser Niederlage können die Spieler nichts mehr ändern. Sie müssen den Frust jetzt ganz dringend aus den Köpfen bekommen. „Wir sind am Boden zerstört“, sagt Verteidiger Janker. Dieses Gefühl muss zum Wochenauftakt am Dienstag dringend überwunden sein.

Denn: Hertha wird im Abstiegskampf neben viel mehr Leidenschaft und Kampf eben auch eine gehörige Portion Selbstvertrauen benötigen. Vom Kopf wird alles abhängen. Nicht umsonst betont Krisenmanager Michael Preetz: „Es wäre falsch, jetzt eine Qualitätsdebatte anzufangen.“ Die Mannschaft habe schließlich längst gezeigt, dass sie mithalten könne. „Es kann nicht unser Anspruch sein, in Augsburg zu verlieren“, sagt auch Niemeyer. Zu verlieren sicher nicht. Je eher Herthas Profis aber begreifen, dass sie sich eben doch auf ähnlichem Niveau bewegen, desto größer sind die Chancen, die Krise zu meistern. Niemeyer jedenfalls wollte schon einmal mit gutem Beispiel vorangehen. Die Zeit des Redens sei vorbei, sagte er, „das hilft nicht. Taten auf dem Platz sind gefragt.“ Sein Team hat es in der Hand, noch ist nichts verloren. All zu lange aber darf die Wende nicht mehr auf sich warten lassen.

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